Gut gestylt gegen den Trend

16. August 2009, 20:00
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Das größte Migrantenmagazin Österreichs KOSMO trotzt der Krise - auch vom Trend zum Deutschsprachigen grenzt sich das Blatt ab

Dass sie mit dem Stom schwimmen, kann man Dragomir Janjić und Dejan Sudar nicht vorwerfen: Als große Printmedien gerade das zweite oder dritte Sparpaket schnürten, brachten sie ein neues Magazin auf den krisengebeutelten Markt. Während das Innenministerium nur noch Deutsch sprechende Migranten hier ansiedeln lassen wollte und rundherum Migrantenmedien begannen, auch auf Deutsch zu publizieren, gründeten sie KOSMO - ein Magazin, das deutsche Sätze nur in Werbeinseraten zulässt. Redaktionelle Texte erscheinen grundsätzlich auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS).

Ohne Zeigefinger

"Wenn man den Leuten sagt, sie sollen ihre Kinder in den Kindergarten schicken, dann schwingt im Deutschen immer der drohende Zeigefinger mit", erklärt Chefredakteur Nedad Memic. "Die eigene Muttersprache löst weniger Blockaden aus." Mit Abschottung habe das nichts zu tun - im Gegenteil: "Wenn wir über Innenpolitik berichten, dann heißt das für uns: österreichische Politik." Über serbische oder kroatische Politik berichte man nur, "wenn gerade ein Präsident zurück getreten ist", sagt Memic.

Ein "Servicemagazin mit Unterhaltungswert" wolle man sein: Neben Fotostrecken der letzten Partys in angesagten Balkan-Lokalen werden im Heft anstehende Änderungen beim Fremdenrecht oder Angebote für MigrantInnen erklärt. "Man glaubt kaum. wie wenig viele Leute, die seit 30 oder 40 Jahren hier leben, über ihre Rechte informiert sind", sagt Memic. Beispiel Deutschkurs: "So lange wurde nichts für die Migranten getan. Und jetzt tut man extrem viel - aber niemand weiß davon", sagt Janjić. Kein Wunder, meint Memic: "Die Mainstream-Medien berichten nur ganz klein darüber, weil es die Mehrheitsbevölkerung nicht interessiert." Hier sehe sich KOSMO gefordert.

Perfektes Marketing

Das klingt idealistisch - und ist gleichzeitig perfekt gestyltes Marketing. Das KOSMO-Team tingelt zu VertreterInnen der Stadt Wien, um sich Unterstützung zu holen, lässt jede einzelne Ausgabe komplett auf Deutsch übersetzen, damit auch alle potenziellen Werbepartner kapieren, was drinsteht. Auch in puncto Vertrieb liefern Janjic und Co. WerbekundInnen die optimale Zielgruppen-Abdeckung: KOSMO ist gratis, liegt aber nur dort auf, wo sich viele "Ex-Yugos" aufhalten: In ÖBB-Zügen Richtung Balkan, am Busbahnhof Richtung Süden, in Zielpunkt-Filialen mit hohem Migrantenanteil am Kundenstock, in ausgewählten Arztpraxen und Frisörläden. Und schon der Slogan des Magazins - "eine starke Verbindung" - scheint eher Werbende anzusprechen als die LeserInnen.

Janjic ist zuversichtlich, dass das Konzept aufgeht - und schmiedet schon neue Pläne. Von monatlich auf zweiwöchentlich wolle man umstellen, "sobald wir groß genug sind". Den Kontakt zur "Community" wollen die Zeitungsmacher trotzdem nicht verlieren: Schon jetzt, wenige Monate nach dem Start, funktioniere der Austausch.  So etwa mit jenem "Superleser", der seit Jahrzehnten hier lebe - aber in die KOSMO-Redaktion pilgere, "um sich von uns einen Zahlschein erklären zu lassen", sagt Janjic. Für Fragen wie diese plane man eine "Servicestelle in der Redaktion" - um jene Fragen zu klären, die in den Massenmedien untergehen. (Maria Sterkl, derStandard.at, 16.8.2009)

Wissen

KOSMO erscheint seit März monatlich in einer Auflage von 120.000 Stück und wird gratis vergeben. Herausgeber des 60-Seiten-Magazins ist der TWIST Zeitschriften Verlag, den Dragomir Janjic leitet. An Produktion, Redaktion, Vertrieb und Marketing arbeiten rund 20 Menschen, davon sieben in der Redaktion, wobei die RedakteurInnen laut eigenen Angaben "aus allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens" stammen. Die Artikel erscheinen je nach Herkunft der RedakteurInnen auf Serbisch, Bosnisch oder Kroatisch. Die nächste KOSMO-Ausgabe erscheint am 4. September.

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KOSMO

  • Das Original erscheint auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, die Archivausgaben sind auf Deutsch online abrufbar

    Das Original erscheint auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, die Archivausgaben sind auf Deutsch online abrufbar

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