Schlechter Umgang wirft kein gutes Licht

12. August 2009, 15:24
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Kontakt mit Ex-Dealer bescherte USC-Graz-Trainerin Ingrid Flöck OSV-Sperre - Kanadier war bei WM in Rom anwesend

Wien - Die österreichische Schwimm-Szene befindet sich derzeit fast kollektiv im Urlaub, doch die Wogen gehen dennoch hoch. Auslöser ist der Kanadier Cecil Russell, dessen Anwesenheit nicht nur bei den Staatsmeisterschaften in der vergangenen Woche in St. Pölten für Aufregung gesorgt hat. Der heute 56-Jährige war u.a. in den Neunzigern führendes Mitglied eines internationalen Stereoid-Verteilerrings und wurde in Kanada als Schwimm-Coach lebenslang gesperrt.

Diese Sperre wurde erst am Montag bestätigt. Wegen Drogenhandels war Russell im Juni 2000 in Spanien als ebenfalls wichtiger Mann eines Ecstasy-Rings ins Gefängnis gekommen, verbrachte 27 Monate seiner Haftstrafe in Spanien, den Rest in den USA. Zudem hat Russell 2006 gestanden, einem Komplizen im Doping-Verteilerring geholfen zu haben, eine Leiche in einem Kornsilo zu verbrennen.

Begleiter von Ingrid Flöck

Bei den Weltmeisterschaften in Rom tauchte Russell vor knapp drei Wochen im österreichischen Team-Hotel Parco Tirreno als Begleiter der USC-Graz-Trainerin Ingrid Flöck auf. Die Betreuerin der WM-Athleten Martin Spitzer und Erwin Dokter hatte den Nordamerikaner in ihrem Einzelzimmer untergebracht. Die auf eigene Kosten zur WM gereiste Steirerin hatte beim OSV ein Doppelzimmer beantragt, dies wurde von OSV-Sportkoordinator Moschos Tavlas nicht genehmigt.

Die ebenfalls im Parco Tirreno abgestiegene kanadische Mannschaft - in der Russells Kinder Colin und Sinead Mitglieder waren - machte Tavlas auf Russells Anwesenheit und dessen Vorgeschichte aufmerksam, Tavlas hatte Russell nicht gekannt. "Ich habe Ingrid gesagt, dass er in zwei Stunden aus dem Hotel verschwinden muss", meinte Tavlas. Das passierte auch, andernfalls hätte der OSV Flöck die WM-Akkreditierung entzogen.

In St. Pölten wieder aufgetaucht

"Damit war die Sache damals für mich erledigt", sagte Tavlas. Der Grieche kündigte Flöck freilich noch in der italienischen Hauptstadt an, dass der OSV sie als Trainerin nicht mehr entsenden werde. Tavlas: "Zumindest nicht, solange es über meine Kompetenz geht." Der Fall eskalierte allerdings erst richtig, als Russell nur wenige Tage nach der Rückkehr aus Rom bei den Titelkämpfen in St. Pölten am Beckenrand auftauchte.

"Dort war er nur als Privatperson, er hat nicht gecoacht. Meine Beziehung zu ihm ist Privatsache und hat mit seiner Vergangenheit nichts zu tun", versicherte Flöck. "Am Beckenrand hält sich bei Meisterschaften auch die Verwandtschaft der Schwimmer auf." Verschiedene Seiten beobachteten, dass Russell bei den Meisterschaften sozusagen die Nachbesprechung mit Flöcks Athleten durchführte, die Trainerin selbst den eher passiven Teil dabei ausgefüllt hat.

Auch Kinder betreut

Auch ist man der Meinung, dass die kriminelle Vergangenheit Russells im Umgang mit österreichischen Schwimmern sehr wohl eine Rolle spielt und auch kein gutes Licht auf den österreichischen Schwimmsport trifft. Daher die "Sperre" Flöcks, der sich der steirische Landesverband am Dienstagabend in einer Sitzung in Beisein der in Tränen aufgelösten Flöck angeschlossen hat. "Wir stehen da hinter dem OSV", versicherte Landesverbandspräsident Peter Putzgruber.

Der auch als einer von drei OSV-Vizepräsidenten fungierende Putzgruber erinnert sich, dass Russell schon im September 2008 bei einem Trainingskurs in die Betreuung von Kindern involviert war, er ihn damals aber nicht näher kannte. Russell künftig von solchem Coaching abzuhalten, ist das Ziel des OSV und des steirischen Verbandes. Die rechtliche Rechtmäßigkeit dessen gilt es aber ebenso noch zu klären wie im Fall der Entsendungs-Sperre von Flöck.

Flöck will Rechtsanwalt betrauen

Die 38-Jährige will auch ihren Rechtsanwalt mit der Angelegenheit betrauen. "Ich habe vom OSV keine schriftliche Information darüber erhalten, nur mündlich", erklärte die ehemalige Rückenschwimmerin. Ihr Anwalt kommt erst am Dienstag aus dem Urlaub, Flöck selbst will den ihren am Montag antreten. In St. Pölten sei Russell überhaupt nur dabei gewesen, da die geplant gewesene Reise zum gleichzeitig stattgefundenen Kurzbahn-GP in Leeds zu kostspielig gewesen sei.

Dort waren Russells beide Kinder im Einsatz, u.a. war der 25-jährige Colin Startschwimmer der in Weltrekordzeit siegenden Kanada-Staffel über 4 x 200 m Kraul. Die 16-jährige Sinead war übrigens bei den Weltmeisterschaften 24. über 100 m Rücken und 39. im Rücken-Sprint geworden. Der Wunsch nach der Nähe zu seinen beiden Kindern sei laut Flöck auch der Grund gewesen, warum Russell senior - letztlich nur - eine Nacht im WM-OSV-Teamhotel verbracht hatte.

Flöck legt Wert darauf, dass Russell nie in das Vereinstraining beim USC Graz eingegriffen habe. Dokter bestätigte zwar Russells zeitweise Anwesenheit beim Training, gecoacht hätte dieser aber nicht. Über Russells Vorgeschichte hatte der derzeit seine bei der WM erlittene Fußverletzung auskurierende Kärntner bis Mittwoch nichts gewusst.(APA)

 

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