Putschpräsident: "OAS-General Insulza ist nicht willkommen"

15. August 2009, 09:23
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5000 Demonstranten fordern Freilassung Gefangener - Argentinien friert Kontakt zu Honduras ein

Tegucigalpa/Buenos Aires - Die Anhänger des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya in Honduras haben ihre Protestaktionen in der Hauptstadt Tegucigalpa fortgesetzt. Rund 5.000 Menschen versammelten sich am Donnerstag vor der Polizeizentrale und verlangten Auskunft über den Verbleib von 27 Gesinnungsgenossen, die am Vortag verhaftet wurden.

Interimspräsident Roberto Micheletti lehnte unterdessen jeden offiziellen Besuch von OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza ab. Bisher hatte die international nicht anerkannte Interimsregierung noch erklärt, dass Insulza als Beobachter einer geplanten Delegation der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zugelassen werde. Jetzt sagte Micheletti vor Journalisten: "Wir wollen nicht, dass er kommt. Er ist für uns nicht willkommen in diesem Land, es sei denn, er kommt als Tourist und gibt Dollars aus." Insulza hingegen traf am Donnerstag in Washington mit Vertretern der Interimsregierung zusammen und sprach anschließend von einer "sehr konstruktiven Unterredung".

Demonstranten wegen Aufruhrs angeklagt

Die Behörden in Honduras haben 24 Anhänger des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya wegen Aufruhrs angeklagt. Gegen vier weitere Demonstranten wurde ein Verfahren wegen Brandstiftung und Terrorismus eingeleitet, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte.

Die Beschuldigten wurden bei einer Demonstration mit rund 10.000 Teilnehmern festgenommen. Dabei kam es am Dienstag zu Ausschreitungen, bei denen ein Bus und die Filiale einer Fast-Food-Kette in Flammen aufgingen.

Zelaya in Chile

Im Zuge seiner Lateinamerikareise hielt sich Zelaya am Donnerstag in Chile auf. Der linksgerichtete Politiker wurde am 28. Juni von Soldaten verhaftet und nach Costa Rica gebracht. Auslöser war ein Streit um ein vom Präsidenten betriebenes Referendum über die Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung. Die nach dem Umsturz eingesetzte Interimsregierung will bis zur Präsidentschaftswahl am 29. November ausharren - dieser Termin wurde bereits vor der Verhaftung Zelayas angesetzt. Dessen Amtszeit endet am 27. Jänner 2010, und die gegenwärtige Verfassung erlaubt Zelaya keine neuerliche Kandidatur.

Argentinien hat unterdessen alle direkten diplomatischen Kontakte zu Honduras unterbrochen. Die honduranische Botschafterin in Argentinien, Carmen Eleonora Ortez Williams, solle wegen ihrer Unterstützung des Sturzes von Präsident Zelaya ihre Tätigkeit in Argentinien einstellen, teilte das Außenministerium am Donnerstag (Ortszeit) mit. Die Kontakte mit dem Land würden fortan über die honduranische Botschaft in den USA laufen. Diese Entscheidung sei auf Bitten Zelayas getroffen worden.

Nach einem Besuch Zelayas in Santiago de Chile erneuerte Präsidentin Michelle Bachelet ihre Unterstützung für den gestürzten Präsidenten. Chile werde sich weiter für eine baldige Wiedereinsetzung Zelayas stark machen, sagte Bachelet. Zuvor hatte Zelaya in Brasilien Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva getroffen und um Unterstützung geworben. (red/APA/AP)

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    Masken des Putschpräsidenten Roberto Micheletti und seines Armeechefs Romeo Vasquez bei einer Kundgebung in Tegucigalpa

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