Neil Gaiman gewinnt den Hugo Award

  • ... und sein preisgekrönter Roman, der auch schon auf Deutsch erschienen ist.
    foto: harper collins

    ... und sein preisgekrönter Roman, der auch schon auf Deutsch erschienen ist.

Geistergeschichte "The Graveyard Book" als bester Roman ausgezeichnet - Konkurrenten waren unter anderem Neal Stephenson und Charles Stross

Montreal - Am vergangenen Wochenende fand die mehrtägige World Science Fiction Convention im kanadischen Montreal statt - Höhepunkt der jedes Jahr in einer anderen Stadt abgehaltenen Veranstaltung ist traditionell die Bekanntgabe der Hugo Awards. Gewinner in der prestigeträchtigsten Kategorie "Bester Roman" ist heuer der britische Star-Autor Neil Gaiman für "The Graveyard Book".

Gaiman hat sich als Autor sowohl von Comics ("The Sandman") als auch Romanen ("American Gods", "Anansi Boys") einen exzellenten Ruf erworben. Immer wieder schreibt er auch Werke im Bereich "Young Adult Fiction", darunter die Novelle "Coraline", deren Verfilmung als 3D-Animationsabenteuer eben erst in den heimischen Kinos angelaufen ist. "The Graveyard Book" zählt ebenfalls zu dieser Kategorie und schildert in poetischer und atmosphärisch dichter Weise die Erlebnisse eines Jungen, der auf einem Friedhof zwischen Geistern, die er als seine Freunde und Familie betrachtet, heranwächst. Der Roman ist im Frühling unter dem Titel "Das Graveyard-Buch" beim Arena Verlag auf Deutsch erschienen.

Die Konkurrenz

Gaiman verwies damit nicht minder bekannte Namen auf die Plätze, so etwa Neal Stephenson, der nach Abschluss seines monumentalen "Baroque Cycle" seinen jüngsten Roman "Anathem" auf einem erdähnlichen Planeten ansiedelte. Ebenfalls nominiert waren die Space Opera "Saturn's Children" von Charles Stross (erscheint im Herbst als "Die Kinder des Saturn" bei Heyne), der Schüler-versus-Überwachungsstaat-Roman "Little Brother" des aufstrebenden Autors Cory Doctorow sowie "Zoe's Tale" (deutsch: "Zwischen den Sternen", Heyne) von John Scalzi: Eine Geschichte aus Scalzis populärem "Old Man's War"-Zyklus, einer neuen Variante von Military SF mit der Ausgangsidee, dass alte Menschen mit neugeklonten und technisch aufgemotzten Körpern versehen werden, um sie in Kampfeinsätze zu schicken. Scalzi wurde in einer anderen Kategorie für seinen Blog "Whatever" ausgezeichnet.

Angesichts der nicht allzu aufregenden Shortlist hatte es im Vorfeld allerdings einige Diskussionen gegeben - immerhin ist der Hugo der renommierteste Phantastik-Preis überhaupt. Der "Guardian" hatte vor dem Worldcon gar "When Democracy Fails" getitelt - in Anspielung auf das Auswahlverfahren, mit dem Worldcon-Mitglieder einige Monate vor der eigentlichen Veranstaltung ihre Nominierungen einsenden, die dann auf eine in jeder Kategorie maximal fünf Titel umfassende Shortlist eingedampft und zur Abstimmung freigegeben werden.

Weitere Preisträger

Erneut hat der US-Autor und - ebenso wie Gaiman - multiple Preisträger Ted Chiang die Auszeichnung für die beste Kurzgeschichte eingeheimst: "Exhalation" schildert das Selbst-Experiment eines künstlichen Lebewesens in seinem Mikrokosmos, dessen unvermeidlichen Untergang es aus seiner Analyse deduziert. Als beste Novelle wurde "The Erdmann Nexus" von Veteranin Nancy Kress ausgezeichnet, als beste Novelette (ein Format in der Länge zwischen Novelle und Kurzgeschichte) "Shoggoths in Bloom" von Elizabeth Bear. Darin macht die US-Autorin die Kreaturen H.P. Lovecrafts zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung.

Preise gab es auch in nicht-literarischen Kategorien: Der computeranimierte Pixar-Film "WALL·E - Der Letzte räumt die Erde auf" über einen einsamen Roboter auf der verlassenen Erde hat nach dem Nebula nun auch den Hugo gewonnen. Auch "Buffy"-Erfinder Joss Whedon erhielt seine zweite Auszeichnung, und zwar für sein Internet-Musical "Dr. Horrible's Sing-Along Blog". Die gesamte Preisträger-Liste finden Sie auf der Website der Hugos. (red)

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