Fiat Bravo 1,6 Multijet PUR-O2: Bravo, Fiat!

12. August 2009, 16:39
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Fiat besinnt sich der alten Qualitäten des italienischen Autobaus und verknüpft sie mit neu gewonnener Sparsamkeit

Wie schön, ein Fiat soll das nächste Fahrzeug in der Redaktion sein. Da schlägt unser italophiles Herz gleich ein bisschen höher. Schließlich verbinden wir mit diesem Markennamen lange und ereignisreiche Aufenthalte im geliebten Urlaubsland Italien, bei denen uns ein Panda (erste Serie! Vergasermotor! Beige mit braunen Zierstreifen!) als treuer Begleiter diente. Das ist lange her, denken wir ein wenig wehmütig. Und inzwischen sind nicht nur die Jahre vergangen, sondern auch unsere Ansprüche gestiegen. Das merken wir spätestens dann, als wir den Modellnamen des Testwagens vernehmen: Bravo. Vor unserem inneren Auge entsteht das Bild eines erstaunlich unschönen Autos aus den 1990er Jahren, das mit verkniffenem Blick missmutig in die Welt blickte. Schlimmer war da nur die fünftürige Schwesterversion Brava, die das gleiche G'schau mit einem ebenso eigenwilligen Heck kombinierte. Vielleicht erinnern Sie sich ja noch an die drei separaten, übereinander liegenden Glasstreifen, aus denen die Heckleuchten bestanden.

Alter Name, neuer Look

Ganz anders tritt hingegen jenes Fahrzeug auf, das heute unter der Modellbezeichnung Bravo angeboten wird. Dieses Fahrzeug ist aus allen Blickwinkeln schön - falls es eine allgemein gültige Schönheit überhaupt gibt. Die Formen sind ausgewogen, das Frontdesign einfach und gerade deshalb unglaublich attraktiv. Der Kühlergrill mit dem wiederbelebten alten Fiat-Logo und die grazilen Leichtmetallfelgen verleihen ihm eine unaufdringliche sportliche Note, die gut mit dem grundlegenden Charaktermerkmal dieses Modells harmoniert: Eleganz, die bei der strömungsgünstigen Front beginnt, den Bravo entlang der aufsteigenden Gürtellinie begleitet und im fein gezeichneten Stummelheck endet, das in Ansätzen an jenes des Alfa Romeo MiTo erinnert.

Obwohl "endet" hier das falsche Wort ist, denn hat man einmal an den verchromten Türgriffen gezogen und einen Blick in den Innenraum geworfen, findet man dort das entsprechende Gegenstück zum äußeren Eindruck: Schwarzes Leder auf Sitzen und Türverkleidungen und ein Armaturenbrett in Carbon-Optik lassen auf den Vertreter einer deutlich höheren Fahrzeugklasse schließen. Ungemein attraktiv sind auch die Rundinstrumente, die mit ihrer klaren Unterteilung und den Chromhutzen für ein willkommenes Retro-Feeling sorgen. Wobei ein Tachometer, dessen Anzeige bis 260 km/h reicht ein wenig übertrieben scheint. 

Viel Platz und Freiheit

Man sitzt gut im Fiat Bravo, auch die Fondpassagiere finden eine Bewegungs- und Kniefreiheit vor, die dem Klassendurchschnitt entspricht. Dem gelungenen Außendesign muss man durch eine etwas eingeschränkte Sicht nach seitlich hinten Tribut zollen, was man allerdings gerne in Kauf nimmt, um dafür in einem optisch attraktiven Auto zu sitzen. Abhilfe schaffen, wie bei unserem Exemplar, die optional erhältlichen Rückfahrsensoren. Das Kofferraumvolumen liegt mit 400 Litern (bei umgeklappter Rücksitzlehne 1.175 Liter) hingegen sogar über dem Durchschnitt. Nicht wirklich durchdacht ist nur, dass die Heckklappe per Fernbedienung zwar aufspringt, dann jedoch am unteren Blechfalz nach oben gezogen werden muss - das ist im Sommer zwar ohne unangenehme Folgen, sorgt allerdings im Winter bei schneematschverschmiertem Auto für schmutzige Finger.

Beim eleganten Äußeren des Fiat Bravo ist es dann umso erstaunlicher, wie lautstark der 1,6 Liter-Vierzylindermotor mit seinem rauen Klang darauf aufmerksam macht, dass es sich bei ihm um ein grundehrliches Selbstzünderaggregat handelt. Was ja definitiv keine Schande ist, nur muss man ja nicht so viel Wind um die Sache machen. Hauptsache, das Triebwerk ist sparsam und sauber. Und tatsächlich - das sind genau die Eigenschaften, die den 1,6 Liter Multijet-Motor auszeichnen. Da verschmerzt man die etwas lauteren Motorgeräusche gerne. An die Werksangabe von durchschnittlich 4,5 l/100 km (119 g/km CO2) kamen wir zwar nicht ganz heran, doch die von uns erreichten 4,8 l/100 km im gemischten Betrieb sind für ein Fahrzeug dieser Größe ein noch immer sehr respektabler und im Alltag auch realisierbarer Wert. 

Intelligente Unterstützung

Zur Unterstützung des Fahrers verlässt sich Fiat nämlich nicht auf eine einfache Gangempfehlung, sondern hat ein innovatives Telematiksystem unter der Bezeichnung "eco:Drive" entwickelt. 

Auf einem USB-Stick werden sämtliche Daten und Informationen über das Fahrverhalten und dessen Effizienz aufgezeichnet, die dann auf einem PC ausgewertet und analysiert werden können. Der User erhält dann nicht nur Angaben über Verbrauch und Schadstoffausstoß der einzelnen Fahrten, sondern auch Tipps, wie diese noch weiter reduziert werden können. Eine Einsparung bis zu 15 Prozent soll laut Fiat möglich sein.

Um auf die vorbildlichen Verbrauchswerte zu kommen, wurde der Fiat Bravo in der von uns gefahrenen PUR-O2-Ausführung mit einigen effizienzsteigernden Maßnahmen versehen, darunter eine optimierte Motorsteuerung, Reifen mit geringem Rollwiderstand, die Verwendung von Leichtlauföl sowie ein länger übersetztes Getriebe.

Natürlich ist vor allem letzteres effektiv, das zeigt ja auch der von uns erzielte Durchschnittsverbrauch - allerdings ist insbesondere die oberste Fahrstufe des Sechsganggetriebes so lang übersetzt, dass man auf sie im Stadtverkehr fast verzichten muss.

Zwar kann man bei niedrigsten Drehzahlen dahin rollen, doch wenn man unter 1.500 U/min beschleunigen will, quittiert das der Motor durch sanfte Behäbigkeit. Das ist, als ob man ihn erst aus dem Tiefschlaf wecken und zur Räson rufen müsste. Er beklagt sich zwar nicht, muss allerdings zuerst einmal gähnen, sich ein wenig strecken und seine 105 PS zusammen sammeln, bis er arbeitsfähig ist. Ab der 1.500 U/min-Marke ist er dann hellwach und dreht munter weiter. Im Grunde fühlt sich dieser Motor in Sachen Leistungscharakteristik an, als wäre er lieber ein Benziner, bietet ganz unten wenig und legt ab einer gewissen Drehzahl eine unerwartete Lebendigkeit an den Tag.

Sportlich ohne zu rütteln

Diese Lebendigkeit im oberen Drehzahlbereich passt auch gut zum sportlich ausgelegten Fahrwerk, das straff und dennoch komfortabel ist, dem Fahrer bei einer engagierten Fahrweise unterstützt und dabei die Passagiere nicht durchrüttelt. Gute Bremsen und die sehr präzise elektrische Servolenkung runden das feine Fahrwerkspaket ab, das mit dem serienmäßigen ESP überdies über ein eingebautes Sicherheitsnetz verfügt.

Lieferbar ist der 105 PS starke Fiat Bravo PUR-O2 ausschließlich in der gehobenen "Emotion"-Ausstattung, die eine ganze Reihe an Features umfasst. Das beginnt bei den bereits erwähnten verchromten Türgriffen und Seitenfensterrahmen und geht über eine umfangreiche Airbag-Ausstattung, Nebelscheinwerfer mit sogenannter "Cornering"-Funktion, einer Mittelarmlehne vorne mit gekühltem Staufach und der Zweizonen-Klimaautomatik bis zur Radiofernbedienung am Lenkrad. Dazu kamen bei unserem Testfahrzeug unter anderem die Lederpolsterung zum Preis von 1.100,- Euro netto, die 16 Zollfelgen im 20 Speichendesign (480,- Euro) und die Rückfahrsensoren (250,- Euro).

Fiat hat gut daran getan, den Bravo wieder "italienischer" zu machen. Das Design außen und innen entspricht genau dem, was man sich von einem Fahrzeug mit dieser Herkunft erwartet, das Fahrwerk ist straff und sportlich und erfüllt damit wahrscheinlich genau jenen Erwartungen, die Fiat-Käufer an ein Auto stellen. Der Motor mag zwar etwas laut sein, bietet allerdings einen guten Kompromiss zwischen Sparsamkeit und Lebendigkeit. 22.700,- Euro (inkl. NoVA und MwSt.) beträgt der Einstandspreis für den Fiat Bravo 1,6 Multijet 105 Emotion PUR-O2 für ein Auto, an dessen Design man sich wahrscheinlich längere Zeit nicht satt sehen kann und das mit seinen niedrigen Verbrauchs- und Emissionswerten ganz in unsere Zeit passt. (saubereAutos.at)

Die inhaltliche Verantwortung liegt beim Autor. Zur Verfügung gestellt von saubereAutos.at.

  • Der neue Bravo hat mit seinem Vorgänger aus den 1990-er Jahren nur noch den Namen gemein.
    foto: saubereautos.at

    Der neue Bravo hat mit seinem Vorgänger aus den 1990-er Jahren nur noch den Namen gemein.

  • Ein Design, an dem man sicher vermutlich länger nicht satt sieht.
    foto: saubereautos.at

    Ein Design, an dem man sicher vermutlich länger nicht satt sieht.

  • Das Fahrwerk ist sportlich, der Motor im oberen Drehzahlbereich lebendig.
    foto: saubereautos.at

    Das Fahrwerk ist sportlich, der Motor im oberen Drehzahlbereich lebendig.

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