Der Lockerbie-Anschlag am 21. Dezember 1988

13. August 2009, 10:09
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Boeing 747 explodiert über dem schottischen Ort, 270 Menschen sterben - Verurteilter Attentäter beteuerte stets seine Unschuld

London - Der Name des schottischen Dorfes Lockerbie steht für eines der schwersten Flugzeug-Attentate der Luftfahrtgeschichte. Am 21. Dezember 1988 zerriss eine Bombe in 10.000 Metern Höhe über Lockerbie eine Boeing 747 der amerikanischen Fluggesellschaft PanAm. An Bord starben 243 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder. Eine Flugbegleiterin und ein Passagier hatten die Explosion und den Absturz überlebt, starben jedoch, bevor Hilfe eingetroffen war. Elf Einwohner des Dorfes kamen durch herabfallende Flugzeugteile ums Leben. Die Trümmer waren mehr als 100 Kilometer weit verstreut.

Die USA und Großbritannien beschuldigen den libyschen Geheimdienstmann Abdel Basset al-Megrahi und seinen Kollegen al-Amin Khalifa Fahima Ende 1991 der Verwicklung in die Tat. Der UN-Sicherheitsrat fordert Libyen im März 1992 zur Auslieferung der beiden Männer auf. Der nordafrikanische Staat lehnt ab und wird mit Sanktionen belegt.

Möglicher Racheakt

Al-Megrahi und Fahima sollen einen Koffer mit der Bombe von Malta aus auf die Reise geschickt haben. Über Frankfurt gelangte der Koffer in die Maschine nach London und New York. Der Anschlag könnte ein Racheakt für die Bombardierung der libyschen Städte Tripolis und Bengasi im April 1986 durch die USA gewesen sein.

Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen Libyen, den USA und Großbritannien kommen der Anwalt der Beschuldigten und die Familien der Opfer im April 1998 überein, die beiden Männer in den Niederlanden nach schottischem Recht vor Gericht zu stellen.

Verhandlung in Camp Zeist

Am 3. Mai 2000 beginnt im früheren US-Stützpunkt Camp Zeist der Prozess gegen die beiden Libyer. Die drei schottischen Richter befinden Megrahi am 31. Jänner 2001 des Mordes schuldig und sprechen Fahima frei. Al-Megrahi erhält eine lebenslange Haftstrafe. Der Verurteilte beteuerte weiterhin seine Unschuld. Die erste Berufung al- Megrahis wird im März 2002 abgelehnt. Im November desselben Jahres entscheidet ein Gericht, dass er mindestens 27 Jahre bis zu einem Gnadengesuch in Haft bleiben muss.

Libyen bestreitet zwar jegliche Verwicklung in den Anschlag, erklärt sich später aber bereit, die Angehörigen der Opfer mit mehr als zwei Milliarden Dollar zu entschädigen.

Berufung

Ende Juli 2007 ordnete nach einer zweiten Berufung al-Megrahis eine unabhängige Untersuchungskommission an, dass sich der Oberste Gerichtshof Schottlands mit dem Fall befassen muss, die Entscheidung steht noch aus. Am 25. Juli 2009 hat der inzwischen an Krebs erkrankte al-Megrahi einen Antrag auf Entlassung wegen der Härte seines Falles gestellt, den er später wieder zurück zog, um den Weg für seine krankheitsbedingte Begnadigung freizumachen. (red/APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Untersuchungsbeamte bei den Trümmern des Cockpits der Boeing 747 auf einem Feld nahe Lockerbie zwei Tage nach dem Anschlag.

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