Ärztekritik an Neue-Grippe-Regelungen

13. August 2009, 13:30
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Für Ärztekammervertreter sind Detailregelungen nicht ausreichend geklärt

Wien/St. Pölten - Seit Montag sollen Patienten mit der neuen A(H1N1)-Influenza nicht mehr im Spital, sondern zu Hause von den niedergelassenen Ärzten betreut werden und in "Heimquarantäne" gehen. Bei einem nicht unbeträchtlichen Teil der Patienten sollen auch Abstriche bzw. Labortests gemacht werden. Ärztekammervertreter üben nun an nicht ausreichend geklärten Detailregelungen Kritik.

Unklare Regelungen

"Es gibt Unsicherheit bezüglich der Regelungen", sagte der Obmann der Sektion der Allgemeinmediziner in der Wiener Ärztekammer, Rolf Jens. So sei etwa ungeklärt, wer die Abstrichuntersuchungen zahle, für die es laut Jens von therapeutischer Seite keine Notwendigkeit gebe. Ebenso unklar sei die Situation bei den Krankmeldungen bzw. beim Pflegeurlaub.

Ähnlich stellt sich die Situation für Johann Jäger, Vertreter der niedergelassenen Ärzte in der NÖ-Ärztekammer, dar. Auch er sehe sich von Fragen vieler Kollegen umgeben, die sich in punkto Abstrichuntersuchungen und deren Zahlung im Unklaren befinden. Die Heimbehandlung beurteilte er grundsätzlich als sinnvoll.

In Salzburg herrscht laut Angaben der Ärzteschaft zwar noch keine große Aufregung über die Neuverordnung - wie in Wien wird allerdings die Organisation der Labortests kritisiert. Mediziner bemängeln der bürokratische Aufwand und die Organisation der dafür erforderlichen Rachen-Abstriche. Im Gegensatz zu Wien, Niederösterreich und Salzburg zeigten sich die Ärztevertreter in den übrigen Bundesländern durchaus zufrieden. Dass Patienten neuerdings in Heimquarantäne behandelt werden, sorgt etwa bei den Medizinern in Kärnten für wenig Kopfzerbrechen. "Wir sehen die Angelegenheit sehr gelassen und gehen so vor wie bei einer normalen Grippeepidemie", erklärte Gernot Moder, stellvertretender Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte.

Ministerium kann Kritik nicht nachvollziehen

Auf Seiten der Wiener Gebietskrankenkasse war man um eine ruhige Beurteilung der Situation bemüht. Auch das Gesundheitsministerium kann die Kritik nicht ganz nachvollziehen. Die beschriebenen Probleme werte man als normale Gegebenheiten während der Startphase, meinte die Sprecherin von Gesundheitsminister Stöger. (APA/red)

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