Behörden untersuchen Vorwürfe

13. August 2009, 14:54
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Kliniken sollen Organe an Ausländer verkauft haben

Peking - Die chinesischen Behörden haben nach Vorwürfen illegaler Organtransplantationen in Kliniken der Volksrepublik Ermittlungen eingeleitet. Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums in Peking überprüften derzeit die 164 Einrichtungen, die Transplantationen vornehmen dürften, berichtete die in englischer Sprache erscheinende Zeitung "China Daily" am Donnerstag. Mehrere Krankenhäuser haben laut dem Bericht aus Profitgier Organe an "Transplantationstouristen" verkauft.

Menschenrechtsorganisationen haben den chinesischen Behörden auch staatlich organisierten Handel mit geraubten Organen vorgeworfen. Zum Tode verurteilten Häftlingen würden nach der Hinrichtung Organe entnommen, ohne dass dafür jemand eine Einwilligung gegeben habe. Politischen Gefangenen, wie Mitgliedern der in der Volksrepublik verbotenen Falun-Gong-Bewegung, werden nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte Organe bei lebendigem Leibe entnommen, bevor die Häftlinge dann umgebracht werden. Die genaue Zahl der Hinrichtungen ist in China ein Staatsgeheimnis. Die Zahl der Todesurteile, die jährlich vollstreckt werden, soll sich auf über 15.000 belaufen.

Das Gesundheitsministerium in Peking habe bereits 16 Kliniken genannt, die gegen die Vorschriften verstoßen hätten, berichtete "China Daily". Allen Häusern, die bei der Inspektion durchfielen, werde die Lizenz entzogen. Grund für die Ermittlungen sind Berichte, nach denen verschiedene Spezialkliniken Ausländern illegal gegen hohe Entgelte Spenderorgane einpflanzten. Drei Kliniken seien im vergangenen Jahr bereits für den Organverkauf an "Transplantationstouristen" bestraft worden.

Organe für gut zahlende Ausländer

Das Ministerium hatte die Untersuchung gestartet, nachdem die japanische Nachrichtenagentur Kyodo im Februar gemeldet hatte, dass 17 japanische Touristen für umgerechnet je 61.000 Euro Nieren- und Lebertransplantationen in der südlichen Metropole Guangzhou (Kanton) erhalten hätten. Üblicherweise kostet eine solche Operation in China 10.000 Euro. Ein namentlich nicht genannter Chirurg sagte "China Daily", sein Krankenhaus pflanze gut zahlenden Ausländern nach wie vor Organe ein. Die Klinik könne die Identität der Patienten fälschen und die Behörden an der Nase herumführen, sagte er.

Nach offiziellen Schätzungen benötigen rund zwei Millionen Chinesen jährlich eine Organtransplantation, tatsächlich ausgeführt werden indes nur rund 20.000 Eingriffe. Das chinesische Gesundheitsministerium will nun nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz in China eine Warteliste für Organspenden erstellen. Auf diese Weise könne eine "transparente und gerechte Praxis bei der Zuteilung und Beschaffung" von Spenderorganen erreicht werden, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Huang Jiefu. Das Ministerium will künftig auch Empfehlungen für Krankenhäuser abgeben, in denen gute und ethisch unbedenkliche Transplantationen ausgeführt werden. (APA)

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