Legendäre Signaturen von "Love & Peace"

14. August 2009, 14:59
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"Woodstock - die Chronik" von Mike Evans

Zugegeben: Die ausgewählte Aufschlagseite des schlicht Woodstock betitelten Bildbandes darf als entsprechend bekannt und wenig überraschend apostrophiert werden. Andererseits impliziert kaum ein anderes Foto derart das Lebensgefühl der Hippie-Generation, deren Symbiose aus nonkonformistischer Insubordination, bourgeoiser Revolution und pazifistischem Love-&-Peace-Feeling.

Das Foto entstand am Morgen des dritten Tages des von 15. bis 18. August 1969 in Woodstock stattfindenden Musikfestivals. Starker Regen hatte das bunte Hippie-Volk in Schlamm und Matsch versinken lassen. Künstler und Publikum trotzten allerdings den widrigen Umständen, feierten unbeirrt unter freiem Himmel ihr Festival of "Peace & Music". Partiell erkannten die von Musikmagazinen entsandten Fotografen die gesellschaftliche Sprengkraft der sinnlichen Atmosphäre, wandten sich zunehmend eher dem teilweise nackten Open-Air-Publikum zu als den Bands on Stage. Das auf dem Bild (und dem Cover des Original-Woodstock-Albums) rein zufällig von Burk Uzzle abgelichtete Paar stellt übrigens ein den damals postulierten gesellschaftlichen Metamorphosen widersprechendes Paradoxon dar: Nick & Bobbi Ercoline, dem (zumindest klischeeartigen) Statement "Wer dreimal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment" nicht entsprechend, sind auch 40 Jahre später noch zusammen, seit 38 Jahren traditionell verheiratet.

Die authentische Monografie des ehemaligen Musikers und Journalisten Mike Evans dokumentiert die Genese des Festivals, dem gravierende soziale Umbrüche in den USA vorausgegangen waren, sowie die künstlerischen und auch gesellschaftspolitischen Dimensionen des Happenings. Obwohl alle beteiligten Künstler, alle Bands, deren Besetzungen und Setlists, deren Befindlichkeiten, und auch die relevanten Künstler, die dem Festival nicht gefolgt waren, minutiös in Wort und Bild porträtiert werden, kristallisiert sich in der Komplexität von Evans' Beschreibungen und in Betrachtung der Fotografien das Publikum als wahrer Protagonist des Festivals heraus. Angesichts der Average-People werden die Dimensionen der zentralen Message - wider Krieg, Ausbeutung und Kapitalismus, für Freiheit, Liebe und Frieden - augenscheinlich. Deren Selbstverständnis ist ebenso nachhaltig im kollektiven Bewusstsein mit Woodstock konnotiert wie Jimi Hendrix' Dekonstruktion der US-Hymne. Groovy. (Gregor Auenhamme/DER STANDARD, Printausgabe, 14.-16. 8. 2009)

  • Mike Evans, "Woodstock - die Chronik". € 41,10 / 288 Seiten. Coll. Rolf Heyne, München 2009

    Mike Evans, "Woodstock - die Chronik". € 41,10 / 288 Seiten. Coll. Rolf Heyne, München 2009

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