Feuerwerk der Ideen und des Geistes

14. August 2009, 15:23
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"Flagranti und andere Heiterkeiten" von Ludwig Hevesi

Auf der Sonnenseite. Glückliche Reisen. Blaue Fernen. Auch: Gut munkeln. Ist ein Autor wegen solcher Buchtitel nicht zu Recht vergessen? Wie es dem 1843 geborenen Ludwig Hevesi passiert ist. Doch dies völlig zu Unrecht! Wie viele in Wien-Hietzing wissen, dass sich hinter dem Namensgeber der Hevesigasse ein Autor verbirgt, der nicht nur als Kunstkritiker prägend und einflussreich war, so nannte der heutige Chefredakteur des Pester Lloyd Hevesi, den einstigen Mitarbeiter des Pester Lloyd, gar "den Pressesprecher der Wiener Secessionisten". Der Spruch über dem Secessionsgebäude stammt von ihm, der in Ungarn zur Welt kam und sich 1910 Wien tötete. Hevesis Feuilletons sind staunenswert lebendig geblieben. Die letzte Auswahl erschien 1990; und so ist in höchsten Tönen zu loben, dass nun in einem schön handlichen Büchlein, allerdings ohne Angabe von Entstehungsjahr und nicht ein- noch ausgeleitet von Nach- oder Vorwort, Feuilletons von ihm wieder greifbar sind. Acht Causerien, die stilistisch biegsam und schlank, witzig und zeitlos geblieben sind. "Heiterkeiten"? Vielmehr viel mehr: ein Pointenfeuerwerk der Ideen, Ironien und blitzgescheiter Geistesgegenwart. So kämpft er sich in Die Rumpelkammer durch einen Dachboden voller Moder und trockenen Papiers, um herauszufinden, dass es sich dabei - um sein Schulwissen handelt. Oder er blickt vom Jahr 11872 in einer Wissenschaftsparodie auf Baden. Eine grandiose Wiederentdeckung! (Alexander Kluy/DER STANDARD, Printausgabe, 14.-16. 8. 2009)

Ludwig Hevesi, "Flagranti und andere Heiterkeiten". € 12,- / 96 Seiten. Metro, Wien 2009

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