Dem Kulturgut zuwinken

16. August 2009, 16:48

Früher war alles ganz einfach: Umso größer das Auto, desto höher der gesellschaftliche Status. Durch die Umweltdiskussion ist diese Logik ins Wanken geraten

Mächtige SUVs sind in breiten Kreisen in Verruf gekommen, wegen ihres hohen Verbrauchs. Alte Autos genießen aber nach wie vor hohe Achtung bei der Bevölkerung, auch wenn sie hundertmal so viel schädliche Abgase ausstoßen als ein Neuwagen. Das mag zwar lokal kurzfristig ein Problem sein, global ist das völlig egal, denn die Giftgase reagieren schnell mit der Umgebungsluft und werden unschädlich. Das heißt, solange nicht zu viele davon auf unseren Straßen fahren, dürfen wir uns ruhigen Gewissens ihrer erfreuen.

Auch das Gesetz sieht das so. Autos, die älter als dreißig Jahre sind, können problemlos aus allen Ländern der Welt importiert werden, bei jüngeren Modellen muss nachgewiesen werden, dass sie historisch wertvoll sind. Wenn jemand an der Rolle des Automobils als Kulturgut zweifelt, so braucht er nur bei einer der zahlreichen Oldtimer-Veranstaltungen zuzusehen. Da gibt es keine erhobenen Fäuste. Die Menschen am Straßenrand erfreuen sich ganz einfach der Boten aus früherer Zeit und bekunden dies in der Regel durch heftiges Zuwinken. Dabei wird gerne die Vielfalt im Design in früheren Jahrzehnten gelobt, was aber nicht ganz stimmt. Zu bestimmten Zeiten haben sich die Autos immer sehr ähnlich gesehen, weil Zeitgeist und technische Möglichkeiten nivellierend wirken. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/14.8.2009)

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Gesamtökobilanz

Hat jemand links zu Vergleichen zwischen neu gebautem Auto (mit entsprechendem Energiebedarf, Abfall und Transport) und Old/Youngtimer? Was ist da in Summe besser bzw. ab welchem Alter oder km Leistung ist ein Umstieg auf ein neues Gefährt umweltfreundlicher?

Ich hab mal ein bisschen gestoebert, mit Google findet man diesbezueglich grossteils Dinge die in Foren behauptet werden, aber nicht nachpruefbar sind. Als Startpunkt empfehle ich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Graue_Energie
20 000 kWh fuer einen Golf entsprechen etwa 5000 Liter Heizoel in einem Kraftwerk mit 40% Wirkungsgrad.

ineressant!

ich hab auch gestöbert.
der energiebedarf von 20.000 kWh für einen golf ist aber eher ein schlechter scherz.

habe die graue energie für den werkstoff stahl gefunden:http://windland.ch/doku_allg... stoffe.pdf
da stehen 27,78 kWh/kg.
wenn man beim golf 700kg veranschlagt, macht das schon mal 19.446 KWh für die produktion des notwendigen metalls.
auto ist das aber noch lange keins.
wikipedia ist zum vergessen!

Wenn das Metall aber wiederverwertet wird

schaut es wieder besser aus.

lg
Dimple

nicht unbedingt.


dann fällt doch energie für die gewinnung und für die wiederverwertung an.

wenn ein auto z.b. mehr als 20 jahre im betrieb ist, fällt einmal die energie für die gewinnung an.

wenn ich alle 10 jahre ein auto recycle hab ich einmal die energie für die gewinnung und 2x energie fürs wiederverwerten gebraucht.
da kann man doch beim 3. auto schwer sagen, man hätte weniger energie verbraucht.

Uups, das ist jetz ja nur Energie, du hast nach Gesamtoekobilanz gefragt. Ich schaetze das kommt sehr auf die Bewertung an, auch bei neuen Autos. Z.B stoesst ein Dieselmotor weniger klimaschaedliches CO2 aus, dafuer mehr lokal gesundheitsschaedliche NOx und Feinstaub (zum einen Prinzipbedingt, zum Anderen weil man ihn laesst, sprich grosszuegigere Normen) als ein Benziner. Was ist da jetzt besser?

Ein Trabant hat ja auch nur 600kg gehabt.
Mit dem 3er Golf Variant brauche ich aber auch nur knapp über 5Liter.
Einen Kat kann man auch nachher verbauen, der zahlt sich immer aus.

Ab 300.000km
Beim Prius aber erst ab 400.000, wege der Batterien.

Wie rechnen Sie das?

Man kann es leider nicht universell ausrechnen.
http://www.greenpeace.at/6559.html
Das ist der Greenpeace Rechner.
Dabei wird aber auch kein KAT berücksichtigt.
Es gibt auch noch andere CO2 Rechner. Einen mit NOx oder anderen Emissionswerten je nach Model (oldimter usw.) habe ich nicht gefunden.

20% der CO2 Emission gehen laut Greenpeace in die Produktion, 80% in die Benutzung.

Das mit dem Akku stimmt so auch nicht. Vielle Akkus kann man zu 90-100% recyclen.

Ich finde dort keine Zahlen fuer Batterien, sind die einfach ueber das Gewicht schon mit geschaetzt?
Die Zahlen (es geht aber nur um CO2, keine Gesamtbilanz) scheinen dort zwar vernuenftig (ausser die laecherlich geringe Haltbarkeit von Benzinmotoren), aber mir erscheint etwas zweifelhaft WAS dort ausgerechnet wird, naemlich ein Vergleich von folgenden 2 Szenarien:
A: Ich verschrotte mein derzeitiges Auto, kauf mir ein neues und fahre mit diesem eine bestimmte Anzahl an Jahren.
B: Ich fahre die gleiche Anzahl an Jahren mit meinem derzeitigen Auto weiter.
Warum aber sollte ich ein Auto das noch so lang haelt schrotten lassen?

Das beste Szenario wäre wahrscheinlich das alte Auto auf Elektro um zu rüsten und dann in alle Ewigkeit damit zu fahren. Aber bitte nur die leichten Oldtimer.

http://www.lincvolt.com/

Die Laufzeit der Motoren (habe auch schon Autos mit weit jenseits der 400.000km gefahren) stelle wahrscheinlich nur die Rechnungsgrundlage der Abgaswerte dar.
Sonst wären die 20/80% ja ohne Basis...denk ich mal.

Ich glaube die Rechnung an sich ist schon problematisch. Niemand kauft sich einen alten Gebrauchtwagen wenn er sich ein neueres Model leisten kann.
Die Umweltbilanz eines alten Autos bei der Herstellung war wahrscheinlich auch besser...
Spielt aber keine Rolle weil das Auto ja sowieso gefahren wird...egal ob man sich selbst dafür entscheidet oder jemand anderer damit fährt (Verschrotten wird keine Option sein).
Mehr Dreck machen die alten sicher.

ein katalysator beschleunigt reaktionen

die sowieso in der natur ablaufen würden. nur dauert es in der natur 150jahre!! bis die schadstoffe (Nox, Sox) abgebaut werden (also reagieren extrem schnell mit der umgebungsluft)
darüberhinaus ist die schiere grösse die mit dem minderwertigkeitskomplex des fahrers korreliert schon immer in verruf gestanden bei suvs, ganz egal ob es 12 oder 13 liter braucht. suvs verletzen fussgänger schwerer da sie diese, insbesondere kinder, am kopf treffen und nicht an den beinen, im falle eines zusammenstosses.
die sehnsucht liegt an der schönfärberei des vermeindlich guten alten von jenen leuten die mit der gegenwart nicht klar kommen. das was den meisten an oldtimern gefällt ist der verspielte art-deco stil (chrom+pastellack)der 20er bis 60er jahre.

Stimmt so nicht. Bei ALLEN Autos muss die Erhaltenswuerdigkeit fuer eine Zulassung als Oldtimer nachgewiesen werden. Dafuer gibt es eine vom Ministerium approbierte Liste, in die man nur gegen Bares Einsicht erhaelt.

Gebrauchtfahrzeuge aus der EU koennen uebrigens seit Neustem auch regulaer zugelassen werden, auch wenn sie keine Oldtimer sind.

"Auch das Gesetz sieht das so. Autos, die älter als dreißig Jahre sind, können problemlos aus allen Ländern der Welt importiert werden, bei jüngeren Modellen muss nachgewiesen werden, dass sie historisch wertvoll sind."


Fragt sich, welches Gesetz das denn sein soll: das Oberste Gesetz der Standard-Automobilredaktion?

Die Republik Österreich ist jedenfalls bereits am 11.12.2008 vom EuGH (EuGH C-524/07) wegen ihrer diskriminierenden Zulassungsbestimmungen für Gebrauchtwagen verurteilt worden - kurz zusammengefasst: wenn der Wagen den damals (!) in Österreich gültigen Zulassungsbestimmungen entspricht, muss er auch jetzt zugelassen werden können (also auch Fahrzeuge vor 1989 ohne Kat).

Also nix Kulturgut, nix Euro II oder ähnlicher Humbug. Nachdem auch die CO2-Steuer für Gebrauchte vor 2008 gefallen ist, steht einem Youngtimer-Eigenimport nichts mehr im Weg ... bis auf die NoVA - und wann fällt die?

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