"Es wird immer wieder solche Situationen geben"

14. August 2009, 13:24
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Ex-Polizeigeneral Franz Schnabl erklärt warum er nicht nur zu zweit in den Kremser Supermarkt gegangen wäre und wie er fast selbst einmal die Dienstwaffe einsetzte

Franz Schnabl, Ex-General der Wiener Sicherheitswache, arbeitet heute als Sicherheitschef bei Magna International Europe. Als junger Polizist stand er - wie vor kurzem die beiden Exekutivbeamten im Kremser Supermarkt - kurz vor der Entscheidung, eine Schusswaffe einzusetzen. Er hat es nicht getan.

Jedoch nur, weil er und sein Kollege mit der Hand an der Pistole "starr vor Schreck" gewesen seien. Erst im Nachhinein hätten sie gesehen, dass der Angreifer nur eine ungefährliche "Kirtagspistole" auf sie gerichtet hatte. Schnabl hält fest, dass es derartige Situationen in der Polizeiarbeit immer wieder geben wird, wobei er zum Fall Krems den Ermittlungen nicht vorgreifen möchte. Kritisch merkt er an, dass die mangelnde Transparenz der Informationspolitik des Landespolizeikommandos Niederösterreichs rund um den Schusswaffeneinsatz zur Polarisierung geführt habe. Und: Zu seiner Zeit in Wien wären Beamte höchstwahrscheinlich nicht nur zu zweit in einen Supermarkt mit Verdacht auf Einbrechern gegangen. "Je unklarer die Lage, desto größer die Reserve", habe hier immer die Devise gelautet. Indirekt kritisiert Schnabl dabei die Polizeireform von Ex-Innenminister Ernst Strasser, durch welche das Personal so reduziert worden sei, dass man manchmal eben nicht genügend Reserve zur Verfügung habe.

Es sei durchaus vorstellbar, dass die Schüsse in den Rücken und durch die Oberschenkel durch die beiden Exekutivbeamten in Krems bei einem Angriff der Einbrecher - etwa durch eine Drehbewegung- zustande gekommen seien. Dass die Einbrecher in Krems unbewaffnet gewesen seien, müsse man laut Schnabl relativieren, weil laut Gesetz selbst ein Hammer oder Schraubenzieher als Waffe gelte. "Die Beamtin und der Beamte sind in jedem Fall traumatisiert", meint der Ex-Polizist zur viertägigen Nicht-Einvernahme. Er kenne Kollegen, die noch viele Jahre nach einem Schusswechsel "ganz massiv" unter derartigen Traumata gelitten haben.

Kein gutes Haar lässt Schnabl an der von Innenministerin Maria Fekter ins Leben gerufenen "Soko Ost". Man könne dadurch vielleicht "Zufallstreffer" bei der Kriminalitätsbekämpfung erzielen. Viel zielführender und nachhaltiger wäre für Schnabl die Vertiefung der internationalen Zusammenarbeit der Polizei. (rasch, derStandard.at, 14.8.2009)

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