Mehr Jobs durch Überstunden-Abbau

13. August 2009, 17:44
111 Postings

Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer nimmt den Kampf gegen das Überstunden-Unwesen wieder auf. Sein Ziel: Zehn Prozent weniger Überstunden, dafür neue Jobs

Wien - "Überstunden machen krank." Davon ist Georg Michenthaler vom Institut für empirische Sozialforschung (Ifes) überzeugt. In einer neuen Untersuchung namens "Österreichischer Arbeitsgesundheitsmonitor" erhob das Ifes, dass Klagen über jene Krankheiten und Wehwehchen, die üblicherweise in der werktätigen Bevölkerung zu finden sind, bei jenen häufiger zu hören sind, die Überstunden leisten (müssen). Beispiel Rückenschmerzen: 69 Prozent der befragten Überstundenleister wurden zumindest fallweise davon geplagt. Bei jenen, die keine Überstunden machen, sind es 49 Prozent. Ähnlich sieht es auch aus bei Schlafstörungen: 42 zu 27 Prozent. Hoher Blutdruck: 23 zu 14 Prozent.

Rudolf Hundstorfer, Minister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, schlägt die von der EU festgestellte Tatsache, dass die Österreicher aufgrund der geleisteten Überstunden im Europavergleich am längsten hackeln, schon länger auf den Magen. Er will jetzt "eine Diskussion starten", um die Anzahl der Überstundenleister hierzulande - heuer im ersten Quartal rund 730.000 Personen, im Schnitt 8,5 Stunden pro Woche - "zumindest um zehn Prozent" zu verkleinern.

Weniger All-inclusive-Verträge

Dies soll nach Wunsch des früheren Gewerkschaftschefs unter anderem so vonstatten gehen, dass die Zahl der sogenannten All-inclusive-Verträge wieder eingedämmt wird. Diese sollten ausschließlich mit leitenden Angestellten und Spitzenmanagern abgeschlossen werden, "und nicht auch mit einem Portier oder einer Verkaufskraft im Handel, wie es in jüngster Zeit vermehrt passiert", sagte Hundstorfer. Sollte eine freiwillige Selbstbeschränkung der Wirtschaft nicht funktionieren, würde er auch eine gesetzliche Regelung anstreben. Denn in der derzeitigen Situation würden viele Menschen auch solche Verträge annehmen - "bevor sie gar keinen bekommen", erklärt Hundstorfer. Eine weitere Maßnahme, die dem SPÖ-Politiker vorschwebt: Die Strafen für Betriebe, falls das Arbeitsinspektorat mangelhafte oder fehlende Arbeitszeitaufzeichnungen feststellt, sollen weiter erhöht werden (diese wurden vor zwei Jahren angehoben).

Die Grünen warfen in einer Reaktion Hundstorfers Partei vor, in Sachen Überstunden einen Zick-zackkurs zu fahren. Denn die SPÖ habe vor elf Monaten einer steuerlichen Begünstigung von Überstunden zugestimmt. Diese Begünstigung müsse man wieder hinterfragen, so Hundstorfer am Donnerstag. Er sagte, er sei "kein Illusionist, die Überstunden könnten nicht morgen abgeschafft werden" . Jedoch: Die Österreicher arbeiten im EU-Vergleich mit 42,9 Wochenstunden am längsten. Könnte man den Schnitt auf die im "Schlusslicht" Dänemark üblichen 39,1 Stunden verringern, würden 84.000 neue Jobs entstehen, so die Rechenübung des Ministers.

Würde man alle geleisteten Überstunden - 307 Mio. Stunden für das ganze Jahr - in Vollzeitbeschäftigungen umrechnen, kämen 180.000 Stellen heraus. Die Differenz zu 84.000 entsteht durch angenommene Produktivitätsvorteile, die ein "frisch" Beschäftigter im Vergleich zu einem - siehe oben - ausgelaugten Überstundenleister habe. (szem, DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Des Sozialministers Ziel sind um zehn Prozent weniger Überstundenleister.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.