Warnung vor der Schuldenfalle

11. August 2009, 19:12
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Kreditrückzahlungen sind nächstes Problem

Die Auswirkungen der Finanzkrise zeigen sich in Ungarn besonders deutlich. Seit Ausbruch der selbigen sank der Stromverbrauch der Bevölkerung um zehn Prozent. Die Ungarn schulden den Gasversorgern inzwischen 22 Milliarden Forint (ca. 81 Mio. Euro) - weil viele Verbraucher ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Das sind zwei bis vier Milliarden Forint mehr, als im vorigen Jahr.

In dem politisch extrem polarisierten Land beurteilen die Medien die Lage mehr oder weniger schrill, je nach politischer Orientierung. Doch selbst die fidesznahe Zei-tung Magyar Nemzet bescheinigte dem Premier Gordon Bajnai, der als parteiloser Experte mit Unterstützung der Sozialisten regiert, dass er seine Sparmaßnahmen "erfolgreich" durchgesetzt habe - wenngleich er nichts gegen die Korruption und für die öffentliche Sicherheit unternommen habe. Noch in diesem Winter hatte der Fidesz-Vorsitzende gesagt, dass er alle Sparmaßnahmen zurücknehmen werde, sollte er an die Macht kommen. Das rechte Lager polemisierte heftig gegen den IWF, nachdem Ungarn im Oktober 2008 ein 20-Milliarden-Euro-Kreditpaket vom IWF und von europäischen Institutionen zur Rettung der Staatsfinanzen bekam. Vom "Ausverkauf" der Nation war die Rede. Heute sind diese Stimmen schwächer geworden.

Experten wie Andras Inotai sehen die Lage längst nicht so optimistisch wie mancher Kleinunternehmer. Inotai, Direktor des Budapester Instituts für Weltwirtschaft, gab zu bedenken, dass gerade Bajnais Antikrisenprogramm einen Schuldenberg hinterlassen werde, zu dessen Tilgung es "Generationen" brauche. Die Tarki-Umfrage jedenfalls zeigt, dass der Pessimismusgrad der ungarischen Industriellen schon Anfang 2008 bei minus fünf lag. (Kathrin Lauer aus Budapest, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.8.2009)

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