Womöglich Zufallsopfer eines Attentats auf Ehemann

12. August 2009, 13:11
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Eine Möglichkeit, die das Ermittlungskomitee in Betracht zieht - Russlands Menschenrechtsbeauftragter Lukin ersucht Medwedew um Treffen mit Bürgerrechtlern

Moskau - Die tschetschenische Menschenrechtlerin Sarema Sadulajewa (32), die am Dienstag in Grosny erschossen wurde, war womöglich ein Zufallsopfer eines Attentats auf ihren Ehemann Alik Dschabrailow (33). Das teilte das Ermittlungskomitee der russischen Staatsanwaltschaft am Mittwoch laut der russischen Agentur RIA Novosti mit. Die Ermittler nähmen mehrere Motive unter die Lupe, schließen aber nicht aus, dass die Tötung Dschabrailows das primäre Ziel des Attentats gewesen sei. Unterdessen will Russlands Menschenrechtsbeauftragter Wladimir Lukin einen Brief an Präsident Dmitri Medwedew, mit der Bitte um ein Treffen mit führenden russischen Menschenrechtlern richten.

Mitglied einer bewaffneten Bande

Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow teilte mit, dass Sadulajewas Ehemann früher Mitglied einer bewaffneten Bande in Tschetschenien und möglicherweise in Ermordungen von Tschetschenen verwickelt gewesen sei. Er und seine Frau könnten deshalb aus Blutrache getötet worden sein, mutmaßte Kadyrow. Dschabrailow sei wegen Mitgliedschaft in Banden zu vier Jahren Haft verurteilt, jedoch vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden.

Sadulajewa, Leiterin der Nichtregierungsorganisation "Generation retten", und ihr Ehemann Dschabrailow waren am Montag in Tschetschenien entführt und am Dienstag in der Hauptstadt Grosny erschossen aufgefunden worden. Knapp einen Monat davor war in der Kaukasus-Republik die Bürgerrechtlerin Natalia Estemirowa gekidnappt und in Inguschetien erschossen entdeckt worden.

Treffen mit Medwedew

Aufgrund der Dichte der Morde an Bürgerrechtlern, wollen sich russische Menschenrechtler jetzt an Präsident Medwedew wenden. "Für uns Menschenrechtler wäre es überaus zweckmäßig, mit dem Präsidenten zusammenzutreffen", sagte Nikolai Swanidse, Mitglied der Gesellschaftskammer Russlands, am Mittwoch gegenüber RIA. Dieser Beschluss sei in einer Sitzung der Arbeitsgruppe für Vorbeugung von schweren Verbrechen gegen Leben, Würde und Freiheiten der Bürger im Nordkaukasus getroffen worden.

Dieser Gruppe gehören neben Lukin und Swanidse auch die Vorsitzende der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ludmila Alexejewa, und die Vorsitzende des Rates für Förderung der Institute der Zivilgesellschaft und der Menschenrechte beim Präsidenten Russlands, Ella Pamfilowa, an. An der Sitzung nahmen auch Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums Memorial teil, fügte Swanidse hinzu.

Sadulajewa und Dschabrailow, Mitglieder der nichtstaatlichen Organisation "Die Generation retten", "waren keine Bürgerrechtler, sie haben sich mit Wohltätigkeit beschäftigt, dennoch handelt es sich um einen Doppelmord an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens", so Swanidse. Nach seinen Worten hat sich bei den Ermittlungen des Mitte Juli begangenen Mordes an der Memorial-Aktivistin Estemirowa "bisher noch nichts getan", stellte er fest. (APA)

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