Investorenstimmung steigt weiter

14. August 2009, 15:10
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau und Vincent Holzer

Die Zahlen zum Q2 BIP in der Eurozone (-0,1% Q/Q) brachten diese Woche eine positive Überraschung und fügten sich so in das generell freundliche Bild an den europäischen und internationalen Börsen ein. Der STOXX 600 legte ab Mitte der Woche kräftig zu und konnte auf Wochensicht ein Plus von 1,1% verbuchen. Versorger (+3%) und Baufirmen (+3%) waren nach positiven Unternehmenszahlen die Top- Performer. Auch die defensiven Telekoms setzen ihre relative Stärke seit Mai fort (+2,6%). Rohstofftitel und Lebensmittelhersteller gaben je 2% nach und sind so die Sektoren am Ende der Tabelle. Large Caps und Value Titel sind weiterhin relativ stärker gefragt. Der VDAX gab bei etwas schwächerem Handelsvolumen in Frankfurt um 2% nach und steht nun bei 24,3 Punkten.

Kupfer legte 6% auf USD 6.381/t zu und Aluminium schloss wieder über USD 2.000/t (+3,5%). Gold steht bei USD 955 und Silber bei USD 15,1. Das Barrel Brent kostet derzeit USD 73,5 (-2%) und der Baltic Dry Index setzt seine Talfahrt fort und steht nun bei 2.685 Punkten.

Während das BIP in Q2 positiv überraschte hat sich die Industrieproduktion in der Eurozone im Juni unerwartet schwach entwickelt. Die Produktion fiel ohne das Baugewerbe gegenüber Mai um saisonbereinigte 0,6% (Konsens: +0,3%). Auf Jahressicht ergab sich damit ein Minus von 17,0%. Im Mai war die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat noch um 0,6% gewachsen.

Die Börsenanleger in der Eurozone blicken derzeit so optimistisch in die Zukunft wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Die Erwartungskomponente des Sentix Index lag im Juli noch im Minus, legte nun aber um 13,5 auf 8 Pkt. zu. Höher lag er zuletzt im Juli 2007. Auch die aktuelle Lage stieg um 14,75 auf -39 Zähler und damit auf den höchsten Stand seit Januar. Der zusammengefasste Sentix- Index verbesserte sich so um 14,3 Pkt. auf -17 Pkt. Insgesamt sind die Pessimisten jedoch weiterhin in der Überzahl. Das Stimmungsbarometer liegt nun auf ähnlichem Niveau wie Anfang 2003.

Thyssen Krupp: Umsatzminus von 34 Prozent

Die schlechten Zahlen zu Industrieproduktion spiegeln sich auch im Ergebnis von Thyssen Krupp wieder. Im dritten Quartal seines Geschäftsjahres lag das Vorsteuerergebnis bei Minus EUR 772 Mio. nach einem Plus von EUR 909 Mio. im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging um 34% auf EUR 9,3 Mrd. zurück. Der Konsens war von etwas besseren Zahlen bei Gewinn und Umsatz ausgegangen. Für das Gesamtjahr Ende September erwartet man vor Steuern und Sonderposten einen Verlust in "höherer dreistelliger Millionen-Euro-Größe". Bislang hatte der Konzern einen bereinigten Vorsteuerverlust in mittlerer bis hoher dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt. Weiters will der Konzern offenbar die Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss verkaufen.

Die Talfahrt bei K+S hat sich in Q2 unerwartet stark beschleunigt. Der operative Gewinn brach auf EUR 18,1 Mio. von EUR 326,4 Mio. ein. Der Konsens war im Schnitt von 33 Mio. ausgegangen. Nach Steuern und bereinigt stand sogar ein Verlust von EUR 44,3 Mio. zu Buche, wozu auch ein Einmaleffekt durch die Kaufpreissicherung für die Übernahme von Morton Salt beitrug. K+S setzte im zweiten Quartal 738,7 Millionen Euro um (-38%). Im Gesamtjahr werden die Erlöse ebenfalls deutlich zurückgehen, eine konkrete Prognose nannte der Vorstand für 2009 aber nach wie vor nicht. Hochtief berichtete dagegen schwarze Zahlen.Der Gewinn sank aber unter anderem wegen Währungseffekten auf EUR 160,7 Mio. Damit übertraf man die Schätzungen. Während der Auftragseingang auf EUR 5,7 Mrd. zurückging kletterte der Auftragsbestand auf EUR 33,1 Mrd.

BHP Billiton hat im Geschäftsjahr bis Ende Juni erstmals seit sieben Jahren einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Der Gewinn ist wegen des Nachfrageeinbruchs und dem Rückgang der Metallpreise um 30% gefallen. Der Umsatz ging um 15,6% auf USD 50,2 Mrd. zurück. BHP Billiton sieht erste leichte Anzeichen für eine Nachfragebelebung in Nordamerika, Europa und Japan. Es sei allerdings noch nicht eindeutig zu sagen, ob es sich nur um die Auffüllung der Läger oder um eine nachhaltige Erholung handelt. Ungeachtet der Einbrüche durch die Krise sieht sich der Konzern gut aufgestellt.

Trotz eines gesunkenen Strom- und Gasabsatzes hat RWE im ersten Halbjahr seinen Gewinn gesteigert. Der Konzern profitierte dabei vor allem von einem deutlich verbesserten Ergebnis der Handelssparte, seinen langfristigen Lieferverträgen und einem höheren Strompreis. Der Umsatz fiel in den ersten sechs Monaten um 1,4% auf EUR 24,39 Mrd. Operativ stiegen die Gewinne im Halbjahr um 3,8%. Grosse Schwierigkeiten bereitet RWE aber sein Geschäft in Großbritannien. Dort verdiente der Konzern operativ weniger als die Hälfte des Vorjahres. 

Nestlé enttäuscht mit Umsatzrückgang im Halbjahr

Auch Nestlé spürt die Wirtschaftskrise. Der Umsatz ging weltweit zurück, während der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr praktisch stabil blieb. Der Gewinn übertraf dabei, anders als Umsatz und organisches Wachstum, die Erwartungen und war einem besserem Finanzergebnis und einer tieferen Steuerquote zu verdanken. Laut Nestlé betrug das organische Wachstum konzernweit 3,5%. Praktisch alle Nestlé-Bereiche wiesen positive organische Wachstumsraten auf. Einzig Nestlé Waters hatte ein Minus um 2,9% zu verbuchen. Bei Nahrungsmitteln und Getränken legte die Region Nord- und Südamerika um 6,6% zu, Europa um nur 0,2% und Asien, Ozeanien und Afrika verbesserten sich um 5,9%. Nun erwartet Nestlé eine Beschleunigung des volumengetriebenen Wachstums sowie eine Verbesserung der EBITMarge. Ein konkreter Ausblick blieb aus. Das frühere Ziel eines fünfprozentigen Jahreswachstums wurde nicht mehr genannt. Die Aktie gab diese Woche um 6% nach.

Swisscom gab bekannt, dass sie ihren Gewinn im ersten Halbjahr trotz leicht rückläufiger Umsätze um gut 20% steigern konnte, was mit Einmaleffekten zusammenhängt. Zudem wurde der Ausblick bestätigt. Die Swatch Group konnte sich der globalen Wirtschaftskrise nicht entziehen: Der Gewinn fiel im ersten Halbjahr 2009 auf CHF 301 Mio. (-27%). Der Umsatz sank gegenüber dem Rekordergebnis der Vorjahresperiode um 15,3% auf CHF 2,48 Mrd. Die Aktie legte diese Woche bei hohem Volumen aber um 16% zu, da man schlechtere Zahlen erwartet hatte.

Bei Adecco hinterlässt die anhaltende Schwäche der globalen Arbeitsmärkte immer deutlichere Spuren. In Q2 schrieb das Unternehmen überraschend einen Verlust von EUR 147 Mio. Hauptursache dafür ist eine Abschreibung von über EUR 192 Mio. Das Unternehmen verfehlte sowohl sie Umsatz- als auch die Gewinnschätzungen. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um 31% auf EUR 3,6 Mrd. und entsprach damit der Entwicklung bei den Konkurrenten Manpower und Randstad.

Das US-Bundesbezirksgericht in Miami hat diese Woche den Fall UBS formell abgeschlossen nachdem die Parteien am Mittwoch den erfolgreichen Abschluss eines außergerichtlichen Vergleichs im Steuerstreit zwischen der Schweizer Grossbank und der US-Steuerbehörde IRS bekannt gegeben hatten. Laut der Schweizerischen Bankiervereinigung kann mit dem Vergleich ein langwieriger Prozess vermieden werden, der sich negativ auf die UBS und den Finanzplatz Schweiz ausgewirkt hätte. Sie erwartet, dass im Deal die Schweizer Rechtsordnung gewahrt bleibt. Die interessanten Einzelheiten zum Vergleich werden aber erst nächste der Woche bekannt gegeben. Der Tenor lautet jedoch, dass der Deal das Schweizer Bankgeheimnis "zumindest aufgeweicht" hat, so das Wall Street Journal.

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