Neue Vorwürfe gegen Israel wegen Gaza-Angriffen

13. August 2009, 13:20
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HRW: Israelische Soldaten sollen auf Menschen mit weißen Fahnen geschossen haben - Armee nennt Zeugen unglaubwürdig

Jerusalem - Gegen Israel sind neue Vorwürfe wegen möglicher Menschenrechtsverletzungen während der dreiwöchigen Gaza-Offensive laut geworden, in deren Verlauf zu Jahresbeginn mehr als 1400 Palästinenser getötet und über 5000 weitere verletzt wurden. Die internationale Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) forderte Israel am Donnerstag in Jerusalem auf, sieben Fälle zu untersuchen, in denen Soldaten insgesamt elf Palästinenser getötet haben sollen, obwohl diese nach Augenzeugenberichten weiße Kleidungsstücke zum Zeichen der Friedfertigkeit schwenkten. Unter den Opfern seien fünf Frauen und vier Kinder.

Die israelischen Soldaten hätten entweder nicht alle Vorsichtsmaßnahmen bei der Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kämpfern ergriffen oder im schlimmsten Fall mit Absicht auf die Zivilisten geschossen, heißt es in dem 63 Seiten langen HRW-Bericht. Darin wird auch auf einen Fall hingewiesen, in dem ein israelischer Soldat auf eine Gruppe von zwei Frauen und drei Kindern geschossen haben soll, obwohl mindestens drei der fünf Palästinenserinnen weiße Stofffetzen in der Hand gehalten hätten. Ein zwei- und ein siebenjähriges Mädchen seien getötet worden, das dritte Mädchen überlebte verletzt. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass die Getöteten von militanten Palästinensern als menschliche Schutzschilde missbraucht oder bei Kämpfen ins Kreuzfeuer geraten seien, heißt es.

"Unglaubwürdige Zeugen"

Die israelische Armee wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. Die Glaubwürdigkeit der palästinensischen Augenzeugen sei nicht fundiert, heißt es in einer Stellungnahme der israelischen Armee vom Donnerstag. Israelische Soldaten hätten während der Kämpfe in Übereinstimmung mit den Regeln des Kriegsrechts gehandelt.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation hat die israelische Armee wiederholt die Bitte um ein Treffen abgelehnt, um die Fälle zu diskutieren. Human Rights Watch und Amnesty International (AI) hatten unter anderem festgehalten, dass Israels Armee im Jänner im Gazastreifen weißen Phosphor eingesetzt habe. Israels Armeesprecher hatten zunächst den Einsatz von Phosphorbomben abgestritten, dann eingeschränkt, die Rauchbomben würden entsprechend dem internationalen Recht gebraucht, und schließlich eine interne Untersuchung angekündigt.

Human Rights Watch führte Fälle vom Einsatz von Phosphorwaffen in dicht bevölkerten Wohngegenden an. Frühere HRW-Berichte zitierten mehrere Zeugen der Angriffe auf das Hauptquartier des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNRWA. Phosphorgranaten verursachen sehr schmerzhafte und schlecht heilende Brandwunden. In Einzelfällen frisst sich das brennende Material bis zu den Knochen durch. (APA)

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    Während der dreiwöchigen Gaza-Offensive der israelischen Armee zu Jahresbeginn kamen mehr als 1400 Palästinenser ums Leben, über 5000 weitere wurden verletzt.

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