"Vielleicht der härteste Moment der Karriere"

12. August 2009, 16:37
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Michael Schumacher ist fustriert und traurig - Zukunft ungeklärt: "Fühle mich nicht in der Lage, jetzt darüber nachzudenken"

Genf - Nur ein gezwungenes Lächeln, dunkle Ringe unter den Augen, der Blick oft starr ins Leere: Die Enttäuschung über sein geplatztes Formel-1-Comeback stand Michael Schumacher ins Gesicht geschrieben. Doch auch in den bittersten Stunden seiner Laufbahn hielt sich der schwer getroffene Rekordweltmeister eine Rückkehr in die Königsklasse offen. "Ich fühle mich nicht in der Lage, jetzt über die Zukunft nachzudenken", sagte Schumacher am Mittwoch sichtlich bewegt bei der insgesamt 77-minütigen Pressekonferenz in einem Genfer Nobelhotel. "Es ist vielleicht der härteste Moment, den ich in meiner Karriere hatte."

Immer wieder wich der siebenmalige Formel-1-Weltmeister einer konkreten Antwort über seine weiteren Pläne aus, nachdem Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo höchstpersönlich die Spekulationen über einen weiteren Comeback-Versuch angeheizt hatte. In Italien träumen die Tifosi schon von einer Rückkehr Schumachers beim Großen Preis in Monza am 13. September. "Im Moment ist das Wichtigste und Traurigste für mich, dass ich jetzt nicht dieses Comeback wahrnehmen kann", entgegnete Schumacher, der von den Folgen seines Motorrad-Unfalls vor einem halben Jahr ausgebremst wurde.

Erste öffentliche Worte zum Motorrad-Unfall

Erstmals sprach Schumacher öffentlich über den schweren Sturz am 11. Februar im spanischen Cartagena. "Ich habe bei dem Motorradunfall nichts mitbekommen. Ich weiß nur, dass ich wachgeworden bin und meine Probleme hatte", sagte Schumacher und fügte hinzu: "Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass sie lebensbedrohlich waren." Sein Arzt, Dr. Johannes Peil, gab zu: "Wir haben uns damals große Sorgen gemacht."

Schumacher zog sich bei seinem Abflug eine Fraktur des 7. Halswirbels und der ersten Rippe links zu. Zudem erlitt er eine Fraktur im Bereich der Schädelbasis und eine in der Halswirbelsäule. "Die Unfallfolgen waren die schwersten, die Michael in seiner Karriere zu tragen hatte", sagte Peil.

Und sie sorgten schon bei dem ersten Test mit einem alten Ferrari für Schmerzen. Mit Medikamenten wurde versucht, diese zu lindern. Vergeblich. "Dass ich enttäuscht bin, ist selbstverständlich. Das hat sich niemand ausgesucht", sagte der 40-Jährige bei einer eigens anberaumten Pressekonferenz einen Tag nach seiner Comeback-Absage.

Als um 14.00 Uhr die Fragestunde begann, war der Ballsaal B bis auf wenige freie Plätze voll. Mehr als ein Dutzend Fernsehteams, über 60 Journalisten. Einige warteten seit den Morgenstunden vor dem 18-stöckigen Gebäude unweit der Vereinten Nationen. Zuerst betrat Schumachers Sprecherin Sabine Kehm den Saal, dann Schumacher, dahinter Manager Willi Weber und Peil, Chefarzt der Sportklinik Bad Nauheim, die den siebenmaligen Weltmeister seit Jahren betreut.

Schumacher unterbrach seine Sprecherin bei deren Begrüßungsrede und Vorstellung des Ablaufs. Die Stimme stockte. "Dazwischen ein paar Worte", meinte Schumacher. Er wirkte zutiefst traurig, bedankte sich bei seinen Fans, "die mich wesentlich mehr motiviert und unterstützt haben, als ich mir das je erträumt hatte", sagte er. Zur Tatsache, dass nur 13 Tage nach der aufsehenerregenden Ankündigung die Notbremse gezogen wurde, meinte Schumacher: "Es hat sich ja keiner ausgesucht, dass Felipe diesen Unfall in Budapest hat. Es war ja nichts geplant. Ich war dann bereit, diesen Hilfedienst zu leisten."

Notprogramm

Die Zeit, die man zur Verfügung gehabt habe, sei eingeschränkt gewesen. Peil hatte von Beginn an von einem Notprogramm gesprochen. "Insofern gab es keine bessere Vorbereitung als die, die wir jetzt gemacht haben", meinte Schumacher, der sich zu Hause in der Schweiz sowie mit dem Test in einem alten Formel-1-Wagen in Mugello und Runden im Kart auf eine Rückkehr nach fast drei Jahren vorbereitet hatte. Vier Kilo speckte er dabei ab. Es nützte (vorerst) nichts. Ob er mit nach Valencia reist, wo am 23. August Luca Badoer den verunglückten Felipe Massa ersetzen wird, ließ Schumacher offen.

Peil erklärte, dass die geborstene feine Struktur im Bereich der Schädelbasis noch das Problem der Belastbarkeit darstelle. Peil hofft, dass nach Wochen eine weitere Verbesserung der Belastbarkeit erreicht wird. "Die Entscheidung, ob dann eine weiterer Versuch zum Fahren in der Formel 1 unternommen wird, liegt allein bei Michael. Wenn die Behandlungserfolge so weitergehen, dass auch die letzte Sache noch ausheilt, ist aus ärztlicher Sicht nicht auszuschließen, dass er wieder in einem Formel-1-Auto fahren kann", sagte er.

Das dürfte sich vor allem Ferrari-Präsident di Montezemolo, der Schumacher von seinem eigentlichen Nein abgehalten hatte, sicher wünschen. "Wenn alles gut gelaufen wäre, hätte ich Michael auch gerne für 2010 in einem dritten Auto bei Ferrari gehabt", sagte der Italiener in einem Interview mit der Zeitung "La Stampa" (Mittwoch). Allein das Vorhaben, in die Rote Göttin zurückzukehren, veranlasste indes die "Gazzetta dello Sport" zu einer Lob- und Dankesschrift für Schumacher: "Der Mut, aufzugeben, Nein zu sagen, zeugt von Weisheit und Einsicht. Seine Vollbremsung ist ein Zeichen von Reife", schrieb das Ball und meinte: "Schumi - Trotzdem Grazie." (APA/dpa)

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    Michael Schumacher muss auf sein Comeback verzichten.

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