Blinde Passagiere bedrohen Galapagos Vogelwelt

12. August 2009, 18:15
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Per Touristenflieger eingeschleppte Mückenart überträgt gefährliche Vogelkrankheiten

Galapagos - Blinde Passagiere, die heimlich mit Touristenflügen die Inselgruppe Galapagos erreichen, könnten für die dortige Artenvielfalt eine ernsthafte Bedrohung werden. Englische und ecuadorianische Forscher warnen in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B davor, dass die eingeschleppte Mückenart Culex quinquefasciatus ein berüchtigter Verbreiter von Vogelkrankheiten ist.

Da die in den Laderäumen der Jets mitreisenden Mücken sich auf der Insel behaupten können und die dortige Tierwelt dem Krankheitserreger nicht gewachsen ist, könnten mehrere Vogelarten für immer von Galapagos verschwinden. Gegenmaßnahmen seinen deshalb dringend notwendig, so die Wissenschaftler.

Die zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln im Pazifik sind Teil des UN-Weltkulturerbes. Ihre entlegene Lage verschonte sie weitgehend von der globalen Umweltzerstörung, was das Überleben von 95 Prozent der ursprünglichen Arten ermöglichte. In den letzten Jahren entwickelte sich das Archipel zum Touristenmagnet und bildet dadurch eine lukrative Einnahmequelle für das Mutterland Ecuador.

Ungewollte Begleiterscheinungen dieser Entwicklung bedrohen jedoch die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Dazu gehören der steigende Schiffs- und Flugverkehr, die Zunahme an Müll sowie unberechenbare Faktoren wie die Einschleppung von Haustieren durch die arbeitende Bevölkerung. Auch die Mitnahme von Mücken, die Schildkröten und Leguane befallen, hat man bisher als Problem erkannt.

Vogelmalaria, Vogelpocken und West-Nil-Virus

Diesmal untersuchten die Forscher das Vorkommen einer Mückenart, die der wichtigste Überträger der Vogelmalaria, Vogelpocken und West-Nil-Virus ist. Im späten 19. Jahrhundert hatte ihre Einschleppung nach Hawaii für das Aussterben von 23 von 42 Türkis-Vogelarten gesorgt. Zunächst nahmen die Forscher auf ihrer Suche systematisch Laderäume der nach Galapagos abfliegenden Flugzeuge unter die Lupe. So kamen sie zu einer Einschätzung, wie viele der Insekten auf diesem Weg die Inselgruppe erreichen.

Anschließend führten sie bei Moskito-Populationen der Insel Gentests durch, um Einblick in die Überlebensrate und Verbreitung der Mücke zu bekommen. "Gewöhnlich bringt jedes Flugzeug nur wenige Mücken mit, doch aufgrund der großen Anzahl an Flügen reicht diese Zahl aus, um das Überleben und die Vermehrung der Mücken zu garantieren, sobald sie den Flieger verlassen", berichtet Studienleiter Arnaud Bataille.

Problemlose Integration schafft Probleme

Sobald die Mücken die Inselgruppe erreichen, integrieren sie sich problemlos in bestehende Populationen anderer Insekten und pflanzen sich fort. Bootsfahrten der Touristen sorgen dafür, dass die Tiere auf die verschiedenen Inseln des Archipels verteilt werden. "Kaum jemand, der Galapagos besucht, denkt daran, dass er damit das Risiko einer ökologischen Katastrophe erhöht", sagt Simon Goodman, einer der Autoren der Studie.

Die ecuadorianische Regierung bestimmte kürzlich, dass alle die Insel ansteuernden Flugzeuge mit Insektiziden behandelt werden müssen. "Dass das auch den gewünschten Effekt bringt, ist bisher nicht nachgewiesen. Außerdem müssen ähnliche Maßnahmen auch für Schiffe eingeführt werden", fordert Goodman. Von der Durchsetzung der bereits bestehenden strengen Schutzbestimmungen hänge die Zukunft des Naturparadieses ab, denn der rapide Anstieg des Tourismus sei kaum aufzuhalten. (red/pte)

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