20 Helfer sterben bei Feuer in Grubenschacht

12. August 2009, 14:31
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Rettungsmannschaften, die zu einem Löscheinsatz in eine Grube in Handlova abgestiegen waren, wurden Opfer einer Explosion in einem Nebenschacht

Beim schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Slowakei sind am Montag in Handlova (Nordwestslowakei) vermutlich 20 Menschen getötet und neun verletzt worden. 19 Leichen konnten bisher geborgen werden.

Gegen 7 Uhr früh war in einem Schacht der Grube Feuer ausgebrochen. Mehrere Bergleute und Angehörige der firmeneigenen Rettungsmannschaft fuhren in mehr als 300 Meter Tiefe hinab, um den Brand zu bekämpfen. Rund zwei Stunden später kam es in einem aufgelassenen Nebenschacht in 330 Meter Tiefe zu einer Explosion. Neun weiter entfernte Bergleute wurden dadurch leicht verletzt. Die 20 zur Brandbekämpfung Angerückten befanden sich in unmittelbarer Nähe des Explosionsortes und hatten damit keine Überlebenschancen - diese Informationen wurden Dienstag vom slowakischen Wirtschaftsminister Lubomir Jahnátek bestätigt.

Insgesamt waren drei Bergungstrupps zwei Tage lang mit Rettungsmaßnahmen beschäftigt. Vorerst wurden sieben Menschen gefunden. Wegen der hohen Temperatur in 330 Metern Tiefe sei es laut Einsatzkräften aber sehr schwer, die übrigen Leichen zu bergen.

Das Unglück ereignete sich im Ostschacht der Grube. Dieser war eigentlich am 17. Juni geschlossen worden. Damals wurde der Kohleabbau eingestellt und nach und nach alle Stollen im Schacht geschlossen - sodass kein Sauerstoff zur Braunkohle gelangen konnte. Denn kommt nicht abgebaute Braunkohle in Kontakt mit Sauerstoff, werde das gefährliche und brennbare Methan abgelöst, sagen Experten. Das, so wird spekuliert, könnte auch der Grund der Explosion gewesen sein. Die Werksführung hat diese Erklärung allerdings offiziell dementiert. Sie spricht von einer "unbekannten Gasmischung" als Auslöser der Explosion. "In 99 Prozent der Grubenunfälle ist aber gerade dieser Kohlenwasserstoff schuld", sagt der Geologe Experte Jozef Vozár.

Die Verwandten der verunglückten Bergmänner stehen unter Schock - auch, weil sie vom Unglück erst aus den Medien erfuhren. Frauen erzählten, ihre Männer hätten schon länger geklagt, dass es im Schacht nach Gas rieche.

Kumpel rochen Gas

Manchmal sollen sich die Männer geweigert haben, in die Stollen zu fahren. "Tatsächlich gab es schon in der letzten Woche kleinere Feuer in diesem Stollen", sagt der Werkschef Peter Cicmanec. Die Sensoren zeigten allerdings keinen Methan-Gehalt in der Luft an. Bei den jetzt angeordneten Ermittlungen soll überprüft werden, ob die Sensoren richtig funktionierten.

Das Werk gilt mit mehr als 4.000 Beschäftigten, als größter Arbeitgeber in der Region und mit circa 2,2 Millionen Tonnen als der größte Lieferer von Braunkohle. Die Angst vor Arbeitslosigkeit zwingt die Leute, in der Grube zu arbeiten.

Die in der Region mit 9,32 Prozent relativ gering ist. Landesweit sind 11,81 Prozent der Slowaken ohne Arbeit. Das Arbeitsministerium hat den betroffenen Familien 800 Euro Soforthilfe angeboten. (Lýdia Kokavcová aus Bratislava, red, DER STANDARD Printausgabe, 12.8.2009)

 

 

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    Angehörige erfuhren durch die Medien vom Grubenunglück in Handlova.

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