Gibt es den typischen Wiener Duft?

16. August 2009, 17:18
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Für Karls- und Stephansplatz wurden bereits Duftkarten erstellt

Wien - "Gibt es den typischen Wiener Duft? Wenn man es will ja, man kann damit arbeiten, aber objektiv - nein." So lautet die vorläufige Einschätzung von Projektleiterin Madalina Diaconu (Universität Wien) zu dem von ihr geleiteten interdisziplinären Projekt: "Tast- und Duftdesign: Ressourcen für die Creative Industries in Wien". Das Vorhaben läuft noch bis 2010.

Düfte und Duftklischees

Die Philosophin hat gemeinsam mit Chemikern, Botanikern, Designern und Kunstpädagogen verschiedene Düfte und Duftklischees der Bundeshauptstadt unter die Lupe genommen, vom Fliederduft im Prater bis zum äußerst komplexen Gemisch der verschiedensten Substanzen in den Kaffeehäusern. Wenn man es so will, wenn es vor allem in der eigenen Wahrnehmung und in der Erinnerung gespeichert ist, hat etwa das Wiener Kaffeehaus einen eigenen Geruch. "Hier geht es um Vorstellungen, Traditionen und durchaus positiv gemeinte Klischees, man kann auch damit arbeiten, etwa im Tourismus", sagte Diaconu.

Rein objektiv gibt es den typischen Geruch allerdings nicht, ganz ähnliche Mischungen kommen in vergleichbaren Räumen in anderen Städten zusammen, wenn Zigarettenrauch, Putzmittel und ein Hauch Kaffee zusammenkommen, zeigten die chemischen Analysen vor Ort.

Netz von Duftkarten

Diaconu möchte ein möglichst umfangreiches Netz von Duftkarten erstellen, auf denen die wichtigsten olfaktorischen Wahrnehmungen eingetragen sind. Ein wichtiges Werkzeug für die Erstellung solcher Karten sind wiederholte Begehungen. "Dabei ist zu beachten, dass sich je nach Tageszeit, Wochenverlauf oder Jahreszeit andere Variationen ergeben", so die Wissenschafterin. Etwa für Karls- und Stephansplatz, den Praterstern oder die Umgebung der Universität Wien wurden solche Karten bereits erstellt.

Wissenschafter der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien haben sich speziell Gärten und Grünzonen vorgenommen. In Befragungen zeigten sich durchgehend positive emotionale Auswirkungen der Geruchsatmosphäre. "Somit würde ein bewusster Einsatz von Duftdesign in verschiedenen Lebensräumen der Stadt nicht nur den Wiedererkennungswert und damit die Identität Wiens stärken, sondern insgesamt die Lebensqualität nachweislich erhöhen", sind die Forscher überzeugt.

Experimenteller Duftgarten

Aus diesem Grund haben die Boku-Experten einen eigenen experimentellen Duftgarten angelegt, in dem die Grundlagen dazu ausgearbeitet werden. Hier soll durch Beobachtung der Wachstumserfolge und mit Hilfe eines Blühkalenders die Frage beantwortet werden, wie sich Gartengestaltung hinsichtlich einer Komposition mit Duftfamilien planmäßig umsetzen ließe. (APA)

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