Gesetz über Religionsunterricht empört katholische Kreise

13. August 2009, 12:46
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Religionslehrer dürfen nicht mehr Maturanoten mitbestimmen - Bischofskonferenz reagiert mit Protest

Rom - In Italien ist ein heftiger Streit um den Religionsunterricht an den Schulen ausgebrochen. Auslöser ist ein Beschluss des Verwaltungsgerichts der mittelitalienischen Region (Bundesland) Lazio. Das Gericht hat beschlossen, dass Schüler, die an der katholischen Religionsstunde teilnehmen, kein Anrecht auf eine bessere Maturanote haben. Die zusätzlichen Punkte bei der Berechnung der Maturanote, die die Teilnehmer an der Religionsstunde bisher erhalten konnten, sei nicht legitim, weil sie Schüler diskriminieren, die anderen Konfessionen angehören und an diesem Unterricht nicht teilnehmen.

In Italien werden die Noten der Maturafächer nicht einzeln, sondern nach einem Punktesystem gesammelt ausgewiesen: Je höher die Gesamtpunktezahl aus den Fächern, desto besser. "Mit Auszeichnung" maturiert man in Italien, wenn man die Maximalpunktezahl von 100 erreicht.

Da die Religionslehrer nicht zur Schlussnote der Matura beitragen können, hätten sie auch kein Recht, an der Lehrerkonferenz teilzunehmen, urteilte das Verwaltungsgericht. Es gab somit der Forderung einiger laizistischer Organisationen statt.

Empörung in katholischen Kreisen

Der Beschluss des Verwaltungsgerichts stieß in katholischen Kreisen auf helle Empörung. "Damit siegt der schlimmste Rationalismus, der jede Identität ausradieren will", protestierte Bischof Diego Coletti, Präsident der Kommission für die katholische Bildung der italienischen Bischofskonferenz CEI. Er forderte die katholischen Parteien und Organisationen auf, gegen den Beschluss zu protestieren.

"Die Lehre der katholischen Religion ist ein Bestandteil der italienischen Kultur, die im Schulsystem wichtig ist. Es geht nicht darum, die individuellen religiösen Beschlüsse zu beeinflussen. Der Religionsunterricht ist für die Schüler wichtig, um ihnen Kenntnisse der Kultur unseres Landes zu vermitteln", meinte der Bischof.

Kritik aus der Politik

Auch in politischen Kreisen wurde das Verwaltungsgericht kritisiert. Der Fraktionschef der Mitte-Rechts-Allianz im Senat, Maurizio Gasparri, sprach von "anti-katholischen Tendenzen, die in der Geschichte und in der Tradition dieses Landes beispiellos sind". Er äußerte die Hoffnung, dass der Beschluss vom Staatsrat, der Instanz über die regionalen Verwaltungsgerichte, annulliert werde. Auch Bildungsministerin Maria Stella Gelmini protestierte heftig gegen den Beschluss und kündigte Rekurs an.

Nach der Neuordnung des Religionsunterrichts in Italien im Zug der Konkordatsrevision von 1984 ist der Religionsunterricht nicht mehr Pflicht. Religionsunterricht wird in Italien inzwischen zu 66 Prozent von Laien, darunter zwei Drittel Frauen, erteilt. Allerdings ist nur ein Drittel der Religionslehrer mit einer vollen Lehrstelle in das Schulsystem integriert; mehrheitlich handelt es sich um Teilzeitkräfte. (APA)

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