Leidensweg seit dem Sturz der Monarchie

13. August 2009, 11:06
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Sowjetische Okkupation, Bürgerkrieg, Taliban-Schreckensherrschaft

Kabul - Blutige Fehden und Revolten, zehn Jahre sowjetischer Okkupation, endlose politische Intrigen und mörderische Kämpfe zerstörten Afghanistan in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten. 1996 errichteten die an pakistanischen Koranschulen ausgebildeten fundamentalistischen Taliban, die dank pakistanischer Geheimdienst-Unterstützung an die Macht kamen, ein mittelalterliches Schreckensregime, das der weiblichen Bevölkerung die elementarsten Rechte verweigerte, Minderheiten brutal unterdrückte und 2001 durch eine US-Militärintervention gestürzt wurde. Afghanistan hat nach UNO-Angaben die mit Abstand höchste Kindersterblichkeit, die höchste Analphabetenquote und die weltweit höchste Rate an Witwen und Waisenkindern.

Die wichtigsten Ereignisse seit dem Sturz der Monarchie:

  • 1973 - Mohammed Zahir Schah, König seit 1933, wird während eines Auslandsaufenthalts auf Betreiben seines Vetters und Schwagers, Mohammed Daoud, abgesetzt. Ausrufung der Republik.
  • 1978 - In der "April-Revolution" (Saur-Revolution) stürzen linksgerichtete Offiziere das Daoud-Regime. Sie holen den marxistischen Schriftsteller Nur Mohammed Taraki aus dem Gefängnis und rufen ihn zum Präsidenten aus. Der neue Revolutionsrat proklamiert die "Demokratische Republik Afghanistan".
  • 1979 - Taraki wird von seinem Stellvertreter Hafizullah Amin ermordet. Im Dezember marschieren sowjetische Truppen ein und bringen Babrak Karmal, den Chef des KP-Minderheitsflügels "Parcham", an die Macht. Amin wird hingerichtet.
  • 1980-89 - Islamische Widerstandskämpfer (Mujaheddin) erklären den sowjetischen Besatzungstruppen den Krieg und werden von Pakistan und den USA aufgerüstet. Es sterben 1,5 Millionen Menschen, über fünf Millionen werden aus ihren Wohnorten vertrieben; Flüchtlingsstrom in das Nachbarland Pakistan.
  • 1986 - Karmal wird 1986 durch den Chef der Geheimpolizei, Mohammed Najibullah, abgelöst.
  • 1988 - Auf Initiative von Michail Gorbatschow beginnt der Abzug der sowjetischen Truppen, der ein Jahr später abgeschlossen wird. Die Sowjetunion verlor in dem Konflikt 15.000 Mann.
  • 1992 - Najibullah tritt nach einem UNO-Friedensplan zurück; zwischen den verschiedenen Mujaheddin-Fraktionen herrscht jedoch Uneinigkeit. Der Tadschike Burhanuddin Rabbani, Chef der "Jamiat-i-Islami", wird Präsident. Der Führer der radikaleren "Hezb-i-Islami", Gulbuddin Hekmatyar, der für den Posten des Premiers vorgesehen ist, wird von Rabbanis Militärchef, dem Tadschikenführer und Widerstandshelden Ahmed Shah Massud, am Einzug nach Kabul gehindert.
  • 1994 - Der einflussreiche ex-kommunistische General Abdul Rashid Dostum, ein Usbeke, der sich nach Najibullahs Niederlage auf die Seite von Rabbani geschlagen hatte, ergreift für Hekmatyar Partei. Die Taliban, an pakistanischen Koranschulen ausgebildete Kämpfer, treten erstmals in Erscheinung.
  • 1996 - Hekmatyar schließt mit Rabbani Frieden und wird im Juni als Regierungschef vereidigt. Die vom pakistanischen Geheimdienst gesteuerten paschtunischen Taliban marschieren im September in Kabul ein und rufen einen Gottesstaat ("Islamisches Emirat") aus. Najibullah, der sich seit 1992 in der UNO-Vertretung aufgehalten hatte, wird kastriert und bestialisch umgebracht, sein Leichnam öffentlich zur Schau gestellt. Die von der UNO weiter anerkannte Rabbani-Regierung flieht nach Norden. Im Oktober schließt sie mit Dostum und der pro-iranischen Schiitenmiliz "Hezb-i-Wahdat" eine Anti-Taliban-Allianz ("Nordallianz"), der es gelingt, den Taliban-Vormarsch nach Norden zu stoppen.
  • 1997 - Ein Konsortium unter Führung der kalifornischen Erdölgesellschaft "Unocal" schließt mit den Taliban ein Abkommen für einen Pipeline-Bau von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan zum Indischen Ozean. Das Projekt scheitert 1998 nach der Affäre um den in Afghanistan etablierten saudiarabischen Milliardär Osama Bin Laden, den die USA für die verheerenden Anschläge auf ihre Botschaften in Kenia und Tansania verantwortlich machen.
  • 1998/99 - Die Taliban vertreiben die Vertreter regierungsunabhängiger Organisationen aus Kabul; schwere Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. Der UNO-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen.
  • 2001 - Die Taliban zerstören ungeachtet internationaler Proteste die berühmten Buddha-Statuen von Bamiyan und nehmen westliche Helfer unter der Beschuldigung christlicher Missionierung fest. Im Oktober starten die US ihre Luftangriffe. Ahmed Shah Massud, Militärchef der Nordallianz, wird von Al-Kaida-Agenten ermordet. Am 18. November kann Rabbani mit den Führern der Nordallianz nach Kabul zurückkehren, am 27. beginnt auf dem Petersberg bei Bonn eine Afghanistan-Konferenz, die sich auf eine Interimsregierung unter dem Paschtunen Hamid Karzai, einem Vertrauensmann des pakistanischen Geheimdienstes, einigt.
  • 2002 - Der frühere König Zahir kehrt aus dem Exil zurück. Eine kurzfristig einberufene Große Ratsversammlung ("Loya Jirga") wählt Karzai zum Übergangs-Präsidenten. Die Schlüsselpositionen in der Regierung besetzen die Führer der ehemaligen Nordallianz. Die NATO-geführte internationale Schutztruppe ISAF beginnt ihren Einsatz in Kabul.
  • 2003/2004 - Eine Loya Jirga mit 502 Delegierten verabschiedet eine Verfassung. Karzai wird in allgemeinen Wahlen zum Präsidenten gewählt und bildet eine Regierung unter maßgeblichem Einfluss der Kriegsherren wie Dostum.
  • 2006: Die ISAF übernimmt auch das Kommando für den unruhigen Osten von den US-geführten Koalitionstruppen und dehnt damit ihren Verantwortungsbereich auf ganz Afghanistan aus.
  • 2008 wird das blutigste Jahr für die US-Truppen seit Kriegsbeginn.
  • 2009: US-Präsident Barack Obama kündigt weitere US-Truppen sowie verstärkte zivile und wirtschaftliche Hilfe an. US-Militärs hatten vor einem weiteren Erstarken der Taliban gewarnt. Es sei den Taliban weitgehend gelungen, sich zu reorganisieren. (APA)
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Afghanische Polizisten stellen ein Bild vom 2001 ermordeten Militärchef der Nordallianz, Ahmed Shah Masud, auf.

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