Quelle streicht tausende Stellen

13. August 2009, 19:19
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Harte Einschnitte in Deutschland - Österreich kämpft um Stand-alone-Lösungen

Wien - Felix Hinterwirth hat schon viele Höhen und Tiefen bei Quelle in Österreich erlebt. Sein gesamtes Berufsleben mehr als 40 Jahre lang hat er für das Versandhaus gearbeitet. Seit 35 Jahren ist er Betriebsrat. Aber eine Krise dieser Dramatik sei ihm bisher nicht untergekommen, sagt er, auch wenn die Quelle wohl auch diese überwinden werde, wie er im selben Atemzug verspricht.

Der in die Insolvenz geschlitterte Mutterkonzern Arcandor hat am Donnerstag in Deutschland Mitarbeiter wissen lassen, ob es eine Zukunft für den Handelsriesen gibt. Für 3700 Mitarbeiter wird es auf jeden Fall keine im Unternehmen geben: Die Zahl der Stellen in der Primondo-Gruppe, dessen Flaggschiff Quelle ist, soll bis 2010 von 10.500 auf 6800 sinken, teilte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mit. Mehr als hundert defizitäre Quelle-Technik-Center werden aufgelassen, ebenso 450 Shops. Quelle selbst soll in einem Insolvenzverfahren weitergeführt werden. Die Hoffnung, für Arcandor einen Ankerinvestor zu finden, hat sich zerschlagen, alle Töchter sollen einzeln verkauft werden. Ein drastischer Abbau von Stellen steht auch Karstadt bevor. Görg spricht von einer "schmerzhaften Operation".

Am Tropf der Mutter

Quelle Österreich sei mit ihren tausend Mitarbeitern von den Personaleinschnitten nicht betroffen, versichert ein Sprecher und betont einmal mehr, dass das Geschäft so normal weiterlaufe wie bisher. Alle 170 Shops blieben bestehen.

Doch die österreichische Quelle AG hängt am Tropf der deutschen Mutter. Experten sprechen von totaler Abhängigkeit, die Kreditlinien der Kreditversicherer sind nach wie vor gesperrt. Bis zur Eröffnung der Insolvenz der Mutter floss das freie Geld aller Töchter auf ein zentrales deutsches Konto. 70 Prozent des Einkaufs laufen über Deutschland. Quelle Österreich wollte über den Wirtschaftsprüfer KPMG Pläne über die Weiterführung der Geschäfte vorlegen. Sie liegen den involvierten Gremien nach wie vor nicht vor, ist aus informierten Kreisen zu hören. Hinter den Kulissen feilen die Österreicher intensiv an Modellen für die Stand-alone-Lösung. An sich standen die Linzer finanziell bis zuletzt solide da. Doch die große Hürde liegt im zentralen Einkauf: Fällt er weg, verschlechtern sich die Konditionen, Margen und Erträge sinken. Zweiter Stolperstein bleibt das Cash-Pooling.

In Österreich zählte Quelle einst 3000 Mitarbeiter. Dann wurden die Kaufhäuser an Woolworth und die Revue-Augen-Optik an Pearle verkauft. Ende der 80er-Jahre klopfte der Berater McKinsey den Konzern auf seine Rentabilität ab, was hunderten Mitarbeitern den Job kostete, so Hinterwirth. Er selbst kannte noch Quelle-Gründer Grete und Gustav Schickedanz. Der Umstieg vom Familienbetrieb zur Kapitalgesellschaft sei ein schwerer gewesen, erzählt er. Die Stimmung in Österreich sei aber auch jetzt nicht fatalistisch, die Zeichen stünden ja auf Weiterführung. Die Stadt Linz hat Quelle eine Bürgschaft in Höhe von 800.000 Euro zugesichert. Ein guter Schritt, aber nicht genug, sagen Unternehmenskenner. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2009)

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    Das Paket für die Weiterführung des Versandhauses in Österreich ist noch nicht geschnürt. Der Mutterkonzern sucht Investoren.

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