Jeder Zehnte rutscht in Beschaffungskriminalität ab

14. August 2009, 14:19
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Neue Studie zu sozialen Folgekosten - Grüner Stadtrat Ellensohn fordert erneut Abschaffung in Wien und Mittel für Prävention und Therapie

Wien - "Die Folgekosten des Kleinen Glücksspiels sind insgesamt zumindest gleich hoch wie die Einnahmen. Offensichtlich verdienen manche Leute gut daran, auch die Sozialdemokraten", kritisierte der Grüne Stadtrat David Ellensohn am Freitag. Rund 50 Millionen Automaten-Euro kassiere Wien im Jahr, ohne Verantwortung für die Folgen zu übernehmen. Wien solle die Genehmigung für das kleine Glücksspiel zurückziehen, zumindest aber für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen sorgen und Mittel für Prävention, Therapie und Beratung bereitstellen.

Einstiegsdroge Automaten

Für mehr als 80 Prozent der Spielsüchtigen nahm die Sucht ihren Ausgang am Automaten, ein Drittel war beim Einstieg minderjährig, zitierte Ellensohn eine aktuelle Studie ("Kleines Glücksspiel - Großes Leid?") aus der Steiermark und den Tätigkeitsbericht der Spielsuchthilfe. Rund 86 Prozent der Spielsüchtigen haben demnach Spielschulden mit einer durchschnittlichen Verschuldung von rund 42.000 Euro, rund 18 Prozent rutschen in die Beschaffungskriminalität ab. "Wer Kleines Glücksspiel erlaubt, zieht Kriminalität nach sich", so Ellensohn.

Wien ist neben Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark eines von vier Bundesländern, in denen das Kleine Glücksspiel erlaubt ist. Entgegen den Bestimmungen des Gesetzgebers könnten viel mehr als nur 50 Cent pro Spiel eingesetzt werden, kritisierte der Grün-Politiker. Zudem würden die räumlichen Gegebenheiten vieler Automatenlokale nicht dem Gesetz entsprechen und der Jugendschutz sei hinsichtlich des Kleinen Glücksspiels unzureichend, in vielen Fällen völlig inexistent. "14-Jährige können problemlos ein- und ausgehen", berichtete Ellensohn von einem persönlichen Lokalaugenschein.

Die Stadt werde zwar auf offensichtliche Gesetzesverstöße hingewiesen, tue aber nichts dagegen. Von einer im Winter 2007 eingesetzten Kommission habe man bis heute nichts gehört, so Ellensohn, der auch darauf hinwies, dass der Glücksspielkonzern Novomatic im SPÖ-Mitgliedermagazin "Österreich" mit ganzseitigen Werbeanzeigen vertreten ist.

Überlastete Bertungsstellen

Völlig unzureichend ist laut den Grünen auch die Situation hinsichtlich der Beratungsstellen in Wien, die bislang ohne Subventionen der Stadt Wien auskommen müssten. Besonders problematisch daran: Im vergangenen Jahr hätten zudem erstmals Klienten der Spielsuchthilfe wegen der Überlastung abgewiesen werden müssen. (glicka, derStandard.at, 14. August 2009)

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    Für mehr als 80 Prozent der Spielsüchtigen begann die Sucht laut einer Studie am Spielautomaten.

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