Bürgerwachten bekämpfen Verbrechen via Web 2.0

12. August 2009, 09:44
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Twittern bei Gefahr - Privatpolizei-Initiativen in den USA auf 20.000 angestiegen

In den USA bilden sich mehr und mehr Nachbarschaftsgemeinschaften, die sich mithilfe von digitalen Kommunikationsmitteln wie E-Mail, Twitter oder Weblogs über potenzielle VerbrecherInnen in ihrer Gegend austauschen. Sobald die Hobby-DetektivInnen eine kriminelle Aktivität in der Nachbarschaft beobachten, werden die BewohnerInnen nebenan üblicherweise mit einer SMS oder einem Tweet vorgewarnt.

Twittern bei Gefahr

In Atlanta zwitscherte eine Teilnehmerin des Projekts "Safe Atlanta for Everyone" etwa eine Beschreibung einer verdächtigen Person mit: "Schwarz, männlich, dunkle Brillen, blaue Kappe, Baggy-Jeans, gelb-schwarze Regenjacke, 'falsche Adresse', nun in Nachbars Garten" und konnte ihre NachbarInnen so augenblicklich auf die potenzielle Bedrohung aufmerksam machen. Privatpolizeiliche Initiativen wie diese erleben derzeit in den USA, vor allem aufgrund von budgetbedingten Entlassungen und Beurlaubungen in den Strafverfolgungsbehörden, einen Aufschwung, berichtet die Huffington Post.

20.000 BürgerInnenwehren

Bei der National Sheriffs' Association sind bereits mehr als 20.000 solcher BürgerInnenwehren, sogenannte "Block Watch Groups", registriert. Vor vier Jahren waren erst 5.000 dieser Organisationen, die meist eng mit der örtlichen Polizei kooperieren und auch von ihr geschult werden, angemeldet.

Skepsis in Deutschland

In Deutschland halten sich solche Initiativen aber noch sehr in Grenzen. In Bezug auf Bürgerwachten gibt ein Sprecher des Bundeskriminalamt Wiesbaden (BKA) prinzipiell zu bedenken, "dass polizeiliche Aufgaben auch von der Polizei selbst wahrgenommen sollten." Die jeweiligen Polizeibehörden versuchen jedoch, die Zivilcourage innerhalb der Bevölkerung durch verschiedene Informationskampagnen zu stärken und sind Kooperationen mit Privatinitiativen nicht gänzlich abgeneigt.

"Pro Nachbar" in Speising

Im Wiener Stadtteil Speising erkundet zum Beispiel die Aktion "Pro Nachbar" die Nachbarschaft nach verdächtigen Personen und Aktivitäten. Laut Angaben des Gründers sei die Zahl der Einbrüche in der Gegend, nicht zuletzt durch die gesteigerte Wachsamkeit der BewohnerInnen, seitdem deutlich zurückgegangen. Der Informationsaustausch erfolgt bei wöchentlichen Treffen, an denen sowohl die Teilnehmer der Initiative als auch die Polizei teilnehmen, und über E-Mail.

Kommunikation als Erfolgsrezept

Auch in Deutschland sind bürgerwehrähnliche Organisationen eher rar gesät. Wahrscheinlich, weil die Polizei in der Bundesrepublik noch immer sehr großes Vertrauen genießt, berichtet Wolfgang Kahl von der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention. Straßenpatrouillen auf Eigeninitiative oder der gegenseitige Austausch über verdächtige Aktivitäten mithilfe von neuen Kommunikationstechnologien können durchaus einen Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung leisten, jedoch nur in enger Zusammenarbeit mit der Exekutive.

Zweigeteilt

"Ich bin in Bezug auf solche Initiativen zweigeteilter Meinung. Einerseits ist es für jedermann legitim, zu beobachten und verdächtige Situationen an die Behörden zu melden. Andererseits schießen manche dieser Hobby-Polizisten deutlich über das Ziel hinaus." Die Gefahren, die bei privaten Initiativen bestehen, sind, dass bestimmte Personen gezielt denunziert werden und die "Freizeitpolizisten" über ihre Befugnis hinweg handeln.(pte)

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    Vernetzte Bürgerwachten helfen bei Verbrechensbekämpfung.

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