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11. August 2009, 19:48
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Die ÖBB wiederholen die Ausschreibung für den neuen Wiener Hauptbahnhof - Sie soll klarer sein und die Interessen der Fahrgäste stärker berücksichtigen

Jüngste (leidvolle) Erfahrungen werden berücksichtigt.

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Wien - Die ÖBB wollen offenbar ein Desaster wie beim Bau des neuen Flughafen-Terminals Skylink vermeiden und haben sich kurzfristig für eine Neuausschreibung des Wiener Hauptbahnhofs entschieden. Betroffen davon ist der Bahnhof in Kombination mit dem Einkaufszentrum, aber auch die Garagen und die Gleisanlagen.

Die Gründe für diesen Schritt waren vielfältig: Zum einen war das vorliegende Angebot nicht befriedigend. Die Anbieter sagten auch, es sei zu kompliziert. Es ging aber auch um konzeptionelle Überlegungen: Der Bahnhof wurde als Immobilienprojekt entwickelt, wo dem Einkaufszentrum und den umliegenden Immobilien eine größere Bedeutung beigemessen wurde als dem Bahnhof selbst samt Personenverkehr. Das hänge auch damit zusammen, dass die ÖBB-interne Struktur hier offenbar Schwäche zeigte. Inzwischen sei mit dem neuen ÖBB-Gesetz eine bessere Struktur gegeben, die in der Neuausschreibung berücksichtigt werde.

Dazu kommen die jüngsten leidvollen Erfahrungen der Pendler mit enormen Verspätungen aufgrund zahlreicher ÖBB-Baustellen. Schließlich brachte ein Blitzschlag das totale Chaos.

Zur Erinnerung: Eine Baustelle zwischen dem Praterstern und der Station Traisengasse sorgte in der Kombination mit dem Stellwerk-Schaden für die massiven Verzögerungen. Die Pünktlichkeit sank auf 68 Prozent. Um Staus bei einem Nadelöhr zu vermeiden wurden zudem 60 Zugverbindungen gestrichen.

Ein Blitzschlag beschädigte das Werk in der Donaustadt Anfang Juli so stark, dass es abgetragen und neu errichtet werden muss. Schuld war vor allem ein Kupferdraht-Diebstahl: Kriminelle hatten die Erdungskabel beim Blitzableiter des Bahnhofs gestohlen. Die Reparatur wird noch Monate dauern, verschärft wird die Situation durch geplante Baustellen auf verschiedenen Strecken. Spätestens bis Mitte Dezember sollen alle S-Bahn-Züge wieder planmäßig verkehren.

Alles Erfahrungen, so heißt es, die in der Neuausschreibung berücksichtigt werden sollen. Und "es sollen die Fahrgäste und der Bahnhof wieder im Vordergrund der Planungen stehen und nicht das Immobiliengeschäft".

Schließlich kam man intern zum Schluss, dass eine Neuausschreibung "das geringere Übel ist". Am Fertigstellungsdatum soll sich trotz der Neuausschreibung nichts ändern, sagen die ÖBB. Der Vollbetrieb ist für 2015 geplant.

Indessen will der Präsident des Interessenverbands der Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger, bei der außerordentlichen Hauptversammlung am Flughafen am 20. August auch über eine Rechnungshof-Prüfung abstimmen lassen.

Hohe Kosten

Laut Rasinger hätte diese den Vorteil, dass sie - im Gegensatz zur Sonderprüfung, die bis zu fünf Mio. Euro verschlinge - keine externen Kosten verursache. Der RH habe erfahrene Experten für rechtliche (Vergaberecht), technische (Bauwesen) und organisatorische Probleme und er könne sofort tätig werden. "Es geht nicht nur darum, mögliche Verfehlungen der Vergangenheit aufzuzeigen, sondern Vorschläge für eine zügige und wirtschaftliche Abwicklung dieses Projektes zu erarbeiten und vorzulegen", so Rasinger.

Aufsichtsratsmitglieder wiederum betonten, dass am Flughafen etliche Fonds investiert seien, denen eine Beteiligung an einem von der öffentlichen Hand beherrschten Unternehmen untersagt sei. Diese Fonds würden nicht nur abziehen, sie würden auch den Flughafen klagen, weil der Gefahr bestünde, dass sie getäuscht worden wären. Skurril und ein weitere Beweis für die de-facto-Beherrschung des Flughafens sei es auch, den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Pröll-Intimus Johannes Coreth als Vertreter der Kleinaktionäre "umzuetikettieren". (Claudia Ruff, Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe, 12.8.2009)

  • Trotz Neuausschreibung wollen die ÖBB am geplanten Fertigstellungsdatum des Wiener Hauptbahn-hofes im Jahr 2015 festhalten.

    Trotz Neuausschreibung wollen die ÖBB am geplanten Fertigstellungsdatum des Wiener Hauptbahn-hofes im Jahr 2015 festhalten.

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