Den Ruf im Internet checken und putzen

14. August 2009, 10:23
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Wer im Netz keine Suchtreffer zusammenbringt, existiert praktisch nicht - Noch schlimmer ist aber ein angepatzter digitaler Ruf - Dessen Management wird zunehmend komplex

Jugendsünden, im Taumel der Eitelkeiten selbst ins Netz gestellt oder als Mobbing-Attacken losgelassen, werden für zunehmend mehr Menschen unangenehm, Hacker missbrauchen Vertrauen in soziale Netzwerke, kapern Benutzerkonten. In Unternehmen beginnt sich der Job des Web-Reputation-Managers zu verbreiten, um den Ruf des Unternehmens in Facebook, Twitter, Myspace und auf Kelzen zu checken und nötigenfalls zu reparieren.

Es nützt nichts: Auch wenn Unternehmen beginnen, Zugänge zu solchen Netzwerken vom Büro aus zu beschränken - es wird gechattet, gebloggt, eingetragen, der bösen Erfahrung mit den Kollegen oder den Chefs Luft gemacht. Das auch immer häufiger zum eigenen Schaden, denn: Auch wenn die Relevanz der digitalen Identität gerne heruntergespielt wird, informieren sich Personalentscheider ja doch im Netz. Natürlich ist Googeln nicht anerkannte Recruitingmethode und Ultima Ratio der Personalauswahl. Aber: Bilder entstehen, erste Eindrücke fressen sich fest. Selbst der schlechte Ruf von Namensvettern und -basen schadet gelegentlich schon, da muss man noch gar nicht mit einem wütenden Kommentar über den Exarbeitgeber hergezogen sein.

Getunte Persönlichkeiten

Dass Abmahnungen und sogar Kündigungen wegen negativer Online-Äußerungen laut Forrester-Studie zunehmen, mag dies belegen. Aber auch die andere Seite schlägt schnell zurück: Wer den Surfurlaub am Comer See zum Managementtraining macht, Biografie und Persönlichkeit im Netz tunt, hat ebenso ein Problem. Der Wirklichkeitscheck erfolgt garantiert.

Dass es im Internet gar keine Privatsphäre mehr gebe und diese Entblößung, diese Nacktheit noch längst nicht ihren höchsten Grad erreicht habe, stellt Klaus Eck in seinem Buch Karrierefalle Internet sehr eindringlich dar.

Rufpflege im Internet

Reputationsmanagement, also checken und Warten des digitalen Spiegels, ist großes Thema geworden. Glaubt man einer Studie der Reputationsberater Weber Shandwick mit der Economist Intelligence Unit vom Februar des Jahres, dann ist Online- Reputation-Management eine "strategische Kernaufgabe" für das Management, was den Unternehmensruf betrifft. Basis für diese Aussage sind Ergebnisse der Befragung von mehr als 700 Führungskräften in 20 Branchen und 62 Ländern: 84 Pro-zent erachten schlechte Beerichterstattung in Medien als größte Gefahr für das Image des Unternehmens, an das Internet wird dabei aber kaum gedacht - von irrtümlich weitergeleiteten Mails bis zu Kommentaren in Foren. Diese Befragung identifiziert Führungskräfte als "arglos" bezüglich des Schadenspotenzials.

So wie es derzeit aussieht, kommt das Geschäft solcher Berater ordentlich in die Gänge, auch jener, die den digitalen Fußabdruck kostenpflichtig "reparieren" - denn: leicht rauszukriegen sind Einträge auch für kundige Laien nicht. "Die aktive Gestaltung des Online-Profils ist die beste Verteidigung", sagt Susanna Wieseneder, Personal Councelor und Buchautorin zum Thema ("Reputationsmanagement", Hanser-Verlag). "Reputation-Defender" und "Reputation-Hawk" etwa bieten Such- und Löschdienste an. Wieseneder empfiehlt aber im besten Fall für das Reputation-Management Positionieren, Aktualisieren und regelmäßiges Monitoring der beruflichen oder privaten Themen mittels kostenloser Dienste wie Google Alert, Google Blog Search, technorati, watch blogs oder spock.com. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15./16.8.2009)

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    Reputation Management im Internet wird immer wichtiger

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