Ölz setzt auf Bodenhaltung

12. August 2009, 17:29
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Bäcker Bernhard Ölz über glückliche Hühner, teure Rohstoffe und neue Absatzmärkte

Wien - Als kleines Kind habe er mit Teig gespielt und mit neun Jahren gewusst, dass er seinem Vater ins Bäckereigeschäft nachfolgen werde, sagt Bernhard Ölz. Heute führt der 39-Jährige Vorarlberger mit gut 800 Mitarbeitern Österreichs größten Backwarenhersteller: Mehr als die Hälfte des Kuchengeschäfts der Handelsketten ist in seiner Hand. Im Vorjahr hat sein Vater ihm und seinen zwei Brüdern die gesamten Unternehmensanteile vermacht.
Ölz junior tritt selten vor die Medien. Dass er es dann doch tut, liegt an den Eiern. Diese kommen nämlich für seine Backwaren ab sofort nur mehr aus österreichischer Bodenhaltung, versichert er.

Es gehe dabei um immerhin 30 Mio. Stück im Jahr. In Industrie und Gastronomie überwiegen nach wie vor billige ausländische Eier, gelegt in Käfige und Legebatterien, was in Ös-_terreich seit heuer verboten ist. Ersichtlich ist der Import für Konsumenten nicht. Die Umstellung koste ihm eine Mio. Euro im Jahr, rechnet Ölz vor. Letztlich könne man sich aber nur durch höherer Qualität und Transparenz behaupten. Ziel sei daher auch, den Anteil an Transfettsäuren in den Backwaren auf unter ein Prozent zu drücken.

Keine Krise

Die Wirtschaftskrise sei an seinem Betrieb bislang spurlos vorüber gegangen, sagt er. Die Nachfrage sei stabil, sein Umsatz sei im ersten Halbjahr durch neues Geschäft und stärkeren Export um mehr als neun Prozent gestiegen. 34 Prozent seiner Back- und Konditoreiwaren gehen mittlerweile ins Ausland, in die Schweiz und nach Frankreich ebenso wie nach Deutschland, Slowenien, Bulgarien. Abnehmer sind ausschließlich Lebensmittelketten - Diskonter sind laut Ölz keine darunter. Geliefert wird auf Kommission: Was in Handelsregalen übrig bleibt, muss er zurück nehmen.
Groß verdient habe sein Betrieb nie, sagt der gelernte Konditor- und Bäckermeister. Doch die Gewinne seien nie abgeschöpft worden, und man sei solid aufgestellt. 2008 stieg der Umsatz um 15 Prozent auf rund 162 Mio. Euro, zur Hälfte waren höhere Preise dafür verantwortlich. Wie es mit den Rohstoffkosten weitergehe, werde sich im Herbst weisen. Eier, Butter und Fette seien jedenfalls teuer, der Zuckerpreis so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.8.2009)

 

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    Jährlich werden in Österreich rund zwei Milliarden Eier konsumiert.

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