Burmas Nachbarn am Zug

13. August 2009, 17:52
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Ohne Nachbarn wird auch für Burmas Generäle das Leben schwierig

Die neuerliche Justizfarce gegen Aung San Suu Kyi, Burmas Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin, bringt die internationale Empörung über die Militärjunta erstmals an einen kritischen Punkt. Wichtig, aber am Ende nicht entscheidend sind weniger die neuen Sanktionen der Europäischen Union oder der USA gegen Burmas Generäle und deren Mithelfer. Weder Washington noch die EU-Regierungen können das Regime beeinflussen, wie all die Jahre seit der verhinderten Parlamentswahl von 1990 zeigten. Die Asean kann es.

Die Frustration im südostasiatischen Staatenbund, dem auch Burma angehört, ist nach dem Urteil gegen Suu Kyi so groß, dass sich bei den Nachbarstaaten ein Kurswechsel andeutet - das Ende des diskreten asiatischen Wegs des gegenseitigen Respekts und der Nichteinmischung. Nach zehn Jahren stiller Diplomatie habe sich herausgestellt, dass Burmas Generäle nie zuhörten, klagte Charles Chong, ein Abgeordneter im Stadtstaat Singapur und erfahrener Asean-Politiker, dieser Tage im Gespräch. Burma, das 1997 der Asean beitrat, sei eine "Belastung" für den Staatenbund, stellte auch der Generalsekretär der Asean öffentlich fest.

Burmas Nachbarn fühlen sich düpiert, weil ihr diskret überbrachter Kompromissvorschlag nicht angenommen wurde: Suu Kyi wegen "Verletzung" der Regeln ihres Hausarrests zu verurteilen, aber ihre Teilnahme an der Wahl nächstes Jahr zuzulassen. Burma mag mächtige politische Partner haben - allen voran China. Doch ohne Nachbarn wird auch für Burmas Generäle das Leben schwierig. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2009)

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