Blüten-Bande und Orangen

12. August 2009, 19:05
1 Posting

Zwei Jahre Haft für Mitgliedschaft in Geldfälscherbande

Wien - Im Falle der Tierrechtler wird sich im Prozess weisen müssen, warum genau sie in einer kriminellen Organisation sind. Bei Stepan K. und Aynur I. bleiben in der Hinsicht weniger Fragen offen - bei ihnen geht es im Wiener Landesgericht mehr darum, wie hoch sie in der Struktur der Organisation eines Fälscherringes stehen. Ein Fälscherring, der nicht nur für einen sprunghaften Anstieg von 50- und 200-Euro-Blüten gesorgt hat, sondern in Österreich auch dank seines Chefs berühmt geworden ist. "Iwan Iwanov" nannte der sich, wurde verhaftet und entkam aus der Untersuchungshaft. Indem er bei einem Treffen mit einem (falschen) Anwalt von diesem Zivilkleider bekam und einfach aus dem Gefängnis spazierte. 

Wieder hinter Gittern

Mittlerweile ist er wieder hinter Gittern, im Oktober soll ihm der Prozess gemacht werden. An diesem Mittwoch sitzt aber sein Bruder Stepan K. auf der Anklagebank vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Karin Burtscher. Der Vorwurf: Er soll nach der Verhaftung seines Bruders die in ganz Europa aktive Organisation wieder aufgebaut, Transporte von Falschgeld und gefälschten Dokumenten von Bulgarien nach Österreich organisiert haben. Wie umfangreich die Organisation war, zeigt ein Organigramm der europäischen Polizeibehörde Europol, das Staatsanwältin Sonja Herbst an die Wand geklebt hat. Auf sechs DIN-A4-Blättern wird in einem fast unüberschaubaren Diagramm gezeigt, wer mit wem telefoniert und sich getroffen hat. 

"Obstlieferungen"

Stepan K. gibt zu, dabei gewesen zu sein. Aber so richtig habe er nicht gewusst, worum es geht. "Er war mein leiblicher Bruder, er hat mich gebeten, Telefonate entgegenzunehmen." Dass es dabei um Falschgeld ging, hat er scheinbar nur unbewusst wahrgenommen. Der Zweitangeklagte Aynur I. weiß überhaupt nicht, warum er im Gerichtssaal sitzt. Er habe mit "Iwan Iwanov" überhaupt nur fünf-, sechsmal zu tun gehabt. Und dabei sei es um Obstlieferungen gegangen, "Mandarinen, Orangen, Zitrusfrüchte", beteuert er.

Sicher, einmal hätte er Passbilder entgegennehmen sollen, den Hintergrund habe er nicht gekannt, und das sei ihm zu heiß geworden, da er eine Polizeifalle gewittert habe. (Es war eine - misstrauisch wurde der Verdächtige, da alle Passbilder vor demselben Hintergrund aufgenommen waren.) In Telefonüberwachungen und Zeugenaussagen sieht das alles ganz anders aus. Aynur I. soll in Bulgarien ganze Dokumentensets gefälscht haben, bestehend aus Pass, Meldezettel, Gewerbeschein und Bankkarte.

Und Stepan K. zumindest in Vertretung des einsitzenden Bruders allumfassend agiert haben. Was er dann doch irgendwie zugibt: "Ich möchte dem Gericht meine Entschuldigung dafür vorbringen, was meine Familie in Form meines Bruders diesem Land angetan hat", sagt er im Schlusswort. Das Urteil, zwei Jahre Haft, akzeptieren beide, es ist rechtskräftig. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 13.8.2009)

Share if you care.