Die Rückspiegelempirie

17. August 2009, 16:43
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Darüber, wie repräsentativ seine private Rückspiegelempirie sei, betont Herr B., könne er nichts sagen. Das liege in der Natur von Privatempirien

Dafür, sagt Herr B., sei seine eindeutig: Audi und BMW liefern sich darin ein Kopf-an-Kopf-Rennen - und andere Automarken kommen nicht vor.

Wobei "Kopf" irreführend sei, räumt Herr B. ein. Schließlich habe ihn ja noch nie wer am Kopf erwischt: A tergo einen Rückspiegel ans Bein zu bekommen genüge vollauf - das komme so alle 100 bis 150 Kilometer einmal vor.

Und daran werde und wolle er sich nicht gewöhnen. Herr B. ist Straßenradler. Hobbymäßig. Einer von denen, die auf sündteuren Rennrädern über Land ziehen. Meistens, sagt Herr B., fahre er allein. Dann wähle er eine Linie knapp rechts der Mitte der Fahrspur. Erstens, weil das sein gutes Recht sei. Zweitens, um zu überleben: Vom Luftzug eines überholenden Lkws werde man nämlich oft heftig versetzt - auch wenn die Brummis meist gute Abstände einhielten. So wie die meisten Pkws.

Die Ausnahme von der Regel folge aber, erzählt Herr B., auch einer Regel: Niemand - Herr B. radelt schon länger - überhole knapper als Audis oder BMWs. Angst, sagt Herr B., sei aber sinnlos: Wenn der Rückspiegel das Bein trifft, sei es ohnehin bereits zu spät - und prophylaktisch am rechten Fahrbahnrand zu picken brächte nichts.

Das, sagt Herr B., habe er nämlich auch probiert - und sei im Graben gelandet. Mit einer Erkenntnis: "Es ist wurscht, wie weit rechts du fährst - die weichen einfach nicht aus." (Thomas Rottenber/DER STANDARD/Automobil/14.8.2009)

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    "Es ist wurscht, wie weit rechts du fährst - die weichen einfach nicht aus."

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