Trend zur Wohnung und zum Reihenhaus

13. August 2009, 11:13
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Aktuelle Studie konstatiert eine "Umbruchstimmung" beim Wohnen in Österreich - 1,2 Millionen wollen in den nächsten fünf Jahren umziehen

Das klassische Einfamilienhaus ist schon beinahe ein Auslaufmodell, der Wunsch vom Haus mit Garten ist stark rückläufig - so lautet das Ergebnis einer neuen Trendstudie zum Wohnverhalten der Österreicher, konzipiert von Andrea Baidinger, Kommunikationsexpertin in Immobilienfragen, und durchgeführt vom Gallup Institut. "Nur 26 Prozent der Österreicher, die in naher Zukunft ihren Wohnsitzwechsel planen, wollen in einem Einfamilienhaus wohnen. Der Trend geht eindeutig Richtung Wohnung oder Reihenhaus", so Baidinger. Dies habe sich bereits bei Untersuchungen in den Jahren 2002 und 2003 abgezeichnet.

Einfamilienhaus zur Miete

Aktuell wohnen 37 Prozent der Österreicher in einem traditionellen Einfamilienhaus, aber nur noch 26 Prozent der potenziellen "Übersiedler" planen den Umzug in ein solches. Bei den Reihenhäusern hingegen ist der Trend laut Studie genau umgekehrt: Bei einem heutigen Anteil von fünf Prozent erwägen sogar zwölf Prozent - also mehr als doppelt so viele - den Umzug in ein Reihenhaus. 58 Prozent wohnen in einer Wohnung, 63 Prozent planen dies für die Zukunft.

Im Einfamilienhaus-Sektor wird es demnach zu einem Wandel kommen. "Wir haben zur Zeit die Situation, dass viele Einfamilienhäuser zum Verkauf angeboten werden und sich keine Käufer finden, aber zunehmend mehr suchen ein Miethaus", erklärt Baidinger. Bis vor wenigen Jahren sei die Miete eines Einfamilienhauses in Österreich eine kaum genutzte Wohnform gewesen, "hier wird sich der Markt neu entwickeln."

"Große Veränderungen"

Insgesamt plant laut der Trendstudie ein knappes Viertel der Österreicher, innerhalb der nächsten zehn Jahre den Wohnsitz zu wechseln. "Bereits neun Prozent, das sind etwa 590.000 Menschen, planen innerhalb der nächsten beiden Jahre einen neuen Wohnsitz, weitere neun Prozent überlegen einen Umzug im Zeitraum der nächsten fünf Jahre, das sind in Summe etwa 1,2 Millionen", erklärt Baidinger, die dadurch "große Veränderungen für die Bau- und Immobilienwirtschaft in den nächsten Jahren" kommen sieht.

Derzeit leben die Österreicher zu 37 Prozent in einem Einfamilienhaus, zu fünf Prozent in einem Reihenhaus und zu 58 Prozent in einer Wohnung; vergleichsweise dazu waren 2003 noch 49 Prozent Bewohner eines Einfamilien- und drei Prozent eines Reihenhauses, 47 Prozent lebten in Wohnungen. "Die Zahlen bestätigen eine klare Tendenz zur Wohnung und zum Reihenhaus, die sich noch weiter verstärken wird. Für das Jahr 2011 werden zugunsten des Einfamilienhauses nur noch 26 Prozent prognostiziert, zwölf Prozent wünschen ein Reihenhaus, 63 Prozent werden eine Wohnung bevorzugen."

Im Vergleich zu einer Untersuchung aus dem Jahr 2003 zeigen sich deutliche Änderungen bei den Übersiedlungsplanern in den Altersgruppen. Haben sich 2003 lediglich vier Prozent der Personengruppe "50 plus" zu einer Übersiedelung entschlossen, so ist der Anteil 2009 bereits auf neun Prozent gestiegen. Für die Wahl des künftigen Wohnsitzes präferieren die über 50-Jährigen zu 67 Prozent die Wohnung, zehn Prozent bevorzugen ein Reihenhaus und 27 Prozent planen den Umzug in ein Einfamilienhaus. Baidinger: "Interessant ist, dass gerade in der großen Gruppe der Familiengründer zwischen 30 und 50 Jahren der geringste Anteil mit Plan Einfamilienhaus zu finden ist."

"Gesunde Infrastruktur ist wichtig"

Ein Grund dieser Veränderung der Wohnverhältnisse sei auch ein intensiveres ökonomisches und ökologisches Bewusstsein. "Es genügt ein kleiner Garten oder eine Terrasse. Vorrangig wichtig ist eine gesunde Infrastruktur wie Geschäfte, Kindergärten, Schulen und eine gute öffentliche Anbindung an die Stadt", so Baidinger. "Ein Dorf ohne Infrastruktur lebt nicht mehr, der klassische private Hausbauer ist damit eigentlich schon Geschichte."

Die Auswertung der Studie zeige weiters eindeutig, dass die Österreicher ihre Wohnzukunft im Mietmodell sehen. "Natürlich ist das traditionelle Einfamilienhaus klar mit dem Begriff Eigentum verbunden und die Miete in diesem Bereich wird auch in den nächsten Jahren nur ein schmales Segment unter zehn Prozent einnehmen. Aber bereits vier Prozent wünschen sich dieses in Form einer Genossenschaft", so Baidinger. Auch der Wunsch nach dem Modell Reihenhaus wird von 23 Prozent damit verbunden, dieses mit Genossenschaftsanteil zu erwerben. Und der Wunsch nach Miete stehe bereits bei zwei Dritteln der künftigen Wohnungswechsler fest.

Für die Trendstudie "Wohnen 2009" wurden Interviews mit 1000 Österreicherinnen Österreichern ab 18 Jahren geführt, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung im gesamten Bundesgebiet. (red)

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