Ärztekritik an Heim-Regelung

13. August 2009, 13:41
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Infizierte sollen nicht mehr im Spital, sondern zu Hause von niedergelassenen Ärzten betreut werden

Wien/St. Pölten - Seit Montag sollen Patienten mit der neuen A(H1N1)-Influenza nicht mehr im Spital, sondern zu Hause von den niedergelassenen Ärzten betreut werden und in "Heimquarantäne" gehen. Bei einem nicht unbeträchtlichen Teil der Patienten sollen auch Abstriche bzw. Labortests gemacht werden. An ihrer Meinung nicht ausreichend geklärten Detailregelungen üben jetzt Ärztekammervertreter deutliche Kritik.

"Das ist keine befriedigende Situation. Es gibt Unsicherheit bezüglich der Regelungen. Es ist alles noch 'Work in Progress'. Es gibt Unruhe in der Ärzteschaft. So ist ungeklärt, wer die Abstrichuntersuchungen zahlt", sagte der Obmann der Sektion der Allgemeinmediziner in der Wiener Ärztekammer, Rolf Jens. Ähnlich auch Johann Jäger, Vertreter der niedergelassenen Ärzte in der NÖ-Ärztekammer: "Wir haben ein paar Anfragen von Kollegen. Ich habe im Gesundheitsministerium anfragen lassen, wie man sich das alles vorstellt. Was brauche ich für die Abstrichuntersuchungen?" Und Jens weiter: "Man sollte die Rechnung nicht ohne den Wirt machen - und wir Ärzte bleiben im Regen stehen. Das ist Dilettantismus." In Wien wünschen sich die Ärzte vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger auch die grundsätzliche Freigabe der Verschreibungsmöglichkeit für die antiviralen Medikamente (Tamiflu, Relenza) gegen die Influenza ohne vorherige Chefarztbewilligung.

Auf Seiten der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) war man am Donnerstag um eine ruhig Beurteilung der Situation bemüht. Der Stellvertretende Generaldirektor, Jan Pazourek, gegenüber der APA: "Die Krankschreibungen wegen der neuen Influenza sind klar. Da gibt es ein Formular und die Fax-Nummern jedes Krankenversicherungsträgers, an die es gesendet werden soll. Das ist an sich geregelt." Auch bei den Abstrichuntersuchungen sei die Situation nicht wirklich dramatisch. Pazourek: "Das Gesundheitsministerium hat durch die neuen Regelungen an sich die Notwendigkeit zu solchen Abstrichuntersuchungen ja stark reduziert." (APA)

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