Sotheby's verliert Terrain

14. August 2009, 17:04
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Das Auktionshaus legt offizielle Bilanz zum Halbjahr: Sein Marktanteil schrumpft von 51 (2008) auf 39 Prozent

Die Performance auf dem Aktienmarkt lief für Sotheby's in den vergangenen sechs Monaten und im direkten Vergleich mit dem Dax deutlich besser als die Kursentwicklung auf Basis eines Zwölf-Monate-Rückblicks (siehe Grafik links) und vor allem angesichts der Details zu den Ergebnissen des zweiten Quartals 2009.

Nach einem Absacken der Betriebseinnahmen gegenüber 2008 im ersten Quartal 2009 (54,4 Mio. Dollar) um 58 Prozent notierte man für das zweite Quartal neuerlich ein Minus von 48 Prozent (167,3 Mio. Dollar). Noch trister gibt sich der Nettogewinn, er lag im zweiten Quartal bei 12,2 Millionen Dollar, in der Vergleichsperiode 2008 dagegen bei 95,3 Millionen. Vergleichszahlen von privat geführten Mitbewerbern liegen nicht vor, vermutlich ist deren Situation auch nicht rosiger.

Seit Jänner schlugen sich die Umsätze aus allen Geschäftsbereichen von Sotheby's mit 1,2 Milliarden Dollar zu Buche, Christie's veröffentlichte für den gleichen Zeitraum 1,8 Milliarden. Im Segment Private sowie Dealer Sales - u. a. bilanzieren der Kunsthandel Noortman Old Master Paintings (Sotheby's) oder die Galerie Haunch of Venison (Christie's) für die Auktionshäuser - ist man mit 198,4 Millionen (Sotheby's) bzw. 199,7 Millionen Dollar (Christie's) nahezu gleichauf.

Die Umsatzdifferenz zwischen den beiden Giganten lässt sich hauptsächlich im Auktionsbereich orten: Sotheby's setzte hier seit Jahresbeginn 994,8 Millionen Dollar um, während sich das Total bei Christie's auf 1,56 Milliarden belief. Zu dieser doch nennenswerte Abweichung trugen allerdings nicht London und New York bei, sondern Paris: Vor allem über die Collection Yves Saint Laurent & Pierre Bergé (443,1 Mio. Dollar) belief sich das Ergebnis in Paris schließlich auf 509 Millionen Dollar (2008: 132 Mio.). Diese bescherte Christie's zusätzlich den höchsten - am Auktionsumsatz des Konkurrenten Sotheby's bemessenen - Marktanteil in der Geschichte des Unternehmens: 61 Prozent, gegenüber dem bisherigen Höchststand von 55 Prozent im Jahr 2000.

Auch in der aktuellen Präsentation für Sotheby's-Investoren findet sich ein entsprechendes Chart, das die historische Entwicklung der Anteile am globalen Marktkuchen dokumentiert und klar auf deutlich bessere Zeiten verweist: 1989 lag Sotheby's mit einem Anteil von stolzen 57 Prozent noch deutlich voran, 1999 teilte man sich den Markt erstmals brüderlich, 2000 rutschte man auf 45 Prozent ab, 2004 lag man ein letztes Mal mit 54 Prozent an der Spitze. An der aktuellen Marktaufteilung wird sich entsprechend bisheriger Erfahrungswerte bis zum Jahresende kaum noch etwas ändern.

Kostendisziplin bleibt auch für Auktionshäuser erstes Gebot. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres - so sieht es Bill Ruprechts (CEO Sotheby's) Restrukturierungs-Programm vor - sollen 160 Millionen Dollar eingespart werden, 116,6 Millionen schaffte man bisher. Die Ausgaben für Personal, Administration und Marketing schrumpften seit Jänner bereits um die Hälfte. Weiters sicherte man sich - zwar auf Kosten, aber im Interesse der Investoren - über eine Reduktion der Dividende von 0,60 auf 0,20 Dollar per Aktie geschätzte 27 Millionen Dollar. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15./16.8.2009)

 

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