Zwischen Pub und Friedhof

14. August 2009, 14:37
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"Jack Taylor fliegt raus" von Ken Bruen

Jack Taylor, Expolizist, Gelegenheitsdetektiv und Bücherliebhaber im irischen Galway bekommt einen Auftrag. Eine trauernde Mutter will den Beweis, dass ihre Teenager-Tochter sich nicht selbst umgebracht hat, sondern ermordet wurde. Das ist die ganze Story. Taylor, der derart säuft, dass man beim bloßen Lesen schon betrunken wird, tut erst einmal gar nichts. Zusammengeschlagen und aus der Entzugsklinik entlassen, tut er immer noch nichts; der Fall löst sich nebenbei auf. Dass es dabei einige keineswegs unschuldige Tote gibt, ist aus der Sicht Taylors nicht beunruhigend. In dieser Gegend, geprägt von Frömmelei, Gewalt und Alkohol, regnet es andauernd, eine meteorologische Entsprechung zum Seelenleben des Ich-Erzählers. Das Werk ist äußerst lakonisch, mit noch weniger Worten könnte man der Handlung nicht mehr folgen. Zitate aus dem Kanon großer Dichter, Lyrik, von Eigenbau bis Weltklasse, sorgen für kurze Pausen im Delirium. Ken Bruen ist zweifellos eine singuläre Erscheinung, denn er schreibt keinen Krimi, sondern philosophiert - was Wunder, hat er doch in Dublin über Metaphysik promoviert. Diesem Sonderstatus wird auch sein Übersetzer gerecht: Harry Rowohlt. Ihm ist es wohl zu verdanken, dass der grimmige Humor und die Schlagfertigkeit nicht verlorengingen, sondern ein wunderbar knorriges Eigenleben entfalten, - ein kongenialer Partner für einen Autor, dessen nächsten Jack-Taylor-Krimi er schon übersetzt hat. (Ingeborg Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.-16. 8. 2009)

  • Ken Bruen, "Jack Taylor fliegt raus". Deutsch: Harry Rowohlt. € 16,50 / 298 Seiten. Atrium, Zürich 2009
    coverfoto: atrium

    Ken Bruen, "Jack Taylor fliegt raus". Deutsch: Harry Rowohlt. € 16,50 / 298 Seiten. Atrium, Zürich 2009

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