Streit um Gehalt von Innsbrucker Uni-Rektorstellvertreter

24. August 2009, 09:50
13 Postings

Auf Offenlegung geklagt, weil Einigung gescheitert ist

Innsbruck - Der Streit um die Einkünfte des Rektorstellvertreters der Innsbrucker Medizin-Uni, Univ.-Prof. Manfred Dierich geht weiter. Nach Angaben vom Mittwoch brachte auf Initiative des Universitätsrates die Medizinische Universität Innsbruck (MUI) eine Zivilklage gegen Dierich ein. Der Direktor Departments für Hygiene, Mikrobiologie und Sozialmedizin der MUI (vormals Hygiene-Institut der Universität Innsbruck) solle sämtliche wirtschaftliche Tätigkeiten offenlegen und erzielte Gewinne an die Uni abführen.

"Alle Versuche einer gütlichen Einigung sind gescheitert. Im Interesse der MUI ist nun der Rechtsweg unumgänglich", wurde Univ.-Prof. Richard Soyer, Mitglied des Universitätsrates, zitiert. Eingeklagt wurde in einer sogenannten Stufenklage die Offenlegung sämtlicher wirtschaftlicher Aktivitäten, die Dierich von 2002 bis 2007 unter Heranziehung von Universitätsressourcen betrieben habe, vor allem die von Dierich für Routineuntersuchungen erwirtschafteten Honorare, und weiters die Herausgabe der hierdurch erzielten Gewinne an die MUI.

In mehreren Funktionen gleichzeitig tätig

Den wirtschaftlichen Ertrag aus diesen unternehmerischen Tätigkeiten - ist der Universitätsrat gestützt auf Rechtsgutachten überzeugt - hätte ab 2002 nämlich zur Gänze das Hygieneinstitut und ab 2004 die MUI lukrieren müssen, und nicht Dierich persönlich, wie es aber zumindest teilweise der Fall gewesen sei. Möglich geworden sei die - vom Rechnungshof und mehreren Gutachtern massiv beanstandete - Praxis vor allem dadurch, dass Dierich in mehreren Funktionen gleichzeitig tätig gewesen und keiner effektiven Kontrolle unterlegen gewesen sei.

Aufgrund seiner Mehrfachfunktionen habe er offenbar wiederholt In-Sich-Geschäfte getätigt und sei dabei unvermeidlich in Interessenkollisionen zwischen seinen wirtschaftlichen Eigeninteressen und den Interessen der von ihm vertretenen Institutionen gekommen. Bis 2002 sei Dierich nicht nur Vorstand des Hygiene-Instituts der Universität Innsbruck, sondern auch Leiter der damaligen Bundesstaatlichen bakteriologisch-serologischen Untersuchungsanstalt Innsbruck (BBSUA-Ibk) gewesen. Diese habe, wie auch die anderen fünf organisatorisch zum Gesundheitsministerium zählenden Anstalten, nicht nur öffentliche Aufgaben im Rahmen der Gesundheitsvorsorge zu erfüllen, sondern sei "auch höchst erfolgreich auf privatwirtschaftlichem Gebiet tätig".

Erst seit 2008 gebe es eine Vereinbarung zwischen MUI und Dierich, wonach der mit dem Unternehmen erzielte Gewinn in einem bestimmten Verhältnis zu teilen sei. Angesichts eines Gewinnanteils von 25 Prozent für Dierich - zusätzlich zu einem namhaften Fixbetrag - habe der Universitätsrat diese Vereinbarung aber ausgesetzt, hieß es. (APA)

  • Gegen Manfred Dierich wurde eine Zivilklage eingereicht.
    credit: medizin uni innsbruck

    Gegen Manfred Dierich wurde eine Zivilklage eingereicht.

Share if you care.