Im Schlafwagen durch Phantasia-Land

12. August 2009, 17:50
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Auf den deutschen Wahlplakaten setzt die CDU auf Köpfe, die SPD auf Inhalte

Kajo Wasserhövel weiß, dass vor ihm keine leichte Aufgabe liegt. „Wir müssen uns noch richtig den Berg raufarbeiten", sagt der SPD-Bundesgeschäftsführer am Mittwoch im Willy-Brandt-Haus. Soll heißen: Der SPD bleiben nur noch zehn Wochen, um das nahezu Unmögliche zu schaffen: Den 17-Punkte-Abstand zur Union aufzuholen und so Frank-Walter Steinmeier ins Kanzleramt zu hieven.

Ab sofort sollen dabei Wahlplakate helfen. Allerdings: Steinmeier ist gar nicht drauf. Lieber setzt die SPD auf die Themen Arbeit, Bildung, Atomkraft und Gesundheit. Da erklärt etwa ein lächelnder Arbeiter, der im Blaumann auf der Werkbank sitzt: „Die SPD kämpft für Arbeitsplätze. Für meinen und auch für Ihren. Und deshalb wähle ich SPD." Weiters zu sehen: Eine freundliche Studentin im Hörsaal. Ihr Anliegen: „Bildung darf nicht vom Konto der Eltern abhängen."

Will man Steinmeier, der auch in den persönlichen Werten meilenweit hinter Kanzlerin Angela Merkel liegt, etwa verstecken? Aber nein, versichert Wasserhövel. Der Kanzlerkandidat werde in einer späteren Phase schon noch ins Spiel kommen. Zunächst aber gehe es der SPD um Inhalte. Da unterscheide man sich eben von der Union. Die, kritisiert Wasserhövel, signalisiere ja bloß: „Es geht bei dieser Wahl um nichts." Und wolle im Schlafwagen, ohne jede Auseinandersetzung, an die Macht. Das werde die SPD verhindern.

Die der Untätigkeit gescholtene Merkel hingegen wirft Steinmeier vor, mit Fantasiezahlen zu operieren. Kaum war die Kanzlerin aus dem Urlaub zurück, da attackierte sie ihren Herausforderer auch schon wegen seines Plans, bis 2020 vier Millionen Arbeitsplätze zu schaffen. Das sei „nicht redlich".

Im Gegensatz zur SPD setzt die CDU bei ihren Plakaten rein auf Köpfe aus dem Kabinett. Kanzlerin wie Minister werden mit dem Slogan „Wir haben die Kraft" ins beste Licht gerückt. So wirbt Familienministerin Ursula von der Leyen für „starke Familien", Innenminister Wolfgang Schäuble für „Sicherheit und Freiheit".

Eine neue Parteizugehörigkeit wurde Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verpasst. Vom Sieger- und Strahle-Image des CSU-Shooting-Stars aus Bayern will auch die CDU profitieren. Also darf Guttenberg auch auf den Plakaten der Schwesterpartei CDU verkünden, dass er die Kraft für „Wirtschaft mit Vernunft" hat.

Noch einen Unterschied gibt es zwischen CDU und SPD: Während die CDU als Wahlziel „40 Prozent plus X" nennt, ist die SPD mit Zahlen weniger präzise. Sie will vor allem eine schwarz-gelbe Koalition aus Union und FDP verhindern. (Birgit Baumann aus Berlin/ DER STANDARD Printausgabe, 13.8.2009)

 

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    Verkehrte Welt: CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg auf einem CDU-Plakat.

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