Radiohead will Musik nur mehr im Web anbieten

13. August 2009, 11:57
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    foto: apa/ decrow

    Radiohead will den Musikvertrieb ausschließlich ins Web verlagern

Britische Band will keine kompletten Alben mehr veröffentlichen

Die britische Erfolgsband Radiohead in Zukunft keine weiteren vollständigen Alben mehr veröffentlichen. Wie Thom Yorke, der Sänger der Alternative-Rocktruppe, in einem aktuellen Interview mit dem US-Literaturmagazin "The Believer" klarstellt, müssten sich die Fans aber dennoch keine Sorgen machen. Die Band werde auf alle Fälle weiter bestehen, ihren Produktionsfokus künftig aber ausschließlich auf Singles und EPs beschränken. Auch in Bezug auf die Wahl der Vertriebsplattform will man wie schon bei dem im Oktober 2007 veröffentlichten Album "In Rainbows", das über die eigene Webseite zu einem selbst wählbaren Preis angeboten worden ist, weiterhin eher auf physikalische Tonträger verzichten und stattdessen auf alternative Konzepte und Ideen im Internet setzen.

"Es würde uns alle umbringen"

"Niemand aus der Band hat Lust, sich noch einmal so ein kreatives Chaos anzutun, wie es bei der Produktion eines Long-Play-Albums entsteht", erklärt Radiohead-Sänger Yorke in der August-Ausgabe des Literaturmagazins. Die Vorgabe, ein Album produzieren zu müssen, habe sich für die Band mittlerweile zu einem regelrechten Klotz am Bein entwickelt. Bei "In Rainbows" habe es zwar noch sehr gut funktioniert, da man eine fixe Vorstellung davon gehabt habe, in welche Richtung man mit dem Album als Gesamtwerk gehen wolle. "Aber wir waren uns alle einig, dass wir uns nicht wieder in so etwas hineinstürzen werden. Es würde uns alle umbringen", betont Yorke. Da setze man viel lieber auf alternative Konzepte im Web, deren Potenzial sich bei "In Rainbows" deutlich gezeigt habe. "Diese Geschichte hat auf mehreren unterschiedlichen Ebenen gut funktioniert. Zuerst einmal konnten wir so unsere Auffassung zum Wert von Musik klarstellen. Zweitens konnten wir zeigen, wie sich das Netz nutzen lässt, um eine Platte zu promoten ohne auf iTunes, Google und Co angewiesen zu sein und drittens hat es auch finanziell gesehen gut funktioniert", fasst Yorke zusammen.

Trendverdächtig

Radiohead könnte mit der Abkehr von Albumproduktionen und dem verstärkten Fokus auf das Einzelsonggeschäft, das gerade durch digitale Download-Plattformen im Internet weiter angetrieben wird, wieder einmal den Trend vorgeben. In Anbetracht der Tatsache, dass der physikalische Tonträgerverkauf gegenüber dem wachsenden Digitalmarkt zunehmend an Bedeutung verliert, beginnt sich nämlich auch in den Reihen der Künstler ein grundlegender Paradigmenwechsel abzuzeichnen. Wie die jüngsten Zahlen des internationalen Musikverbandes IFPI bestätigen, ist der digitale Markt derzeit die treibende Kraft für die Umsatzentwicklung der Industrie. "Der Boom am Online- und Mobile-Sektor ist die zentrale Tendenz, die derzeit die Entwicklung des Marktes bestimmt. Die enorme Dynamik in diesem Bereich zeigt sich in etlichen Musikmärkten der Welt", meint IFPI-Austria-Sprecher Thomas Böhm. Im Jahr 2008 hat der digitale Musikmarkt mit Einnahmen von 3,7 Mrd. Dollar weltweit ein Wachstum von 25 Prozent hingelegt. Das Einzeltrackgeschäft ist dabei mit einer Steigerung um 24 Prozent auf 1,4 Mrd. verkaufte Einheiten klar der dominierende Faktor. (pte)

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Posting 1 bis 25 von 30
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russeau71
00
Pech

Pech für Radiohead. Ich kaufe nur Schallplatten und keine Musikkonserven...würg;)

LightCurves
02
18.8.2009, 17:16

eigentlich unglaublich wie viele unwahrheiten in dem artikel aufgestellt werden.

radiohead haben keinsfalls eine abkehr vom physikalischen tonträger angekündigt, sondern vom format album (also >35min pro einheit).

der physikalische tonträgermarkt schrumpft zwar, während der digitale wächst, der umsatz kommt aber zu 80% von physikalischen tonträgern.

der gute grund dafür:
mp3s sind gratis verfügbar. ein physikalisches medium kann ich mir hingegen nicht gratis runterladen.

paramenes
11
14.8.2009, 14:50
das album als konzept

wird durch die heutigen hörgewohnheiten nicht mehr wahrgenommen. ist für mich irgendwie so wie ein buch kapitelweise zu veröffentlichen, wobei die kapitel gar nicht unbedingt zusammenpassen müssen.

ein zeichen unserer zeit und unseres medienkonsums. wir sind halt twitter people geworden. es darf keine zeit kosten, musik zu hören. darum kurze sache und am besten neben dem schreiben von sms, fernsehen, essen und trinken.

schade. aber mit musik hören hat das nix zu tun.

hellfast
00
18.8.2009, 22:13

und seit wann gibt es Ö3? haben die damals ganze alben gespielt?

phaidros
01
17.8.2009, 16:33
um ein album als konzept wahrnehmen zu koennen,

muss es aber auch erst mal als konzept produziert worden sein.
das ist bei den wenigsten alben der fall.
und die, die konzeptalben produzieren, werden in der regel als solche wahrgenommen und auch konsumiert. (jazz, ambient, etc)

um bei ihrer analogie zu bleiben: ich sehe kein problem darin, einen kurzgeschichten/gedichtband etwa kapitelweise zu veroeffentlichen. der druck, ein buch bzw ein buch fuellen zu muessen, aber eigentlich nur die idee fuer 10 seiten/ 3 min. zu haben, zieht sich durch allzuviele publikationen.

kann ihre kassandrarufe nicht nachvollziehen.

Jemniak
00
14.8.2009, 14:17
radiohead + uncle

rabbit in your headlights

http://www.youtube.com/watch?v=roUswlGwJt8

Kirtag
00
14.8.2009, 13:50
wenn mit dem neuen "konzept" von ...

... radiohead 3/4/5jährige pausen vermieden werden, an dessen ende eine cd mit 8 oder 10 songs steht und es so in dieser zeit einfach mehr & auch weiter gefächertes output gibt, dann willkommen neues konzept ...

cookie10
 
00
14.8.2009, 11:18
Bravo so solls sein

CDs sind komplett veraltet.

Warum sollte ich in einen Laden gehen, nur um dasselbe auf meinem MP3 Player abzuspielen, das ich auch im Internet erhalte.

Wenn diese Musik jetzt auch noch DRM frei ist ist alles perfekt!

nigeria-connection
 
82
14.8.2009, 10:11

Macht mir gar nichts, habe seit Creep keinen Song mehr von denen gehört, der mir gefallen hat.
Die OK Computer finde ich übelst - auch wenn sie noch soviele Kritiker gut finden.

head bang0r
00
18.8.2009, 20:16

da gäbs "zwei und zwei is fleck", "idioteque", "morning bell", "backdrifts", "reckoner", "all i need" und so als anstoß...

marty fink
00
14.8.2009, 12:53
Tjo, manche sind mit Butterbroten zufrieden

mocht nix!

Judex
15
14.8.2009, 12:48

klar, creep gefällt dem durchschnittlichen Ö3-Hörer bestimmt besser als songs, die man bewusst und konzentriert hören muss.

Sahreinem
00
14.8.2009, 07:42
keine Radiohead Alben mehr?

Find ich eigentlich seltsam. Gerade Radiohead Alben waren doch immer sehr geschlossene Gesamtwerke. Soweit ich das herauslesen kann haben sie eher Probleme mit dem Entstehungsprozess von Alben als mit dem Konzept an sich (Thom wird alt).

We can't all be lion tamers!
10
13.8.2009, 23:01
und die Energiebilanz jubelt!

Transport, Produktion, Vertrieb sind sicher nicht so nachhaltig wie die paar Server, die nötig sind diese Songs runterzuladen. Abgespielt werden sie so und so. Ein paar nicht sinnvolle Erwerbsarbeitspätze werden auch eingespart. Danke Radiohead. Ein weiterer Schritt in die Zukunft. Vorrausgesetzt das bedingungslose Grundeinkommen kommt.

cgau
21
14.8.2009, 06:34
bruhaha !

Ich bin wirklich fassungslos darüber, dass es echt leute gibt, die für diese onlinegeschichten auch nur 10 cent bezahlen!
selbstverständlich möchte ich die alben auch weiterhin physisch (vinyl, cd) bei mir zuhause haben. ich habe noch nie tracks vom netz runtergeladen und ich bekomme wirklich einen lachkrampf bei der vorstellung, dass ich dafür, dass ich etwas runterladen "darf" und nicht einmal physisch besitze d. h. wenns mir doch nicht (mehr) gefällt auch wieder verkaufen kann, etwas bezahlen soll.
ein album/music ist/war für mich immer ein "gesamtkunstwerk".
dass die industrie das anders sieht,ist mir klar.

Diga
23
14.8.2009, 10:54
Überrascht

Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass man noch Musik auf physikalischen Medien kauft. Ich kaufe Musik, um sie mir anzuhören, nicht um sie in ein Regal zu stellen. Wenn man seine Musik in einer Datenbank (iTunes, etc.) hat, hat man wesentlich mehr Möglichkeiten diese zu konsumieren, organisieren, synchronisieren, etc. Der Vorteil, Musik auf einer CD zu besitzen, entzieht sich mir komplett. Der Weiterverkauf ist kein Argument, denn CDs lassen sich in der Regel nicht zu einem attraktiven Preis "verscherbeln".

phaidros
10
17.8.2009, 16:42
ein paar vorteile von musik-cds:

1) bedeutend hoehere qualitaet als komprimiert eingekauftes. wav/aiff ist einfach um laengen besser als mp3.

2) booklets, v.a. bei alben, die nicht 0815-maessig designt sind, sind einem plumpen .jpg-file einfach ueberlegen.

3) sie koennen sich von cd qualitaet minderqualitative kopien en masse anfertigen und ihren mp3 player damit befuellen, aber der umgekehrte weg (von 320kbs mp3 --> .wav) geht nicht.

4) das medium ist universeller einsetzbar/konsumierbar (auf einer hifi anlage ebenso wie am computer)

Diga
00
19.8.2009, 10:17
Die Vorteile sind theoretischer Natur

add 1) Ich habe eine sehr gute Stereoanlage und lege Wert auf gute Musik Qualität. Bei AAC 256kb/s höre ich keinen Qualitätsunterschied zu CDs.

add 2) In der Regel bekommt man bei CDs keine vernünftigen Booklets. Bei Download auch meistens nicht großartig mehr. Mit entsprechender Software lässt sich der zusätzliche Content allerdings komfortabel erweitern (Lyrics, etc.).

add 3) Ich will meine Zeit nicht damit verschwenden CDs zu rippen, für mich ein unnötiger Schritt.

add 4) Meine Musik liegt am PC. Möchte ich sie zu Hause abspielen, streame ich sie in sämtliche Wohnräume. Brauche ich sie mobil/Auto spiele ich vom iPhone ab. Universeller geht es nicht.

phaidros
00
26.8.2009, 21:37
na dann!

ich wollt sie eh nicht ueberreden.

ihre meinung zu "theoretisch" teile ich nicht.
der qualitaetsunterschied ist schon da. aac ist sogar mp3s unterlegen, und unkomprimiertes klingt einfach voellig anders. hitparadenmusik, die eh schon zu tode vorkomprimiert und voellig undynamisch ist, natuerlich ausgenommen, aber hoeren sie sich mal zb die wiener philharmoniker als wav und dann als aac an, das kommt einfach anders.

die fakten dazu:
http://www.stereophile.com/features/... index.html

GAT
 
21
14.8.2009, 09:43
Besitz

Geistiges Eigentum Anderer lässt sich generell schwer physisch besitzen. Der Unterschied zur gekauften (und wiederverkäuflichen) CD - abgesehen vom analogen Booklet, auf das Radiohead auch immer großen Wert gelegt haben - ist das physikalische Trägermedium. Das lässt sich ändern, die Musik lässt sich auf jedes beliebige Medium packen. Nach dem Download einfach eine Musik-CD brennen, ins Regal stellen - fertig. Und wenn's einem irgendwann nicht mehr gefällt, kann man diese CD genauso feilbieten.

Njata
00
13.8.2009, 20:32
Ein Album/Roman wird fuer mich oft tiefer empfunden als eine Kurzgeschichte, auch wenn diese fantastisch sein kann

Doch leider ist es so, dass itunes und andere diverse online anbieter ,dabei das groesste geschaeft machen und die bands kaum einen groschen sehen, wenn man nicht gerade radiohead ist. ich bin mit platten/kassetten/cds gross geworden, vielleicht bin ich einfach sentimental, aber ich finde es aufregend fuer mehr als 3 minuten in eine musikalische welt einzutauchen.

Gschamster Diener, Herr Direktor!
00
13.8.2009, 16:55

Die Smashing Pumpkins oder Trent Reznor sagten bereits das gleiche. Meh, ich hätt lieber ein gutes Album, das ich auch in den Händen halten kann.

LightCurves
00
13.8.2009, 20:01

ich bin sicher, die bringen ihre singles und eps auch physikalisch raus.

wär doch gar nicht schlecht, alles 2 jahre ein 12''-Vinyl-EP-Boxset....

Gschamster Diener, Herr Direktor!
00
14.8.2009, 09:24

Ganz Ihrer Meinung. Nur sind besagte Boxsets dann immer "streng limitiert" und absolut überteuert :/

Krampen
11
13.8.2009, 16:22

livemusic kills the internet-star

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