Zustimmung bei Gewerkschaften, WKÖ dagegen

13. August 2009, 16:21
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WKÖ: "Kontraproduktiv" - Heinisch-Hosek: gerechtere Verteilung von Arbeitszeit - Tumpel: Zusätzliche Arbeit möglich

Wien - Der Vorschlag von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Jobs zu schaffen, indem die Zahl der Überstunden reduziert wird, stößt bei Gewerkschaften, Arbeiterkammer, Grünen und SPÖ auf große Zustimmung. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) weist ihn hingegen als "kontraproduktiv" zurück. Ohne die Chance auf Überstunden wäre die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe eingeengt. Die Schaffung von 80.000 Arbeitsplätzen durch die Reduzierung der Arbeitszeit auf das dänische Niveau sei eine "Milchmädchenrechnung", meint Martin Gleitsmann, Leiter der Sozialpolitischen Abteilung der WKÖ.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kritisiert hingegen, dass der österreichische Arbeitsmarkt "tendenziell auf Überstundenleistungen aufgebaut" sei und Männer bevorzuge, da sie häufiger Überstunden leisten. Überstunden seien für die Karriere nötig, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschwere. Eine Verringerung der Überstunden würde daher auch zu einer gerechteren Verteilung von Arbeitszeit führen, hofft sie.

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel verweist darauf, dass "überzogene Arbeitsbelastungen" zu massiven gesundheitlichen Problemen führten und "enorm viel Geld" kosteten. Abgesehen davon könne ein Abbau "chronischer Überstundenleistung" auch mehr Beschäftigung schaffen. Das wäre gerade in der Krise notwendig.

Inhaltliche Unterstützung in Grün

Bei den Grünen findet Hundstorfer inhaltliche Unterstützung. Das hohe Maß an Überstunden sei für den Großteil der Betroffenen und ihren Familien eine enorme Belastung, assistiert ihm Birgit Schatz, Arbeitnehmersprecherin der Grünen. Aber in den letzten Jahren, als Hundstorfer ÖGB-Präsident war, sei von SPÖ-ÖVP-Regierungen die reale Verlängerung der Arbeitszeit gefördert worden. "Vor gut einem Jahr wurden die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten hinauf gesetzt. Jetzt fordert Hundstorfer plötzlich eine Senkung. Dieser Zick-Zack-Kurs ist nicht ernst zu nehmen," kritisiert Schatz. Auch habe die SPÖ vor elf Monaten einer weiteren steuerlichen Begünstigung von Überstunden zugestimmt.

Auch Klaudia Paiha, Bundessprecherin der AUGE/UG - Alternative und Grüne Gewerkschafter/Unabhängige Gewerkschafter - findet die Vorschläge Hundstorfers zwar "erfreulich", kritisiert aber, dass in der Zeit Hundstorfers als ÖGB-Präsident eine weitere Flexibilisierung der Arbeit beschlossen worden sei.

Vida-Vorsitzender und ÖGB-Arbeitsmarktsprecher Rudolf Kaske begrüßt die Vorschläge Hundstorfers. Er schränkt allerdings ein, dass "in der Praxis die Reduktion der Überstunden nicht in allen Branchen ohne weiteres machbar" sei. Vor allem in den Niedriglohnbranchen seien höhere Grundlöhne nötig, damit die Arbeitnehmer nicht aus finanziellen Gründen von den Überstunden abhängig sind.

Ähnlich sieht dies der geschäftsführende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN), Rainer Wimmer. Die vorhandene Arbeit müsse "sinnvoll und fair" verteilt werden. Missbrauch von ständiger Überstundenarbeit müsse "ein Riegel vorgeschoben" werden. (APA)

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