Bis zur Pension ist nicht viel drin

12. August 2009, 18:48
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Kaum durchschaubar und ineffizient: So zeigen sich die privaten Stützen der Pensionsvorsorge und der Abfertigung neu - Von Norbert Knoll

Wer die Kontoinformation seiner Pensionskasse oder Abfertigungskasse genauer studiert, wird feststellen, dass die Ertragssteigerungen gelegentlich nicht den von der Politik geschürten Erwartungshaltungen entsprechen. Die regelmäßige Zahlung von 1,53 Prozent des Bruttogehalts wird nach 37 Jahren wohl kaum mit einem Jahresgehalt Abfertigung belohnt. Und auch die Durchsicht der von der OeKB veröffentlichten Daten zur langfristigen Performance der Pensionskassen macht wenig Freude: Eine Wertentwicklung von 2,12 Prozent pro anno während der letzten 10 Jahre oder von 3,22_Prozent pro anno seit Ende 1997 lässt trotz derzeit geringer Anstiege der Verbraucherpreise nicht auf wundersame Geldvermehrung bis zum Pensionsantritt hoffen.
Besonders ärgerlich für (primär) zwangsweise Vorsorgende ist wohl, dass Risiko und Transaktionskosten vorwiegend auf sie überwälzt werden.
Gefangen im System, ausgeliefert einem einmal ausgewählten Finanzintermediär, der ohne eigenes Risiko veranlagt und seine Verwaltungstätigkeit über Gebühren deckt. Ganz so wie bei privaten Investmentfonds, die in den letzten Jahren den Anlegern wenig Freude bereiteten, nur mit dem feinen Unterschied, dass die einmal akquirierten Kunden ihrer Pensionskasse zwangsweise treu verbunden bleiben.
Wäre es - unabhängig von dem im Zuge der Finanzkrise aufgedeckten Veranlagungsrisiko - nicht an der Zeit, endlich Lösungen anzubieten, die den Vorsorgenden neue und bessere Wahlmöglichkeiten über die gesamte Veranlagungsperiode geben, um sie vor dem Wirken der bereits jetzt staatlich beaufsichtigten Veranlagungsprofis zu schützen? Ist die Politik unfähig, zumindest eine Lösung anzubieten, die endlich neben dem Risiko auch die Transaktionskosten der Vorsorge durch echten Wettbewerb reduziert?
Wenn es politisch gewünscht ist, dass private Vorsorge für die Lösung eines Beschäftigungsverhältnisses oder den Übertritt in die Pension vorgenommen wird, dann bedarf es dazu keiner spezialisierten Finanzintermediäre. Schon gar nicht, wenn diese Profis für 60-80_Prozent des Kuchens eine weitgehend risikolose Veranlagung in Anleihen vornehmen. Das könnte die Mehrzahl der entmündigten Vorsorgenden wohl selbst!

Sicherer Hafen

Ein Blick auf die Sekundärmarktrenditen für österreichische Bundesanleihen zeigt, dass eine entsprechende Veranlagung während der letzten 25 Jahre ein nicht unbeträchtliches Maß an Ertrag und Sicherheit zu bieten hatte. Nicht nur nominell, auch real war die Rendite attraktiv und nur in vier von 25 Jahren fiel der „reale Ertrag" unter 2 Prozent pro anno, und das trotz sinkender Renditen auf dem Anleihemarkt und mit der Perspektive höchstmöglicher Sicherheit.
Wäre es da nicht verlockend, die Veranlagung von privaten und betrieblichen Vorsorgezahlungen in Bundesanleihen den mündigen Vorsorgenden zu übertragen und die Transaktionskosten des derzeitigen Systems zu mindern? Es genügt doch, dass die Vorsorgenden oder ihre Arbeitgeber in ein Depot einzahlen, das ausschließlich in Bundesanleihen investiert wird! Wenn das politische Ziel sicherer, echter und eigenverantwortlicher Vorsorge ein ernsthaftes ist, dann würde es ausreichen, dass der Gesetzgeber Bedingungen formuliert im Hinblick auf:
a) steuerliche Behandlung, b) Entnahmen (z._B. ab Pensionsantritt) oder c) gelegentlich vom Vorsorgenden gewünschte Übertragungen von Teilbeträgen auf gesetzlich wie gehabt geregelte Pensionskassen!

Kassen unter Druck

Gefährlich einfach diese Lösung, zumal die Erträge gewisser Finanz_intermediäre gemindert würden - z._B. auf die Verrechnung von Depot- und Ankaufsspesen. Und: Für „im direkten Wettbewerb mit Bundesanleihen" stehende Pensionskassen wäre bei schlechter Performance oder zu hohem Verwaltungsaufwand mit einem existenzgefährdenden Abzug des Kapitals zu rechnen. Klingt echt gefährlich! Aber: Ist es nicht legitim, bei offensichtlichem Reformbedarf auch einfachen Lösungen eine Chance zu geben, ohne hohe Kosten zu erzeugen und die Masse zu entmündigen?
Die bereits absehbare österreichische Lösung ist eine andere. Die Profis, denen bisher bei gegebenen gesetzlichen Vorgaben nichts Besseres einfiel, als den Großteil der ihnen anvertrauten Gelder in Staatsanleihen zu bunkern, werden diesen Anteil durch Einführung einer neuen Risikoklasse erhöhen und ihr Angebot um eine weitgehend verzichtbare Dienstleistung erweitern. So etwas nennt man dann Reform.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.8.2009)

Zur Person: Norbert Knoll arbeitet in Wien im Bereich der Evaluierung wirtschaftspolitischer Maßnahmen; 1996 bis 2004 Wissenschafter am Wifo.

  • Norbert Knoll: Vorsorge mit schlechter Performance.
    foto: standard/hendrich

    Norbert Knoll: Vorsorge mit schlechter Performance.

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