Hannah-Arendt-Preis an Kurt Flasch

14. August 2009, 14:01
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Philosophiehistoriker wird für die Freiheit im Denken geehrt

Bremen - Der Bremer Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken geht in diesem Jahr an den deutschen Philosophiehistoriker Kurt Flasch. Der Wissenschafter habe sich die Freiheit im Denken gerade da genommen, wo weder die öffentliche Meinung noch der akademische Normalverbraucher sie vermuten würde - in der mittelalterlichen Philosophie, begründete die Jury ihre Entscheidung am Freitag. Seine Standardwerke seien stets ideenpolitische Streitschriften, die in die "Kampfplätze der Philosophie" einführten.

"Er erklärt uns ihre Spielregeln und schmutzigen Tricks, er lässt uns teilhaben am Streit der Ideen und Interessen", sagte Jury-Mitglied Otto Kallscheuer in einer Mitteilung. "Auf den Gemeinplätzen der Philosophie, in ihren Argumenten und Beweisgründen lernen wir so, die politischen wie kulturellen Konflikte ihrer Zeit zu verstehen - und zu kritisieren." Der 1930 in Mainz geborene Flasch promovierte und habilitierte in Frankfurt am Main. Von 1970 bis zu seiner Emeritierung 1995 war er an der Ruhr-Universität Bochum tätig.

Hintergrund

Die feierliche Verleihung des Hannah-Arendt-Preises ist für den 11. Dezember geplant. Das Land Bremen und die Heinrich-Böll-Stiftung vergeben die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung seit 1995. Sie ist nach der aus Hannover stammenden deutsch-jüdischen Denkerin Hannah Arendt (1906-1975) benannt. Bisherige Preisträger waren unter anderem die Grünen-Politiker Antje Vollmer und Daniel Cohn-Bendit, der frühere Beauftragte für die Stasi-Unterlagen Joachim Gauck und die damalige lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den russischen Soziologen Victor Zaslavsky. (APA)

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