Hahn und Heinisch-Hosek lehnen Frauenquote ab

13. August 2009, 17:34
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Wissenschaftsminister ist gegen Vorschlag von ÖVP-Gesund-
heitssprecher Rasinger - Frauenministerin hält Quote "nicht für klug"

Wien - "Man kann nicht an der Oberfläche operieren, wenn eine Wurzelbehandlung nötig ist" : Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) lehnt eine Frauenquote an den Medizin-Unis ab. VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger, hatte via STANDARD gefordert, 50 Prozent der Studienplätze verpflichtend an Anwärterinnen zu vergeben  (siehe "Ich wäre beim Test durchgefallen"). Grund: Bei den Aufnahmetests zum Studium ergattern Frauen regelmäßig weniger Plätze als Männer. Weil die gestellten Fragen, wie Rasinger glaubt, Letztere bevorzugen würden.

Hahn glaubt das nicht, schließlich würden an den Unis in Wien und Graz unterschiedliche Tests verwendet, die aber zum selben Problem führten. "Es liegt vor allem an der unterschiedlichen Kultur bei der Benotung in den naturwissenschaftlichen Fächern in der Schule, wo junge Frauen weniger gefordert werden als männliche Schulkollegen" , meint der Minister: "Zusätzliche Kategorien von Quoten würden nur das Symptom verdecken, nicht aber die Ursache für das unterschiedliche Abschneiden behandeln. Ich bin dafür, dass die Ursache behoben wird." Und da sei das Bildungsministerium gefordert, "die Lehrkräfte für eine gleiche Kultur in der Benotung zu sensibilisieren."

Den Universitäten macht die Schieflage zwischen Männern und Frauen auch Sorgen. Wien kündigt ein Forschungsprojekt an, in Graz soll der Test weiterentwickelt werden, um auch Fähigkeiten wie soziale Kompetenz zu belohnen. Erste Erkenntnis: Auch der Altersunterschied - Männer treten oft nach Bundesheer oder Zivildienst an - spielt eine Rolle. Gleichaltrige Männer und Frauen schnitten in Graz jedenfalls gleich gut ab.

Nein der Frauenministerin

Auch von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek bekommt Rasinger keine Schützenhilfe. "Die Idee klingt verlockend, und ich bin auch eine Pro-Quo-Frau" , sagt die Sozialdemokratin. Im Fall der Medizin-Unis hält Heinisch-Hosek eine Quote aber nicht für klug, weil sie sich den Rückstand der Frauen ebenso wie Hahn mit den eingefahrenen "Rollenbildern im Bildungsbereich" - Mädchen werden in Naturwissenschaften weniger gefördert - erklärt. Außerdem verweist sie auf die knappen Studienplätze: "Ich will niemanden, der besser qualifiziert ist, benachteiligen. Keinen Mann und keine Frau." (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 14. 8. 2009)

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