Ein "Schaeffler" wird Conti-Boss

12. August 2009, 17:49
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Der Aufsichtsrat des Autozulieferers will den monatelangen Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler beenden

Hannover - Monatelang tobte der Machtkampf zwischen dem Reifenhersteller Continental und dem von der Österreicherin Maria-Elisabeth Schaeffler geführten Autozulieferer Schaeffler, nun ist er entschieden und beide Seiten mussten Federn lassen. Fazit der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch: Der bisherige Conti-Chef Karl-Thomas Neumann scheidet sofort (und nach nur einem Jahr an der Spitze) aus dem Unternehmen aus. Der Abgang wird ihm mit einer Abfindung in Höhe von 7,4 Millionen Euro versüßt. Um diese zu finanzieren, greift Magnatin Schaeffler auch in die eigene Tasche.
Neumanns Nachfolger wird der 50-jährige Elmar Degenhardt, der bisher für die Schaeffler-Gruppe (Autosparte) tätig war. Im Gegenzug verzichtet der Vorsitzende des Aufsichtsrats Rolf Koerfer auf seinen Posten als Aufsichtsratschef, denn er ist ein „Schaeffler-Mann". Sein Nachfolger soll von außen kommen, um weitere Streitigkeiten zwischen den beiden Unternehmen zu vermeiden. Das gleiche gilt für den Posten des Finanzchefs. Auch hier will man einen "Unbelasteten", der bisher weder für Schaeffler noch für Conti gearbeitet hat, holen.

Kapitalerhöhung geplant

Nun sei der "Weg frei für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit beider Unternehmen im Interesse der Kunden", teilte Schaeffler nach der Aufsichtsratssitzung mit. Der fränkische Familienbetrieb hatte sich bei der Übernahme der drei Mal so großen, börsennotierten Aktiengesellschaft Continental aus Hannover schwer verschuldet, auch Conti ist in den Miesen.
Die Schaeffler-Gruppe ist im Besitz von knapp 50 Prozent der Conti-Aktien und hat weitere 40 Prozent bei Banken geparkt. Beide Firmen sind derzeit mit insgesamt 21 Milliarden Euro verschuldet. Grünes Licht für eine Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro hat der Aufsichtsrat schon Ende Juli gegeben. Dies hatte noch der damals schon schwer angeschlagene Conti-Chef Neumann durchgesetzt. Laut der Tageszeitung Welt geht es nun nicht mehr um das "Ob", sondern nur noch um die Frage: "Wann und wie?" Im Gespräch sollen zwei Varianten sein: Eine große Kapitalerhöhung, wenn beide Unternehmen endgültig fusioniert haben. Als weniger wahrscheinlich wird die zweite Möglichkeit angesehen:Zunächst eine Kapitalerhöhung für Conti, dann eine weitere nach der Fusion.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Dass es mit der Zusammenlegung nun sehr rasch geht, glaubt Werner Bischoff, stellvertretender Conti-Aufsichtsratschef und Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE), nicht: "Eine Fusion ist sicher nicht in zehn bis zwölf Monaten zu erwarten." Er mahnt die beiden Unternehmen: "Wir erwarten, dass künftig in den Entscheidungsgremien wieder vertrauensvoll zusammen gearbeitet wird. Die Zeit der Zerstrittenheit hat dem Unternehmen nicht gut getan." (bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.8.2009)

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