Österreich hat seinen Fußball wieder

12. August 2009, 22:41
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0:2 gegen Kamerun. Das ÖFB-Team hat im Test in Klagenfurt nicht dort angeknüpft, wo es gegen Serbien aufgehört hat. Die Niederlage war die Folge eines verschossenen Elfers, etlicher Fehler und krasser Unterlegenheit.

Klagenfurt - Der humorlosen Fifa die Schuld zu geben, wäre natürlich vermessen. Aber dass sie nicht gestattet hat, den 40-jährigen Ivica Vastic bei seiner Verabschiedung auch ein paar Minuten gegen Kamerun kicken zu lassen, war gemein. Es hätte ja nur bis zur 13. Minute sein müssen, denn da ist im ausverkauften Klagenfurter Stadion Folgendes passiert: Kapitän Paul Scharner vergab einen Elfmeter auf eher klägliche Weise, jedenfalls musste Keeper Kameni nicht sonderlich glänzen. Yasin Pehlivan war gefoult worden.

Das Spiel der Österreicher war bis dahin gar nicht so übel, Erwin Hoffer ließ bei einigen Aktionen erkennen, warum ihn Napoli gekauft hat. Teamchef Dietmar Constantini hatte tatsächlich den vereinslosen Jürgen Macho in den Kasten gestellt, vor rund sechs Monaten hatte der zuletzt in einem offiziellen Kick Bälle gehalten. Seither schupft ihm sein Vater in Wien Bälle zu. Constantinis Begründung: "Er ist ein guter Tormann. Ein Risiko ist dabei, ich übernehme die volle Verantwortung." Scharner, dies zu seiner Ehre, hat sie in der 13. Minute auch übernommen. "Es ist gründlich in die Hose gegangen", sagte er später. "Das nehm' ich auf meine Kappe."

Das Mittelfeld war mit jenem ident, das beim 0:1 in Serbien zu überzeugen vermochte. Es wurde übrigens auch Martin Hiden verabschiedet. Der 36-jährige Innenverteidiger, das zweite Opfer der Fifa, wäre vielleicht in der 28. Minute nicht unwichtig gewesen. Denn in dieser überdribbelte Salzburg-Legionär Tchoyi Österreichs rechte Abwehrseite, seinen Stangelpass hätte der in der Mitte des Strafraums platzierte Manuel Ortechner nur stoppen müssen. Stattdessen verknoteten sich seine Beine, Webo drückte aus kurzer Distanz ein. Kamerun führte also 1:0, geplant war, dass das Publikum lobt, applaudiert. Es hat aber gepfiffen.

In der 35. Minute folgte das 0:2. Superstar Eto'o, der meist aus dem Mittelfeld in die Spitze stieß, brachte Emana in Position, Macho wehrte toll ab, Webo, der vereinsmäßig auf Mallorca engagiert ist, staubte humorlos ab. Und wieder kam kein Lob von den Rängen.

Kamerun blieb in allen Belangen überlegen, Österreich stotterte weiter, die Eingewechselten schlossen an die Darbietungen der Ausgetauschten an. Serbien und das 2:1 gegen Rumänien könnten vielleicht doch ein bisserl Zufall gewesen sein. Kamerun verwaltete das Resultat, das Match hatte zeitweise den Unterhaltungswert einer Magendarmgrippe. Aus österreichischer Sicht. Der nach der Pause statt Macho im Tor werkende Helge Payer hat wenigstens größeren Unbill verhindert. "Ein schlechter Tag von uns, ein guter Tag von ihnen", resümierte Marc Janko recht trocken.

"Einfach nicht gut" 

Die Constantini-Euphorie hat also einen kräftigen Dämpfer abgekommen, wobei der Teamchef immer wieder betont hat, dass der österreichische Fußball mit Gigantismus wenig am Hut hat. "Die Leistung war einfach nicht gut", sagte Constantini gestern, "wir haben zuwenig entgegengesetzt." Das Leben geht weiter, Kamerun war ja nur ein Freundschaftsspiel. Am 5. September wird die WM-Quali fortgesetzt, die Färöer gastieren. (Christian Hackl; DER STANDARD Printausgabe 13. August 2009)

Österreich - Kamerun Endstand 0:2 (0:2). Wörthersee-Stadion, 28.800, SR Pavel Olsiak (SVK).

Torfolge:
0:1 (28.) Webo

0:2 (35.) Webo

Österreich: Macho (46. Payer) - Garics (46. Prödl), Schiemer, Dragovic, Ortlechner (46. Fuchs) - Hölzl (67. Trimmel), Pehlivan, Scharner (40. Leitgeb), Jantscher - Janko, Hoffer (61. Maierhofer)

Kamerun: Kameni - Geremi, Nkoulou, Bikey (46. Nguemo), Bassong (82. Binya) - Emana, Mbia, Makoun (46. Chedjou) - Tchoyi (46. Ngom Kome), Webo (46. Enoh), Eto'o (65. Meyong-Ze)

Anmerkung: Scharner scheiterte in der 13. Minute mit einem Foulelfmeter an Kameni

Gelbe Karten: keine bzw. Bassong

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    Lange Gesichter bei Österreichs Stürmern.

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    Auch Trainer Constantini sah nicht viel Positives.

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    Kamerun zeigte mehr Biss.

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