Netscape-Gründer setzt auf Facebook-Browser

14. August 2009, 11:34
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Marc Andreessen will sich offenbar wieder in die Browser-Schlacht stürzen und unterstützt den Entwickler RockMelt

Netscape-Gründer Marc Andreessen will offenbar erneut in den Browser-Krieg ziehen und unterstützt das Start-Up-Unternehmen RockMelt, das an einem neuen Browser arbeitet. Zwar wurde der Browser noch nicht offiziell angekündigt, doch Andreessen soll durchblicken haben lassen, dass damit ein vollkommen neuer Ansatz verfolgt werde, berichtet die New York Times.

Der erste Browser-Krieg

Nachdem Microsoft Netscape mit seinem Internet Explorer vom Markt gedrängt hatte, stagnierte der Browser-Markt lange Zeit und der Redmonder Browser dominierte das Web mit über 90 Prozent Marktanteilen. Erst mit der Veröffentlichung von Firefox im Jahr 2004 kam wieder Bewegung in den Markt und seit eineinhalb Jahren ist der Browser-Krieg mit Google Chrome und Apples Safari wieder voll entbrannt.

Zentrale Rolle für den Browser

Doch der Schauplatz des Browser-Wettrüstens hat sich seit den 1990er und frühen 2000er Jahren stark verändert. Ging es früher nur um den Zugang zu Websites, erfüllen Browser heute eine deutlich erweiterte Funktion. Der Browser soll in Zukunft die zentrale Software auf dem PC werden. Anwendungen wie Office-Programme sollen als Online-Versionen über das Web genutzt werden. Vor allem Google pusht diesen Ansatz mit Chrome OS, einem Betriebssystem, das vorrangig auf dem Chrome-Browser basieren soll. Aber auch Microsoft hat als Antwort auf den Cloud Computing-Trend Web-Versionen seiner Office-Programme angekündigt.

Mit Facebook verbandelt

Daneben gewinnen Echtzeitinformationen und Social Networking immer mehr an Bedeutung. Auch diesem Trend soll RockMelt offenbar Rechnung tragen. Dem NYT-Bericht zufolge soll der Browser mit Facebook verbandelt sein. Auf der Website der Entwickler sei für kurze Zeit eine Policy zu finden gewesen, die besagte, dass man sich mit der Facebook ID auch bei RockMelt anmelden könne. Das lässt darauf schließen, dass Funktionen und Ansicht des Browser speziell auf das Social Network zugeschnitten sind. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der auf Firefox basierende Flock-Browser. Doch bislang dürfte sich RockMelt noch in einem sehr frühen Stadium befinden, denn bei Facebook habe man noch keine Informationen darüber.

Facebook rüstet auf

Sofern die Informationen stimmen, könnte das RockMelt einen Vorteil am Browser-Markt verschaffen, denn Facebook schickt sich an, seine Dominanz im Web ordentlich auszubauen. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass das Social Network den Online-Dienst FriendFeed übernommen hat und damit sowohl gegen Twitter als auch gegen Google aufrüstet (der WebStandard berichtete).

Browsermarkt

Eine Hürde stellt für neue Browser jedenfalls dar, die Aufmerksamkeit der User zu gewinnen. Obwohl der Start von Google Chrome auch in den Mainstream-Medien in Fernsehen und Radio berichtet wurde, hat der Browser bislang nur etwa zwei Prozent Marktanteile gewinnen können. In der EU haben die alternativen Browser-Entwickler Microsoft dazu gebracht, dass Windows 7 nicht mehr nur mit dem Internet Explorer, sondern auch mit anderen Browsern ausgeliefert werden muss. Sofern RockMelt eine Kooperation mit Facebook eingeht, könnte der Browser von Anfang an die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich ziehen, wenn er auf der Seite von Facebook beworben wird.

RockMelt scheint jedenfalls gute Chance zu haben. Das Unternehmen wurde zusammen von Eric Vishria und Tim Howes, einem ehemalige Netscape-Kollegen von Andreessen, gegründet. Mit Andreessen hat das Start-up einen erfahrenen und einflussreichen Investor, der auch im Verwaltungsrat von Facebook sitzt. Vorerst heißt es auf der Website aber: Coming soon. (br)

 

  • Ein Logo hat RockMelt jedenfalls schon.
    grafik: rockmelt

    Ein Logo hat RockMelt jedenfalls schon.

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