Ein bisschen Sommertheater

13. August 2009, 19:10
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Maja soll zwar eine Biene sein, trägt aber fatalerweise ein schwarz-gelbes Kleid

Sommertheater, darunter stellt man sich gerne leichte Unterhaltung vor, Komödien meist, ein heiteres Spiel der Irrungen und Verwechslungen. Wir spielen mit.

"Es wird einem derzeit wirklich nicht leicht gemacht, den Sommer unbeschwert zu genießen", kündigten wir Ende Juli eine Wespen-Plage an. In Furcht erregender Größe präsentierten wir ein Insekt, schier zum Angriff bereit. Sollten sich Tiere wie dieses bei der Leserschaft noch nicht als Plage herausgestellt haben, liegt es wahrscheinlich am Bild. Das Foto zeigt eine Biene. Dieser Irrtum lässt sich vielleicht damit erklären, dass wohl Redaktionsmitglieder jeden Alters in ihrer Kindheit Biene Maja gesehen haben, die Serie wird ja in einer Endlosschleife wiederholt. Maja soll zwar eine Biene sein, trägt aber fatalerweise ein schwarz-gelbes Kleid. In der Natur ist das anders eingerichtet, da sind die Wespen schwarz-gelb, die Bienen hingegen bräunlich. Der Saugrüssel, der deutlich zu sehen war, hätte selbstverständlich ein Hinweis sein können. Wer weiß das aber, wer will einem solchen Insekt schon genau ins Gesicht schauen?

Ein Insekt, eine Fliege, ziert auch das Cover eines von uns im Album vorgestellten Hörbuches - "Stanislaw Lem, Test". Das Tier war in diesem Fall jedoch nicht das Problem. "Es ging ihm, der zahllose Bücher geschrieben hat, in seinen Prix-Geschichten, eine davon ist ,Test', um die Psychologie eines sensiblen unheroischen Underdogs", beschrieben wir im Juli das Werk von Lem. Der Schönheitsfehler daran: Der Pilot, den der Autor auftreten lässt, heißt Pirx, auch wenn wir konsequent Prix schrieben.

Inkonsequent waren wir dagegen in der am vergangenen Montag begonnenen neuen Artikelserie über exotische Länder. Die Rede war von der 259 Quadratkilometer großen Insel Niue. Folgt man der Grafik, die dem Artikel beigegeben war - wer kann sich ohne Landkarte ein Bild von dieser Inselwelt machen? -, gibt es dort 14.000 Einwohner, folgt man dem Text, sind es nur 1300 Bewohner. Die richtige Größenordnung wird laut deutschem Außenministerium mit der zweiten Zahlenangabe getroffen, im vergangenen Sommer wurde die Bewohnerzahl noch auf 1444 Personen geschätzt. Es gibt zwar mehr Niueaner, diese leben aber anderswo - 22.000 in Neuseeland, 2000 in Australien.

Zurück in die Heimat. Unter dem Titel "Dort, wo der Tod wohnt", beschäftigten wir uns am vergangenen Wochenende auch mit Luigi Lucheni: Er "hatte am 10. November 1898 in Genf die österreichische Kaiserin Elisabeth mit einer Feile erstochen." Er wartete am 10. September vor dem Beau Rivage auf die Gattin des Kaisers von Österreich. Präsidentinnengatte: Einem Bedürfnis zur gendergerechten Schreibweise folgend haben wir in der Vorwoche zu dieser interessanten Wortschöpfung gefunden. Die Rede war von Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, Herrscher des Emirats Dubai. Er ist der Gatte von Prinzessin Haya Bint Al Hussein. Diese steht der Fédération Équestre Internationale, der internationalen Dachorganisation für Pferdesport, als Präsidentin vor. Damit schließt sich der Kreis: Der Gatte ist auch Reiter, und da eines seiner Pferde gedopt war, wurde der Präsidentin Gatte gesperrt. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15./16. August 2009)

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