August 2009

Effizienz im Großspital? "Schwierig"

13. August 2009, 17:38
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    foto: apa/architekturbuero wimmer

    Visualisierung des geplanten Krankenhauses Wien-Nord.

Für einen 900-Betten-Bau wie das Krankenhaus Nord braucht man "gute Gründe"

Wien - Großer gesundheitspolitischer Wurf oder völlige Fehlplanung? Nicht nur bei den Rathausfraktionen, sondern auch bei den Gesundheitsökonomen gehen die Meinungen zum Krankenhaus Nord auseinander. Fest steht, dass die Stadt an dem neuen Krankenhausstandort einige hundert Millionen Euro binden wird - Geld, das anderswo fehlen könnte. Und so monieren andere Player im Wiener Gesundheitswesen, dass schon jetzt - lange bevor die ersten Baugeräte in Floridsdorf anrücken - andere Projekte mit dem Verweis auf die anstehende Großbaustelle abgedreht würden.

Der Standort des sozialdemokratischen Prestigeprojektes ist relativ unumstritten: Der stark wachsende Norden Wiens ist verhältnismäßig unterversorgt, während es im Westen zu viele Betten gibt. Fraglich ist aber, ob ein Spital in der geplanten Größe - im Endausbau soll es im Krankenhaus Nord fast 900 Betten geben - überhaupt sinnvoll ist. 400 bis 500 Betten, sagt Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS), seien im Allgemeinen eine kritische Größe. "Ab dann wird es wirklich schwierig, ein Spital effizient zu führen." Wesentlich sei etwa die Architektur. "Die Stockbauweise des AKH würde man heute nicht mehr wählen" , glaubt Czypionka, allein schon wegen der weiten Wege, die in dem 2000-Betten-Haus zurückgelegt werden müssen.

Für die Patienten hat das AKH aber einen entscheidenden Vorteil: die öffentliche Anbindung. Denn das Krankenhaus Nord muss laut derzeitiger Planung ohne U-Bahn auskommen.

Aus drei mach eins

"Gute Gründe" brauche man für einen derart großen Neubau, sagt IHS-Experte Czypionka. Die gebe es natürlich, betont die Sprecherin des Krankenanstaltenverbundes (KAV), Astrid Zimmermann: "Wir bauen ja kein Spital auf die grüne Wiese, sondern es wird einiges zusammengelegt." Drei Standorte - das Krankenhaus Floridsdorf, die Semmelweis-Frauenklinik und das orthopädische Krankenhaus Gersthof - werden im Krankenhaus Nord aufgehen, allein die hätten schon 450 Betten, sagt Zimmermann. Mit der Unfallchirurgie und der Kinder- undJugendpsychiatrie werden nur zwei Abteilungen neu geschaffen, der Rest übersiedelt aus anderen Krankenhäusern nach Floridsdorf. Wirtschaftlich sei der Krankenhaus-Neubau auch deswegen, weil die Standortkosten für die alten Häuser sehr hoch seien. "Die Modernisierung ist zum Teil nicht mehr durchführbar" , sagt Zimmermann.

Sechs Spitalsbetten pro tausend Einwohner soll es in Wien nach dem Krankenhaus-Neubau geben. Das ist deutlich über dem Schnitt der EU-15 (3,8 Betten); wie jeder Ballungsraum versorgt Wien aber auch das Umland, vor allem Niederösterreich, mit. Grundsätzlich obliegt die Spitalsplanung den Ländern, der Bund hat dabei überhaupt keine Handhabe. Er prognostiziert lediglich im "Österreichischen Strukturplan Gesundheit" den Versorgungsbedarf. (Andrea Heigl, DER STANDARD - Printausgabe, 14./15./16. August 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
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Geraldines_Tante
00
15.8.2009, 12:31
schlechte Kopie

dieses KH Wien Nord ist doch nur eine schlechte Kopie des Klagenfurter Krankenhauses. Unterschied ist vor allem, dass die in Klagenfurt genau wussten, was sie wollten. Das ist in Wien nicht der Fall.
Und zum Drüberstreuen gibts im KH Wien Nord auch leider keine großangelegte Pathologie/Gerichtsmedizin. Dabei hätte man so das unprofessionell produzierte Gerichtsmedizin-Desaster professionell sanieren können. Gelegenheit vertan.
Statt dessen gibts einen Container am Zentralfriedhof.
Und das geht allein auf das Konto Wehsely, da kann sie sich nicht auf Brauner ausreden.

Low Lander
00
14.8.2009, 18:11
Gesundheitsökonom als Planungsexperte??

Bei allem Respekt vor der wissenschaftlichen Arbeit des Herrn Czypionka stellt sich schon die Frage wie er zu der Einschätzung kommt, dass die ideale Grösse für Schwerpunktkrankenhäuser xxx und nicht yyy ist.
Das scheint mir doch eher eine betriebswirtschaftliche Frage zu sein, aber vielleicht hat er ja langjährige Managementerfahrung im Spitalssektor.
Die Inflation der Wortmeldungen der Gesundheitsökonomen ist übrigens in der letzten Zeit bemerkenswert.

Thomas Czypionka
00
17.8.2009, 11:03

unbekannt ist, welche Faktoren bei der Planung eingeflossen sind, bewerte ich auch nicht, ob das KH Nord gut oder schlecht ist. Es sprechen ja einige Dinge dafür.

Thomas Czypionka
00
17.8.2009, 10:56

In Ihrem letzten Punkt stimme ich Ihnen zu.
In Ihrem ersten stimme ich Ihnen nicht zu. Ich beantworte Interviewanfragen nur bei Dingen, bei denen ich mich auskenne.
Zu Ihren Zweifeln: Es gibt Literatur dazu (z.B. Dranove 1999 über den Effekt von Mergern auf die Effizienz sowie zahlreiche DEAs). Wir haben aber auch selbst die Krankenhauseffizienz in Ö gemessen und können die internationalen Erkenntnisse bestätigen). Es ist für ein Krankenhaus deutlich schwieriger, jenseits von 500 Betten eine optimale Größe zu haben (nicht unmöglich), erst recht mit 900. Baut man so, muss man also Gründe haben, die dieses „Risiko“ rechtfertigen: Z.B. weil man sich Synergien zwischen bestimmten Abteilungen erwartet, oder der Standort es erfordert. Da mir un

Seria
02
14.8.2009, 11:06

Österreich ist doch viel zu klein um immens teure Spitalsplanung Ländersache sein zu lassen. Qualität kann man nur mit Spezialisierung steigern. Für verschiedene Typen von Spizialkliniken sind aber einzelne Bundesländer viel zu klein

Karl Unterbrunner
01
14.8.2009, 10:36
Die ästhetische Konzeption

ist dermaßen hässlich, dass es für Menschen mit Schönheitsempfinden ein Schweres sein wird, das Spital lebend zu verlassen. Solcherart spielen sich die Kosten wieder herein.

Klinge Ling
01
14.8.2009, 14:18

da hat halt wieder mal der wimmersche stadtgünstling gewonnen.

dass heute noch nach ästhetischer maßgabe der 90er gebaut wird, kann man wohl dem 'guten' geschmack der wiener sozis zuschreiben...

Geraldines_Tante
01
15.8.2009, 12:38

really bad taste - schickertaste

Meine Wenigkeit mit viel Senf
12
14.8.2009, 08:10
Gebetsmühlenartige U-Bahn-Wiederholung

Das zukünftige KH Nord liegt nicht weiter von der U6 (Floridsdorf) entfernt als manche Bereiche des AKH. Zudem fahren in Floridsdorf zahlreiche S-Bahnlinien, und eine S-Bahnstation ist direkt vor dem Eingang des KH Nord, die allerdings nicht mehr von allen Zügen bedient wird.

Dazu kommen noch 2 Straßenbahnlinien.

Aber Hauptsache, wir schreien wieder mal nach Großprojekten wie der U-Bahn, die nur von globalisierten Firmen mit wenigen hiemischen Arbeitskräften gebaut werden kann. Das nennt SPÖ dann "Beschäftigungsoffensive". Ja, für Polen, Rumänen, Bulgaren, Ukrainer, vor Allem aber für die Manager der Baukonzerne!

R1210
00
18.8.2009, 16:11
Auskenner oder doch nicht ?

Vom Bahnhof Floridsdorf (U6 und die angesprochenen S-Bahnen) sind es fast 4 Stationen mit der Straßenbahn (die beiden angesprochenen Linien teilen sich überigens EINEN Gleiskörper) .. aus allen anderen Richtungen keine vernünftige Erreichbarkeit. AUch mit KFZ und Co ist es eher mühsam in dieser Gegend

Eleazar Halevy
00
14.8.2009, 11:36
Dann ist ja alles gut: eine Stadt,

die doch auch einen neuen Hauptbahnhof baut, ohne geeigneter Verkehrsinfrastruktur; eine halbe U-Bahn und ebenso 2 Straßenbahnlinien - toll, nur weiter so.

Stephan Weinberger
00
14.8.2009, 16:36

Zum wiederholten Mal: Die U1 ist vom Zentralbahnhof knapp 300m entfernt, dass ist auch nicht wesentlich weiter als z.B. die U6 am West. 300m sind eine typische Distanz im U-Bahn-Bereich (auch innerhalb von größeren Stationen).

Dazu noch: Drei Straßenbahnlinien (D, O, 18), acht Schnellbahnlinien, zwei Buslinien (von denen eine hoffentlich auch bald wieder eine Bim wird), ... mehr als ausreichend.

Gelber Stern
01
14.8.2009, 07:53
"sozialdemokratischen Prestigeprojektes"

Und in 30 Jahren lässt man das KH verkommen, um das ganze dann billig an ein paar Freunde in der Immo-Branche zu verhöckern, die dann alles abreissen und Billigwohnungen hochziehen. So wie beim "Stadt des Kindes". Kostet ja nichts, ausser Steuergelder.

Und das alles im Namen der Sozialdemokratie!

the academic cyber sense
02
14.8.2009, 07:41

es mag schon stimmen das verwaltungtechnisch ein großspital problematisch ist.
für einen patienten bringt es auf jeden fall enorme vorteile wenn ein krankenhaus mehr als nur eine interne, chirurgie, HNO und gyn hat.

FSK
11
14.8.2009, 12:15

mehrere Abteilungen zur gl Zeit brauchen vor allem Hypochonder.

Das fünfte Element
00
14.8.2009, 14:07
zu diesem posting fällt mir folgendes ein:

- ein glücklicher mensch sind sie, da sie offenbar keine erfahrung mit krankenhausaufenthalten haben

- ihre ahnungslosigkeit bezieht sich hoffenlich nur auf das gesundheitswesen, andernfalls wird obiges glück über kurz oder lang nichts wert sein.

Es gibt kaum einen Spitalsaufenthalt, in dem nicht mindestens zwei (eher mehr) Fachabteilungen involviert sind.

FSK
21
14.8.2009, 00:34
Wien

Am Land will man Krankenhäuser schließen sodass die Leute 100km Anfahrtsweg haben, und in Wien baut man ein Krankenhaus neu nur weil die sonst ein paar km über die Donau fahren müssten?

anders and
 
00
14.8.2009, 12:32

wo kommen Sie auf 100km Anfahrtsweg?

Sie können wohl nicht einmal ein Beispiel mit 50 Kilometern nennen, oder?

fantale
00
18.8.2009, 00:29

ein Verunfallter (mein Bruder, Arbeitsunfall) wurde von Bisamberg statt nach Korneuburg nach Mistelbach geführt.
Ich halte ein großes Spital mit Fachkompetenz - wie das AKH Wien - als die für Patienten beste Lösung.
Für mich mit Abstand das kundenfreundlichste und effizienteste Spital Österreichs.

FSK
00
14.8.2009, 22:29

ich sprach von Reformplänen, nicht vom Istzustand, eigentlich klar erkennbar

anders and
 
00
15.8.2009, 14:18
Genauso wie ich!

Wo ist denn ein Anfahrtsweg von 60 Kilometern geplant?
Ach so, die Pläne sind geheim....

anders and
 
00
16.8.2009, 14:20
ein gelungenes Beispiel!

Von Kitzbühel liegt das nächste Spital 13 Kilometer entfernt, und die oberösterreichische SPÖ sucht dringend ein Wahlkampfthema.

Es ist unverständlich, dass man erst ein Spitalsnetz baut, bei dem jeder in 40 Minuten im Spital ist und dann, nachdem die Spitäler durch den Straßenausbau viel schneller zu erreichen sind, zwanghaft an dem alten Netz festhält.

maverick
01
14.8.2009, 10:27
ja, mag sein,

aber wenn du den artikel genau gelesen hast, so sind spitäler keine bundessache, sondern obliegen den ländern. ergo solltest du deinen frust bei der regierung des bundeslandes ablassen, die für die, von dir erwähnte krankenhausschliessung, zuständig ist.

FSK
00
14.8.2009, 12:13

es gibt momentan am Land keine Schließung (soviel ich weiß), aber wenn Journalisten, "Experten" etc von Reformen in Ö reden, dann fordern sie als erstes die Schließungen von kleineren KH

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