Europa auf dem Weg zum Einheitswald

12. August 2009, 18:09
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Zusammensetzung der Pflanzenarten gleicht sich immer mehr an - Forscher sehen Hauptursache in Nährstoffanreicherung durch Düngemittel

Wallingford/Eberswalde - Die Zusammensetzung der Pflanzenarten in unterschiedlichen Wäldern gleicht sich immer mehr an. Britische Ökologen nahmen Wälder, deren Baumbestand bereits vor 70 Jahren untersucht wurde, erneut unter die Lupe und konnten durch den Vergleich zeigen, inwiefern Änderungen stattgefunden haben.

Wenngleich die Zahl der unterschiedlichen Pflanzen gleich geblieben ist, unterscheiden sich die vertretenen Arten immer weniger voneinander. Die Ergebnisse, die die Fortscher im Wissenschaftsmagazin Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht haben, erweitern das Verständnis dafür, welche Vorgänge die natürliche Pflanzenwelt beeinträchtigen.

Falsche Umweltentscheidungen

Die zunehmende Ähnlichkeit der Pflanzen-Zusammensetzung wird als biotische Homogenisierung bezeichnet. Die Forscher sehen diese Entwicklung, die zum Verlust der Artenvielfalt beiträgt, als Folge von falschen Umweltentscheidungen der Vergangenheit. "Die Luftverschmutzung und Fehler im Waldmanagement sind die größten Verursacher, weshalb die Rückführung der Wälder in einen früheren Zustand hier ansetzen muss", betont Studienautor James Bullock vom Centre of Ecology and Hydrology.

Der Waldboden sei heute weitaus nährstoffreicher als 1930, was auf den Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft zurückzuführen sei. Die Forscher konnten auch das Eindringen invasiver Pflanzen dokumentieren, wenngleich diesen nur ein geringer Einfluss auf die Homogenisierung zugestanden wird.

Mehr Stickstoff

"Die Homogenisierung der Wälder geht in Mitteleuropa besonders auf die zunehmenden Stickstoff-Einträge zurück", betont auch Andreas Bolte, Leiter des Instituts für Waldökologie und Waldinventuren am Thünen-Institut (vTI). Der in der Landwirtschaft kaum verzichtbare Stickstoff gelange zusammen mit Abgasen aus der Industrie- und dem Verkehr über die Luft in die Wälder und sorge dort für ein Verschwinden der stickstoffarmen Standorte und deren Vegetation.

"Der Wacholderstrauch ist davon ebenso betroffen wie Heiden und nährstoffarme Moore, deren Torfschicht sich bei übermäßig viel Stickstoff zersetzt. Bekommen wir das Problem dieser Stickstoff-Überdüngung nicht in den Griff, setzt sich der Trend fort, dass Allerweltsarten überhand nehmen und Arten nährstoffarmer Standorte verschwinden", so Bolte. Solche Pflanzen seien besonders häufig auf den sogenannten "Roten Listen" der Pflanzen zu finden, die vom Aussterben bedroht sind. (red/pte)

  • Mehr Stickstoff im Waldboden durch landwirtschaftliche Düngung: Die Zusammensetzung der Pflanzenarten in unterschiedlichen Wäldern gleicht sich immer mehr an.
    foto: standard/newald

    Mehr Stickstoff im Waldboden durch landwirtschaftliche Düngung: Die Zusammensetzung der Pflanzenarten in unterschiedlichen Wäldern gleicht sich immer mehr an.

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