Kein Vertrauen mehr

12. August 2009, 18:09
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Ist das Vertrauen der Passagiere und Lieferanten weg, nützen selbst Billigst-Tickets nichts mehr - Von Claudia Ruff

AUA-Vorstand Andreas Bierwirth sagte das Ende von Sky Europe bereits vor einem Jahr voraus: „Sky Europe hat eine Streckenstruktur, mit der man kein Geld verdienen kann. Entweder die gehen von Wien weg, oder sie gehen pleite." Es schaut nun wirklich nicht mehr gut aus für die Airline. Ist einmal das Vertrauen der Passagiere und Lieferanten weg, nützen selbst Billigst-Tickets nichts mehr. Für Privatreisende, die Zeit haben, mag es unerheblich sein, ob der Flug pünktlich ist oder gar erst am Folgetag losgeht, je nachdem, ob ein Flieger verfügbar ist. Geschäftsreisende können sich darauf nicht einlassen und buchen woanders.
Das unterscheidet Sky Europe auch von Fly Niki: Dort gibt es Buchungssicherheit, Reiseveranstalter, die Fly Niki buchen, und auch Reisebüros, die mit der Airline arbeiten. Fly Niki ist in das Vertriebsnetz von Air Berlin eingebettet, das sichert Vorausbuchungen. Und Fly Niki hat Firmenverträge.
Das Problem von Sky Europe war - außer dem chronischen Mangel an Liquidität -, dass sie keinen Heimatmarkt hat: Die Slowakei war zu klein und Wien angesichts der Konkurrenz zu groß für diese Airline. In Bratislava ist nur noch Ryanair präsent. Eine Produktion auf mehreren dezentralen Standorten zu verteilen (Warschau und Prag gab es auch) ist immer teurer. Und Wien war von Beginn an unrentabel.
Bisher fand sich aus unerfindlichen Gründen immer noch ein Geldgeber, der bei Sky Europe einzahlte. Jetzt, in der Krise, wollen die Gläubiger ihr Geld zurück, und keiner will mehr einzahlen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.8.2009)

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